AUA ist wertlos, beteuert ihr Vorstand

16. Dezember 2009, 17:37
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Squeeze-out: Die Restaktionäre von Lufthansa wurden "mit nassen Fetzen vertrieben" , klagt der Anlegervertreter

Wien - Es war schon eine einigermaßen ungewöhnliche Übung: Eineinhalb Stunden lang beschworen Vorstand, Aufsichtsrat, Vertreter des Hauptaktionärs Lufthansa und Wirtschaftsprüfer Deloitte, unterstützt von telefonbuchdicken Unterlagen, die absolute Wertlosigkeit der Austrian Airlines.

Von "Betafaktoren" und "ewigen Renten" war da die Rede, "Cashflow-Verfahren" und "Multiplikatormethoden" , bis AUA-Vorstand Andreas Bierwirth nach seinem betriebswirtschaftlichen Monolog, von gelegentlichen Zwischen- und Buh-Rufen unterbrochen, endlich zum Punkt kam: Der Gesamtwert der von der Lufthansa übernommenen Airline sei minus 207 Millionen Euro, pro Aktie minus 2,43 Euro. Ein Abfindungsangebot von 0,50 Cent sei da geradezu als großzügig zu bewerten. Eigentlich, so Bierwirth, hätte man die nach der Übernahme verbliebenen 4,6 Prozent Streubesitz auch zu einem Cent oder ohne Entgelt hinausdrängen können.

Das Squeeze-out der restlichen Kleinaktionäre war der einzige Tagesordnungspunkt der außerordentlichen Hauptversammlung der AUA am Dienstag im Austria Center. Dass der neue Eigentümer zu allem entschlossen sei, signalisierte Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Lauer schon zu Beginn:Es gäbe nur "eingeschränktes Catering" warnte er in der Einleitung.

"Enttäuschung und Ärger"

Aber das konnte dissidente Anleger nicht zum Schweigen bringen.Selbst Kleinanleger-Vertreter Willi Rasinger, der seinerzeit die Annahme des 4,49-Euro-Übernahmeangebots Euro empfohlen hatte, drückte "Enttäuschung und Ärger" über das 50-Cent-Angebot aus. Nach einem professionell abgehandelten Übernahmeprozess würden jetzt "die treuesten Anleger mit nassenFetzen hinausgetrieben" , beklagte er. Natürlich könne es keinen Bonus fürs Zuspätkommen geben, aber die "unwürdige Bestrafungsaktion" würde nur zu langwierigen Prozessen ähnlich wie beim Squeeze-out bei der Bank Austria führen. Aus den Unterlagen des Vorstands könne man gerade so gut einenWert von plus drei Euro pro Aktie herausrechnen. "Für die Vernunft ist es nie zu spät" , appellierte Rasinger.

Der bevorstehende Rechtsstreit warf dann bereits in Person des Investors und Ex-Sprechers von Meinl European Land, Rupert Heinrich Staller, seinen Schatten voraus. Mit dem "lächerlichen Barabfindungspreis klaut und enteignet die Lufthansa" die Eigentümer, rief er und prahlte, dass er "bis dato noch alle Anfechtungen gewonnen" habe. Nebenbei attackierte er den Rechnungsprüfer Deloitte als unglaubwürdig, da dieser auch die Hypo Alpe Adria geprüft und positiv bestätigt hatte. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.12.2009)

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    Die außerordentliche AUA-Hauptversammlung ging am Mittwochabend um 22.45 Uhr nach fast 13 Stunden und zum Teil heftigen Diskussionen zu Ende. Das Barabfindungsangebot für den restlichen Streubesitz (4,6 Prozent) von 50 Cent je Aktie wurde von 98,43 Prozent der Aktionäre angenommen.

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