"Spekulation feiert fröhliche Urstände"

16. Dezember 2009, 16:34
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Der Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien über die ÖVAG, einen möglichen Börsengang der LLI und die Wirtschaftsentwicklung

Wien - Raiffeisen habe "seit Jahrzehnten" versucht, mit der Österreichischen Volksbanken-AG (ÖVAG) in Gespräche zu kommen, werde sich aber jetzt, wo eine Partnersuche aktuell werde, nicht zu einem "Schnellschuss" drängen lassen, sagte Erwin Hameseder, Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, am Mittwoch im Club der Wirtschaftspublizisten.

"Jetzt soll es plötzlich schnell gehen. Das ist utopisch", sagte Hameseder. Aber es sei "hochinteressant", dass ÖVAG-Chef Gerald Wenzel am Dienstag bekanntgegeben habe, dass die Hereinnahme eines Partners als Option geprüft werde. Partnerschaft sei allerdings nur "auf Augenhöhe" möglich, und "solche Gespräche sehe ich nicht".

Raiffeisen sei bisher nicht angesprochen worden, werde aber im Fall des Falles sicher nicht das Gespräch verweigern. Raiffeisen achte darauf, immer so aufgestellt zu sein, "dass wir bereit sind, wenn etwas von Interesse käme". "Schnäppchen" wiederum könnten auf zweiten Blick sehr teuer kommen, relativierte er, dass ein Einstieg möglicherweise günstig kommen könnte. In Summe sehe er die Zusammenarbeit "kurzfristig" nicht, aber "mittelfristig", gemeint seien drei bis fünf Jahre, "schließe ich nichts aus".

Keine Teilnahme an Kapitalerhöhung

Die RZB, die derzeit sechs Prozent an der ÖVAG hält, denkt nicht daran, an einer ÖVAG-Kapitalerhöhung teilzunehmen. Das habe RZB-Chef Walter Rothensteiner mit dem Wissen eines ÖVAG-Aufsichtsrates gesagt, erinnerte Hameseder. "Das unterstützen wir." Zugleich betonte Hameseder, dass zuerst der Haupteigentümer der ÖVAG Stellung nehmen müsse. Hauptaktionäre sind die regionalen Volksbanken (58 Prozent), es folgen die deutsche DZ Bank (25 Prozent), die eine Beteiligung an einer Kapitalerhöhung ausgeschlossen hat, die Ergo Versicherung (10 Prozent) und die RZB (6 Prozent).

Auf die Frage, ob es für Raiffeisen vielleicht interessanter wäre, bei der ÖVAG die Kontrolle zu übernehmen statt bei einer allgemeinen Kapitalerhöhung mitzumachen, erinnert Hameseder daran, dass Raiffeisen grundsätzlich bei Investitionen in Richtung Vertiefung und Erreichung einer "adäquaten Mitsprache" gehe, und versuche zumindest eine relative Mehrheit zu erzielen.

Zehn Prozent Ergebnisplus

Die Raiffeisen Landesbank (RLB) NÖ-Wien wird 2009 das Vorjahresergebnis operativ um mindestens 10 Prozent übertreffen. Für das Budget 2010 sei zwar "kein Riesenwachstum", aber dafür mit 62 bis 63 Mio. Euro um 20 Prozent höhere Risikovorsorgen als 2009 eingeplant. Stille Lasten des Vorjahres seien zur Gänze abgebaut worden. Auch die Holding werde heuer im Ergebnis "deutlich über 10 Prozent" zulegen.

Die rohstoffbasierten Beteiligungen Agrana, Leipnik Lundenburger (LLI) und NÖM dürften 2009 "wieder zum Ergebnis von 2007 zurückkehren", kündigte Hameseder an. Die Medienbeteiligungen seien hingegen "momentan unter Druck", was klar sei, wenn die Anzeigen um "25, 30, 35 Prozent wegbrechen". "So schnell kann man nicht reagieren."

LLI habe ein "hervorragendes Jahr" hinter sich und sei "sicherlich börsereif", für 2010 sei dieser Schritt zwar "eher unrealistisch", über den Börsegang 2011/2012 "denkt man nach". Dabei werde man wohl 25 bis 30 Prozent an die Börse bringen.

Raiffeisen will im kommenden Jahr 500 Mio. Euro investieren. 300 Mio. Euro "in die Wirtschaft", etwa Bauten, 200 Mio. Euro in Beteiligungen. Zukäufe seien "nicht ausgeschlossen", der Einstieg in neue Bereiche sei aber nicht geplant. Unter anderem sind 70 Mio. Euro für Alternativenergien (Photovoltaik, Windenergie, Biomasse) eingeplant, die 350 Mio. Euro an Investitionen auslösen sollen. In Wien wird der Umbau des ehemaligen OPEC-Hauses 80 Mio. Euro kosten, außerdem zeichnet sich der Kauf des IBM-Hauses von der Wiener Städtischen im ersten Quartal ab. IBM soll aber Mieter bleiben.

Keine staatliche Unterstützung

Raiffeisen brauche keine staatliche Unterstützung und auch keine Kapitalerhöhung, betonte Hameseder. Die Kernkapitalquote liege deutlich über neun Prozent. Hameseder kritisierte, dass es in Basel II Bestrebungen geben, Genossenschaftereinlagen nicht mehr zum Kernkapital zu zählen. Dagegen verwehre sich Raiffeisen heftig.

Hameseder erwartet eine "W-förmige" Entwicklung der Wirtschaft, also einen zweiten Knick beim Wachstum. Große Sorge bereite die neuerliche Spekulationsblase, die sich aufbaue. Unter andere sei der Rohölpreis um 40 Prozent gestiegen. "Spekulation feiert fröhliche Urstände", sagte Hameseder, "wir erwarten eine Korrektur nach unten im 1. Halbjahr 2010".(APA)

 

 

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