Renault verkauft sein Team

16. Dezember 2009, 16:04
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Rennstall bleibt dem Formel 1-Zirkus erhalten und liefert weiterhin Motoren für Red Bull - Zweiter Mercedes-Pilot wird erst im Jänner verpflichtet

Neuss/Paris - Renault verkauft sein Formel-1-Team, bleibt der Königsklasse aber dennoch erhalten. Der französische Automobilkonzern verkaufte einen "großen Teil" seines Rennstalls an die Kapitalgesellschaft Genii des Luxemburger Finanzinvestors Gerard Lopez, der das Team gemeinsam mit dem Autohersteller unter dem Namen Renault 2010 in der Formel 1 an den Start bringt. Klarheit gab es am Mittwoch auch für das Red-Bull-Team von Vize-Weltmeister Sebastian Vettel, das 2010 weiterhin von Renault mit Motoren beliefert wird.

Mit der neuen Partnerschaft ist ein befürchteter kompletter Rückzug des zweimaligen Konstrukteurs-Weltmeisters Renault aus der Formel 1 - wie zuvor in diesem Jahr schon von BMW und Toyota - vom Tisch. Auch der von BMW-Sauber gekommene Pole Robert Kubica hat nun Gewissheit über seine Zukunft. Die Besetzung des zweiten Cockpits ist noch offen.

Renault hatte 2009 in der Formel 1 nicht nur sportlich ein schweres Jahr, in dem das Team lediglich den achten Platz in der Konstreukteurs-WM belegte und mit Rang drei des zu Ferrari abgewanderten zweimaligen Weltmeisters Fernando Alonso (Spanien) in Singapur das beste Ergebnis verzeichnete. Viel schwerer wog die Verwicklung in den Unfall-Skandal von Singapur 2008. Seinerzeit hatten der damalige Teamchef Flavio Briatore und der damalige technische Direktor Pat Symonds Fahrer Nelson Piquet junior aufgefordert, einen Unfall zu provozieren, um damit den späteren Sieg von Alonso zu ermöglichen.

Der Automobil-Weltverband FIA schloss daraufhin im September dieses Jahres Briatore lebenslänglich und Symonds für fünf Jahre aus der Formel 1 aus, verhängte gegen Renault aber lediglich eine Bewährungsstrafe, unter anderem wohl auch wegen einer Zusage des Konzerns, 2010 in der Formel 1 zu bleiben. Renault-Chef Carlos Ghosn hatte dennoch das Engagement zur Disposition gestellt, nachdem in Folge des Skandals zwei große Sponsoren abgesprungen waren. Jetzt kann Renault weiter positive Werbeeffekte aus der Formel 1 nutzen, hat das finanzielle Risiko aber auf Lopez abgewälzt. Zudem will man sich weiter als Hersteller leistungsstarker, aber verbrauchseffizienter Autos positionieren.

Über die genaue Höhe des Anteils, den Genii übernimmt, machten weder Renault noch der neue Partner in ihren Pressemitteilungen Angaben. Zuvor war spekuliert worden, dass der Konzern eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent halten würde. Genii ist mit verschiedenen Tochterfirmen unter anderem im Bereich neuer Technologien, etwa in der Medizin oder im Automobilbereich, im Marken-Managment oder in der Beratung von Rennfahrern aktiv und will jetzt die weltweite Plattform Formel 1 nutzen.

'Es ist eine Phase der Möglichkeiten in der Formel 1, nicht der Unsicherheit. Die Formel 1 hat ein außerordentliches Level weltweiter Aufmerksamkeit und kann genutzt werden, um neue Geschäftsmodelle in traditionellen und sich entwickelnden Märkten zu entwickeln', sagte Lopez, der sich gegen drei Konkurrenten, unter ihnen auch der mit Aston Martin verbundene ehemalige Benetton- und BAR-Teamchef David Richards, durchgesetzt hat.

Zufrieden mit der weiteren Zusammenarbeit mit Renault zeigte sich auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner. 'Wir freuen uns, die fruchtbarte Partnerschaft mit Renault 2010 fortzusetzen', sagte er. Ohne Renault wäre das beste Jahr der Teamgeschichte mit insgesamt sechs Siegen, vier davon durch Vettel, nicht möglich gewesen.

Warten auf zweiten Mercedes-Piloten

Die Besetzung des zweiten Cockpits beim deutschen Team Mercedes Grand Prix und damit ein mögliches Comeback des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher lässt weiter auf sich warten. "Wir haben mit Nico Rosberg bereits einen exzellenten Fahrer verpflichtet und werden Anfang des nächsten Jahres wissen, wer der zweite ist", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei einem PR-Termin in Abu Dhabi. "Wir wollen die besten Fahrer in unserem Fahrzeug sehen", sagte er weiter.

Dass nach so vielen Jahren, "in denen wir keinen deutschen Fahrer hatten", Rosberg für die Marke aus Stuttgart fahren wird, sei eine eine tolle Sache, meinte Zetsche. Man sei froh ,"jetzt mit einem Silberpfeil auch für unser Heimatland, für Deutschland, fahren können", ergänzte der Mercedes-Boss. Es sei sicherlich attraktiv, "wenn zumindest ein deutscher Pilot am Steuer sitzt, auch wenn es keine Notwendigkeit ist".

Bleibt die Frage nach dem zweiten Piloten. Team-Geschäftsführer Nick Fry sagte, dass man "bedauerlicherweise" zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts sagen könne. Allerdings meinte er auch, dass man nicht nur in seinem Team, sondern in der gesamten Formel 1 hoffe, dass Schumacher zurückkehrt. Für Mercedes Grand Prix wäre Schumacher, der von Rivale Ferrari bereits Grünes Licht bekam, "sehr gut". Eine deutsche Fahrerpaarung bezeichnete Fry als "formidabel".

Ungeklärt ist weiterhin die Frage, ob die Schädelbasis-Verletzung, die sich Schumacher bei seinem Motorrad-Unfall am 11. Februar in Cartagena zugezogen hatte, nun völlig auskuriert ist. Die Halswirbelfraktur, die Schumacher bei seinem Sturz ebenfalls erlitten hatte, war bei seinem Comeback-Versuch im Sommer bereits ausgeheilt gewesen. Eine feine Struktur im Bereich der Schädelbasis war aber auch damals geborsten. (APA/SID)

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