Australien prescht bei Webfiltern vor

16. Dezember 2009, 11:19
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Providerseitige Filter eigentlich kein ausreichender Kinderschutz

Die australische Regierung hat sich darauf festgelegt, ISP-seitige Webfilter gesetzlich vorzuschreiben. Damit wird illegalen Inhalten wie Kinderpornographie auf Servern in Drittländern der Kampf angesagt. Ein Beschluss im kommenden Jahr wird den Weg für eine aktive Filterung ab 2011 vorbereiten. Damit prescht der australische Minister für Breitband, Kommunikation und die Digitale Wirtschaft, Stephen Conroy, international vor.

Große australische Provider unterstützen den Plan, zumindest offiziell. Dabei gibt es international nicht nur bei Bürgerrechtlern Bedenken gegen derartige Filter. "ISPs sind widerwillig, weil sie False Positives fürchten", sagt Carol Carpenter, General Manager Consumer und Small Business bei Trend Micro, im Gespräch mit pressetext. Doch nicht nur Fehlblockaden sind in der Praxis ein Problem, denn providerseitige Webfilter sind allenfalls ein halber Schutz.

Webfilter zu einseitig

Gerade, wenn es darum geht, Kinder im Web zu schützen, ist eine Filterung des eingehenden Contents nicht unbedingt effektiv. "Inhalte, die Kinder verschicken, können zwar völlig legitim sein - aber ihrer Reputation massiv schaden", betont Carpenter. So sei es in den USA an guten Schulen durchaus üblich, Bewerber vor der Aufnahme mittels Google zu überprüfen. "Dabei können beispielsweise unbedachte Fotos wiederkehren und ein Kind verfolgen", sagt die Expertin.

Schutz, der wirklich im Interesse der Kinder ist, muss nach Ansicht der Expertin daher nicht zuletzt die vom heimischen PC nach außen getragenen Daten prüfen. Bei den Produkten des eigenen Unternehmens etwa will man Eltern dadurch ansprechen, dass auch das Herausgeben sensitiver Informationen technisch eingeschränkt werden kann. Das umfasst beispielsweise den Realnamen, die Adresse oder auch Kreditkartendaten.

Große Firewall im Westen

Wenn in Australien der Staat seine Bürger einseitig vor Kinderpornographie und exzessiver Gewalt per staatlich verordnetem Filter schützen will, ist das also nicht unbedingt eine umfassende Maßnahme. Dafür ist sie bei näherer Betrachtung aufgrund ihrer potenziellen Vorbildwirkung bedenklich. Denn damit plant ein Land in der vermeintlich freien westlichen Welt einen Schritt, der seitens der australischen Organisation GetUp! bereits als australische "Große Firewall" bezeichnet wurde. Die darin enthaltene Anspielung auf das chinesische Internet-Zensurregime ist wohl kein Zufall.

In Deutschland waren Netzsperren im Zusammenhang mit Kinderpornographie bereits praktisch beschlossene Sache. Dass sich die FDP bei der Bildung der neuen Regierung diesbezüglich quer gelegt hat, ist letztendlich ein Erfolg auf Zeit, denn die nächste Wahl kommt bestimmt. Dann könnten Sperren-Verfechter womöglich schon auf das vorbildliche Filtermodell am anderen Ende der Welt verweisen. (pte)

 

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