"Lebensgefahr" für Blinde am Ostbahnhof-Provisorium

16. Dezember 2009, 16:38
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Kritik an fehlenden Orientierungssystemen - Begleitpersonal gefordert - ÖBB: Akustisches Leitsignal montiert, weitere Maßnahmen geplant

Wien -  Lebensgefahr bedeutet das Ostbahn-Provisorium am gesperrten Südbahnhof für sehbehinderte Personen, warnt das Verkehrsgremium der Blinden- und Sehbehindertenorganisationen, nach einer Begehung des Geländes.

An der Begehung nahmen rund 15 sehbehinderte und blinde Menschen mit Begleitung sowie eine Trainerin für Orientierung und Mobilität des Blindenverbandes teil. Einige der Personen müssen die Ostbahn künftig täglich benutzen. Die Betroffenen wurden sowohl von Öffi-Haltestellen der Straßenbahnlinien O, D und 18 sowie der S-Bahn-Station Südbahnhof zum unweit gelegenen Provisorium geführt.

Kein Blindenleitsystem

"Der Weg ist aufgrund der Gegebenheiten für sehbehinderte und blinde Menschen lebensgefährlich", so das Ergebnis. Kritisiert wurden etwa scharfkantige Baustellentafeln in der Höhe von rund 1,5 Metern, Ampelanlagen ohne akustische Signale und fehlende Querungshilfen über die Gleise und Fahrbahnen von Bim und Bus. Außerdem gebe es kein Blindenleitsystem - weder auf den Bahnsteigen des provisorischen Ostbahnhofes noch auf jenen der S-Bahn-Station Südbahnhof sowie im Bereich der neuen Aufgänge.

Baustellenlärm verschlechtert Orientierung

Durch die bevorstehenden Abbrucharbeiten im Bereich des Südbahnhofs und des damit verbundenen Lärms werde sich die Situation künftig wohl noch verschlechtern, befürchtet das Gremium.

Begleitdienst gefordert

Die Verbände fordern nun einen Begleitdienst für Sehbehinderte durch ÖBB- oder Wiener-Linien-Personal sowie Gespräche mit Vertretern der Stadt Wien und der Bundesbahnen, um bauliche und verkehrstechnische Verbesserungen zu erarbeiten. Das Gremium besteht aus Vertretern des Österreichischen Blindenverbands, der Blindenwohlfahrt sowie der Organisationen Blickkontakt und der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs.

Akustisches Leitsignal montiert

Laut einer ÖBB-Sprecherin werden bereits Maßnahmen zur Unterstützung sehbehinderter und blinder Besucher gesetzt - und es wird weitere geben. Inzwischen sei ein Gehweg mit akustischem Blindenleitsignal eingebaut worden, hieß es. Weiters sei geplant, im Bereich der S-Bahn-Haltestelle Leit-Streifen am Boden zu montieren. Derzeit sei es dafür aber zu kalt. Sobald die Temperaturen wieder steigen, werde das Leitsystem angebracht, wurde betont.

Auf den Bahnsteigen sei dies nicht vorgesehen, weil es sich um eine bestehende Anlage handle. Ein im Bahnsteig eingelassenes Leitsystem gebe es nur bei neu errichteten Stationen.  (APA)

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    Einige der Test-Personen müssen das die Ostbahn täglich benutzen - Die Blindverbände halten das Provisorium für lebensgefährlich und fordern einen Begleitdienst für Sehbehinderte

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