Ein Spitzenforscher als Museumsdirektor

16. Dezember 2009, 18:15
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    foto: matthias cremer

    Christian Köberl verspricht eine "sanfte Modernisierung" des NHM. Ministerin Claudia Schmied hört die Botschaft gerne.

Der renommierte Geowissenschafter Christian Köberl wird neuer Chef des Naturhistorischen Museums Wien

Wien - In nicht wenigen Schausälen des Hauses am Ring fühlt man sich immer noch wie in einem Museum eines Museums: So manche Schilder vor den abertausenden Objekten sind mit Schreibmaschine getippt, andere gar noch mit Tusche geschrieben. Englische Beschriftungen sind Mangelware.

Dabei ist in der 15-jährigen Generaldirektion von Bernd Lötsch, die mit 31. Dezember zu Ende geht, auch nicht nichts geschehen: Nunmehr sind immerhin alle Säle beleuchtet, einige präsentieren sich sogar einigermaßen zeitgemäß - wenngleich die Neuerungen auch gut versteckt sind in nachgebauten Schaukästen des späten 19. Jahrhunderts.

Daran wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern - aber womöglich gar nicht so viel, wie manche erhofft haben mögen: Nicht mehr und nicht weniger als eine "sanfte Modernisierung" versprach Christian Köberl am Mittwoch bei seiner Vorstellung als neuer NHM-Direktor durch die für Museen zuständige Bildungsministerin Claudia Schmied.

Mit der Bestellung des 50-jährigen Geowissenschafters hat sich Schmied nach einem etwas spät anberaumten Auswahlverfahren (der neue Job wäre eigentlich mit 1. Jänner anzutreten) für einen international renommierten Spitzenforscher entschieden, der zwar wenig Museums- aber doch auch wissenschaftliche Vermittlungserfahrung mitbringt. Der Spezialist für Meteoriten und vor allem Meteoriteneinschläge hat nicht nur zahllose Fachpublikationen in angesehenen Fachzeitschriften vorzuweisen, sondern war auch an etlichen populären Aufbereitungen seiner Forschungen beteiligt.

Als erstes Kernanliegen nannte Köberl bei seiner Vorstellung aber dennoch die Forschung am NHM: Sie soll international wie national besser sichtbar gemacht werden, zudem sollte die Forschungsinfrastruktur am Haus am Ring verbessert werden. Nachholbedarf ortete er insbesondere bei der Geräte-Ausstattung und der Entwicklung und Förderung von spezifischen Forschungsprojekten.

Anliegen Nummer zwei sei eine verstärkte Kooperation mit den Universitäten. Entsprechend will Köberl auch seine Professur zwar "auf 15 Prozent" reduzieren, aber doch weiterführen, weil damit "die Verbindung zu Lehre und Forschung gesichert ist". Auf Nachfrage des Standard bestätigte er, auch als Museumsdirektor weiterhin forschen und wissenschaftliche Projektanträge stellen zu wollen.

Im Hinblick auf die Vermittlung und die Schausäle formulierte der designierte NHM-Direktor, der sein Amt erst am 1. Juni 2010 antreten wird, als Ziel die besagte "sanfte Modernisierung", die auch deshalb sanft ausfallen muss, weil das vor 120 Jahren errichtete Gebäude unter Denkmalschutz steht. "Außerdem sollte das Naturhistorische Museum nicht mit einem Technischen Museum verwechselt werden." Konkret will Köberl gleich einmal für englische Beschriftungen sorgen, "um das Museum für den internationalen Tourismus besser zu positionieren".

Andere Pläne sind noch etwas widersprüchlich: Zum einen möchte der Direktor in spe die Schausäle der Anthropologie und der Botanik wieder dauerhaft bespielen. Zum anderen will er mit mehr Sonderausstellungen Besucher anlocken. Das Problem: Sonderausstellungen - wie die gerade laufende Darwin-Schau - sind in den Sälen der Botanik und Anthropologie untergebracht. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 17. 12. 2009)

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
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Sushi Pizza Science
 
00
21.12.2009, 02:58

hmm auf dem bild links oben hat der neue chef einen ur argen blick. bitte... manchmal hab ich das gefühl, der standard sucht nicht zufällig solche seltsamen bilder raus...

Christian S
00
17.12.2009, 17:12
Spitzenforscher und renommierter Geowissenschafter

Zwischen Studium und Postdoc-Zeit habe ich drei Unis und ein Helmholtz-Zentrum kennengelelernt und dabei eines gelernt:

In der akademischen Forschung sind immer ALLE hochqualifizierte, renommierte, international anerkannte, Elite-, Exzellenz-, Spitzen-Forscher, die stets und grundsätzlich führend auf ihrem Gebiet sind.

Selbst wenn der Kerl noch nie irgendeinen echten Durchbruch hatte und bereits an Unis anderer Bundesländer komplett unbekannt ist, glauben die Leute an den Instituten immer, ausgerechnet ihr Chef wäre jene weltbekannte Koryphäe als die er sich selbst präsentiert. Meist ist er das aber nur in seinen eigenen Größenwahn-Fantasien.

AlterEgo
 
00
22.12.2009, 12:36

Oha, hier spricht ein Spezialist? :P

Es ist lächerlich, zu behaupten, Köberl wäre unbekannt. Der spielt in der internationalen Liga, soetwas bräucht man in Österreich mehr.

Mirabeau
00
17.12.2009, 18:07
Sie haben schon recht.

Meistens ist es so, wie sie schreiben.
Gerade bei Köberl stimmt es aber nicht.
320 Veröffentlichungen in bekannten peer reviewed Journalen unterzubringen ist keine Kleinigkeit.

Christian S
04
17.12.2009, 23:07
320 Paper

Zu solchen Zahlen kommt ein Forscher, indem eine Unmenge kleiner Heinzelmännchen die Arbeit machen und den Chef automatisch als Seniorautor draufschreiben müssen.

Oft müssen dann Doktorand und Postdoc dem begriffsstutzigen Chef, wenn er ausnahmsweise mal da ist, mühsam erklären, was er in letzter Zeit so alles herausgefunden hat. Mit diesem neuen Wissen geht er dann wieder auf Tournee und vermarktet sich als großer Zampano. ;-)

Aber vermengen wir hier nicht die Frage nach Bekanntheit mit der Frage nach der Aussagekraft derselben.
Wenn er tatsächlich mehr als 300 Paper aufweisen kann, wird er schon bekannt sein.
Dahingehend muss ich Ihnen natürlich Recht geben.

pike bishop
02
18.12.2009, 17:24

Ich kenne den Köberl nicht. Was ich sage ist ganz allgemein.
Dei meisten sogenannten spitzenforscher, die ich kenne, sind sozial und politisch sehr geschickt und kommen deshalb zu großen Geldern. Das hat mit ihrer Forschungnur bedingt zu tun. da arbeiten dann viele mit, der Ruhm bleibt aber am Chef haften. Da es viel geld gibt, d.h. auch viele Einladungen etc., ist die community nur zu gern daz bereit einen ständig zu preisen, weil man ja am Geld mitaschen will. Diejenigen, die tatsächlich selber forschen, die kennt dagegen sehr oft gar niemand. Ein "Spitzenforscher" ist in der Regel ein Wissenschaftsmanager kein Forscher.

Christian S
00
21.12.2009, 00:16
Wie sonderbar

ich habe genau dieselben Beobachtungen anstellen können...

Sol´kanar -The Swamp King
00
21.12.2009, 07:26
es ist leider so.

die Profs in den anderen instituten sowie auch der damalige chef (Prof. emer. Kiesl) auf der geochemie des Herrn K., im Geozentrum, hatten den anstand sich immer erst als zweitautor listen zu lassen. der Institutsvorstand war fast immer am schluss mit dabei. aber das ist ok, schließlich hat er die gelder und und kooperationen durch sein netzwerk aufgestellt. so sollts laufen.

der Herr K. hatte schon vor 10 jahren einen namen, hat sich aber trotzdem am rücken der anderen fleißigen bienchen höher heben lassen. ich habs nie verstanden. bis heute. es scheint sich für ihn ausgezahlt zu haben.

pike bishop
00
27.12.2009, 02:59

ich finde, das ist allesnicht korrekt. Als gewöghnlicher Forscher dürfen sie ja gar keine Gelder im großen Stil beantragen. Wenn Sie eine Idee haben, muss wer anderer den Antrag stellen. warum der dann als Koautor bei meinen Publikationen aufscheinen soll, sehe ich gar nicht ein. Das istr aber Gott sei Dank in den Geistes- und Sozialwissenschaften noch nicht so üblich, zumindest war es es nicht, als ich noch in Europa war.

Christian S
00
28.12.2009, 03:15
Je mehr Gelder notwendig sind und je vernetzter es zugeht,

desto mehr verkommen die Publikationslisten zu einem Basar, bei denen die Chefs am längeren Hebel sitzen.

Bei mir war es typischerweise so: Erstautor ist Gruppenleiter, weil er über die Vertragsverlängerungen entscheidet. Wer nicht mitspielt, fliegt. Ganz einfach.
Seniorautor ist Abteilungsleiter, weil er Netzwerke hat. Wer sich wehrt, bekommt Probleme bei der Vertragsverlängerung und geht seiner Habilitation verlustig. Widerrede wurde nicht geduldet und schnell geahndet. Es gibt ja genug Postdocs.
Außerdem mind. 2 Mediziner als Koautoren. Wenn nicht, dann: Ärger mit Chefs und vor allem: keine Gewebeproben mehr.

Ich hatte immer mind. 4 Leute auf den Papern stehen, die wissenschaftlich absolut NICHTS beigetragen hatten.

Christian S
00
21.12.2009, 13:31
Eine Gruppenleiterin bei uns hat das zum System erhoben

Jede neue Postdoc wurde mit 2-3 Projekten versorgt und nach zwei Jahren automatisch wieder entsorgt.
Mit dem Vorwand, es gäbe leider keine Stellen.

Kurz darauf kam schon die neue Postdoc. Chefin sagte sie hätte da einige fast fertige Projekte (allesamt von der Vörgänger-Postdoc), aber leider keine Zeit, um diese noch fertigzustellen.
Die Neue könne diese Vorarbeiten aber ruhig übernehmen und publizieren. Allerdings muss sie als Erstautorin genannt werden, immerhin hätte sie (!!!!) ja die gesamte Vorarbeit geleistet.

So geschieht es, Paper gehen durch, Postdoc bringt auch eigene Projekte zum Laufen, wird aber rechtzeitig entsorgt und prompt kommt die nächste...

So kam die Chefin zu Erstautorenpublikationen ohne einen Finger zu krümmen.

Sol´kanar -The Swamp King
28
17.12.2009, 08:32
na dann alles gute für die Belegschaft (vor allem dir Luki :)

der rollkragenpullover ist noch immer der gleiche wie vor 10 Jahren, als er noch seine Dissertanten aussaugte und die arbeiten (zumindest teile daraus) unter seinem namen veröffentlichte.

ein Narzist, der nur ein Interesse hat: nein, nicht die extraterrestrischen impakte, sondern sein eigener ruhm.

Mein Beileid NHM Staff.

pike bishop
00
18.12.2009, 17:27

Ich hatte das nicht gelesen, entspricht abe rin ungefähr meiner Erfahrung (und ich habe viele) mit nahezu allen universitären "Spitzenforschern". Da die Politiker (Wissenschaftpolitiker) aber aus demselben Holz geschnitzt sind, ist da nichts zu machen. Erst recht nicht, wenn Zeitungen wie der Standard ungefragt nachsingen, was diese Selbstvermarkter von sich geben.

Luigi Bunt
10
17.12.2009, 07:27
spitze! hauptsache eine frau!

Mirabeau
01
17.12.2009, 16:13
hmmm

Kunsthistorisches Museum: Sabine Haag
Jüdisches Museum: Danielle Spera
Österreichische Galerie Belvedere: Agnes Husslein
Technisches Museum: Gabriele Zuna-Kratky
Nationalbibliothek: Johanna Rachinger
Generali Foundation: Sabine Breitwieser
Bank Austria Kunstforum: Ingried Brugger
Tiergarten Schönbrunn: Dagmar Schratter

Nicht jede Personalentscheidung ist eine Verschwörung des Patriarchats.

pike bishop
10
17.12.2009, 03:26

Was ist ein Spitzenforscher? Einer vom Standard so benannt wird? Einer den eine Minsiterin is bezeichnet? Oder einer, der sich selbst so nennt? Eine der Artikel in wichtigen Fachzeitschriften schreibt, ist es sicher nicht, sonst wäre ich ja auch einer und in der Zeitung, vielleicht sogar Museumsdirektor.

Mirabeau
00
17.12.2009, 15:51

Köberl gehört auf seinem Gebiet, der Impaktforschung, sicher zu den Top drei Forscher der Welt, daran besteht kein Zweifel. Ober auch ein guter Museumsdirektor wird, wird sich weisen.
Disqualifizieren tut ihn seine anerkannte Forschertätigkeit jedenfalls nicht.

Dark Funeral
 
22
16.12.2009, 16:46
Professur behalten

Toll, wieder einer jener Profs, denen man als Student zwei Monate lang nachlaufen muss, damit man auch nur einen Termin bekommt.

savoir vivre
02
17.12.2009, 14:26

jetzt werden aus den 2 Monaten mindestens 4

dieweise
31
16.12.2009, 15:23
gute wahl !

Endlich mal ein aktiver junger Top-wissenschafter auf dem Posten !

da wird das Museum aus dem Mief gerissen !

schade nur, dass sich keine derart qualifizierte frau beworben hat - hoffentlich in 5 jahren, denn länger wird es der herr köberl sicher nicht aushalten...

Friedrich Bernhart
 
00
16.12.2009, 18:56
die qualifizierte frau

Irrtum herr bernhardt mindestens zwei hochqualifizierte frauen haben sich beworben, vielleicht nicht ganz so sanft

Preger
22
16.12.2009, 16:49
Ich kann Ihnen nur voellig recht geben,

was Koeberls Qualifikation und die Hoffnung auf Miefaustreibung betrifft.

Ihren Wunsch nach einer Frau kann ich verstehen, halte ich aber fuer eher sekundaer. Wichtig ist, dass eine geeignete Person vorne steht und die Zuegel fest in der Hand haelt (das Geschlecht ist mMn voellig egal).

Alles Gute jedenfalls dem Herrn Koeberl und dem Museum!

Preger, Teilzeitkuenstler/In

agarthianer
00
16.12.2009, 15:02
Bohrkerne

interessant wäre wie es darunter aussieht
http://www.museumofhoaxes.com/symzonia.html
http://www.sacred-texts.com/earth/sym/sym01.htm
-----------------------------------------------
welche praktischen Lösungsansätze hat die Impaktforschung zu bieten angesichts dringlicher
Probleme im Vergleich zum Global Marshal Plan ?
http://www.oekosozial.at/index.php?id=29

Günther Hase
 
14
16.12.2009, 13:31
Auf dem Gebiet der Impaktforschung ein absolutes Schwergewicht

aber was Herrn Köberl damit für diesen Posten qualifiziert ist mir schleierhaft. Ich hätte mir doch eher eine Person mit breitem Interessensgebiet und Background vorgestellt anstatt eines hochspezialisierten Forschers - und vor allem jemanden der etwas mehr Wert auf Konsens legt ... nichts gegen Herrn Köberl persönlich, aber er polarisiert doch recht stark.

Könnte heiter werden für die Belegschaft.

Renzo Pasolini
14
16.12.2009, 13:16
Was Herr Köberl bisher von sich gegeben hat,

war nur ein unglaubliche Desavouierung seines Vorgängers!

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