Armutsgefährdung

Leben von 951 Euro oder weniger

Anita Zielina, 16. Dezember 2009 11:09

2008 waren über eine Million Österreicher armutsgefährdet - Hilfsorganisationen warnen: "Unerträgliche Situation"

Wien - Die Armutsgefährdungsschwelle für Alleinlebende betrug in Österreich für das Jahr 2008 951 Euro pro Monat. Für jeden weiteren Erwachsenen im Haushalt erhöht sie sich um 475 Euro, für jedes Kind um 285 Euro. 1.018.000 Menschen galten im vergangenen Jahr nach dieser Berechnung als armutsgefährdet, etwa 492.000 davon lebten in manifester Armut.

Das geht aus aktuellen Ergebnissen zu Einkommen, Armut und Lebensbedingungen in Österreich auf Grundlage von EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions) 2008 hervor, die heute von der Statistik Austria veröffentlicht wurden.

Manifeste Armut bedeutet die Notwendigkeit, existenzielle Grundbedürfnisse nicht oder nicht ausreichend erfüllen zu können - Neue Kleidung zu kaufen, die Wohnung warm zu halten oder eine dringende medizinische Behandlung zu bezahlen.

Alleinverdiener besonders betroffen

Das Armutsrisiko verteilt sich nicht gleichmäßig auf die österreichische Bevölkerung, manchen Gruppen stechen hervor. Manifeste Armut trifft etwa häufig Haushalte mit Alleinverdiener. Überdurchschnittlich oft betroffen sind auch alleinlebende Pensionistinnen, alleinlebende Frauen ohne Pensionsbezug und alleinlebende Männer. Das höchste Armutsrisiko von 30 Prozent besteht für Personen aus dem Nicht-EU-Ausland, auch bereits Eingebürgerte aus Drittstaaten sind mit einer Armutsgefährdungsquote von 21 Prozent deutlich über dem Bevölkerungsschnitt.

Betrachtet nach der Zusammensetzung von manifest Armen, ist die größte Gruppe Mehrpersonenhaushalte mit mindestens drei Kindern. 10 Prozent dieses Haushaltstyps, das entspricht rund 73.000 Erwachsenen und Kindern, sind manifest arm.

Im Durchschnitt der 27 EU-Länder sind laut Angaben von Eurostat 17 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet, Österreich mit seinen 12,4 Prozent liegt also im Mittelfeld. 2010 hat die Europäische Kommission das Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ausgerufen, um das Thema Armut im öffentlichen Bewusstsein stärker zu verankern.

"Unerträgliche Situation"

Österreichische Hilfsorganisationen schlagen angesichts der Zahlen zur Armutsgefährdung Alarm. Die Volkshilfe spricht von einer "völlig unerträglichen Situation". Die Armutskonferenz appelliert an den Finanzminister, die "Blockade" bei der Mindestsicherung zu beenden. "Es gibt genügend Instrumente und Möglichkeiten, im Vollzug der Sozialhilfe, in der Schule, beim Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern. Armut ist kein Naturereignis", so Sozialexperte Martin Schenk. Die Caritas fordert von der Regierung eine "endlich ernst gemeinte" Sozialpolitik.

Die Grünen zeigen auf, dass mit den Bundesmitteln für die Hypo Alpe Adria Bank Armut in Österreich fast vollständig beseitigt werden könnte. Grünen-Sozialsprecher Karl Öllinger übte Kritik an der "Minisicherung" der Bundesregierung: "Das ist keine Politik der Armutsverhinderung, sondern eine Zementierung von Armut."

In Oberösterreich ist man einen Schritt weiter. Dort haben sich alle fünf Parteien auf die gemeinsame Forderung nach einem höheren Arbeitslosengeld geeinigt. Die Initiative der Arbeiterkammer, die die Politiker unterstützen, fordert eine Erhöhung der Nettoersatzrate. Im EU-Durchschnitt betrage die durchschnittliche Nettoersatzrate rund 70 Prozent, in Österreich jedoch nur 55. Anfang 2010 soll deswegen Kontakt mit den Sozialsprechern aufgenommen werden. Ziel ist ein gemeinsamer Antrag im Parlament. (Anita Zielina, derStandard.at, 16.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 972
Ziemlichorg
 
26.01.2010 11:55
Arbeiter/Angestellte- Nur mehr Kostenstellen die so gering wie möglich sein dürfen?!

Ich bin Lehrberechtigter Heilmasseur. Es ist wahrscheinlich vorstellbar, dass diese Arbeit sehr befriedigend sein kann, wenn man die Möglichkeit hat Menschen zu helfen, sie von Schmerzen zu befreien und unmittelbar ein schönes Erfolgserlebnis zu haben.
Auch wenn es oft wirklich Knochenarbeit ist. Bis vor ca. einem Jahr hatten wir nicht einmal einen Kollektivvertrag. Jetzt bekommen wir für 40 Stunden Arbeit 1000,- Brutto d.s. ca 930,- Netto. 80% in diesem Bereich arbeiten so wie ich 30 Stunden und verdienen ca. 750,- Netto. Ausbildungszeit ca. 3 Jahre - Kosten ca. 12.000,- Ich liebe meinen Beruf, aber der Verdienst führt mir immer wieder vor Augen, dass meine Arbeit finanz. nichts Wert ist.
Ich möchte gerne von meinem Beruf leben können.

Stanley Kowalski
15.01.2010 16:13
Mit vierzehnmal brutto € 1.150 pro Monat gilt man in Ö. übrigens laut Armutsstatistik ganz offiziell als arm. Im Singlehaushalt!

Wer brutto € 1.150 pro Monat verdient, kostet den Dienstgeber übrigens € 22.000 pro Jahr!
Die € 22.000 muss der Dienstnehmer dem Dienstgeber also einbringen, damit der Dienstnehmer sich überhaupt erst zu rechnen beginnt (noch ohne Gewinn!).
Es gilt daher: Steuern runter, mehr netto!

Herr und Frau Österreicher
 
18.03.2010 09:22

natürlich ist armut relativ! Mit 900 Euro/Monat kann man einfach keine großen Sprünge machen. Man wird nicht verhungern, aber z.B. ist die teilhabe am gesellschaftlichen Leben eingeschränkt und eine kaputte Waschmaschine kann zur Existenzfrage werden. Wenn ich für 900 Euro 40h arbeiten muss, ist das ein Hohn!
Was damit gemeint ist, dass Armut relativ ist, könnte vielleicht diese Auflistung beantworten:
www.slowcity.at/wissen/po... tungen.pdf

autcoin
 
02.02.2010 08:22
Steuer runter mehr netto

Ja wer profitiert den von Steuer runter? Der Arbeitnehmer? Hahahaha das glauben Sie doch nicht selber oder? Die gierigen Arbeitgeber sacken das selber ein, hier ändert sich nichts oder glauben sie wirklich, wenn der Arbeitgeber weniger Lohnkosten zu zahlen hat, das er den Betrag an den Arbeitnehmer weitergibt? Niemals tut er das.

autcoin
 
24.01.2010 06:54
Leben von 951 Euro oder weniger

Es geht nicht nur um Steuer runter, das natürlich auch. Es geht darum, das ein Einkommen für 40 Stunden von 1150 Brutto eine Frechheit ist. Es soll jeder Obergescheite einmal versuchen, mit diesem Lohn auszukommen. Er würde es nicht schaffen.
Entweder er lebt bei Muttern, wird Dieb oder macht Nebengeschäfte.

Chocoholic
16.01.2010 12:02
Das Beste ist, dass ab 2010 die freien DienstnehmerInnen diesen

Betrag auch einzahlen muessen ...

rekrow
15.01.2010 21:36
Aber

Ich finde das für eine Frechheit das für Arbeit was zu Zahlen ist. Im Gegenteil Sollten Firmen die Viele Arbeiter angestellt haben Steuererleichterungen bekommen.

Chocoholic
16.01.2010 12:01
Richtig. Und jene, die weniger Menschen anstellen ab einem gewissen Umsatz sogenannte

'Maschinensteuer' zahlen.

rekrow
15.01.2010 21:32
Is jo net so viel!

melli91
30.12.2009 11:37
951 € netto

dazu noch Wohnungsbeihilfe, Gebührenbefreiung von ORF, Rezeptgebühr und Telecom. Steuerfrei, Heizkostenzuschuß.
Wenn einer 1500 € verdiend, muß er die versteuern und alle angeführten Zahlungen leisten, zur Arbeit fahren. Was bleibt dem?

autcoin
 
30.12.2009 13:11
951Euro netto

So viel Schwachsinn schreit zum Himmel! Bei dieser Summe gibt es keine Wohnbeihilfe, außer man hat einige Kinder.
Weiters gibt es bei diesem Betrag keine Gebührenbefreiung keine Rezeptgebührenbefreiung. Woher haben Sie diese falschen Informationen. Wenn Sie nur 1500 Euro Brutto für 40 Stunden verdienen, verlangen Sie eine Gehaltserhöhung und wehren Sie sich endlich.

springflower
05.01.2010 15:10
Leider völlig falsch.

Bei 951,-- gibt es sehr wohl Wohnbeihilfe, auch für Alleinlebende.. Bis 1.100,-- netto gibt es die volle Wohnbeihilfe für 1 Erwachsenen und 1 Kind.
Die anscheinend als niedrig eingestuften 1.500,-- netto verdiene ich selbst, bei einem Bruttogehalt von
2.150,--. Bin seit 20 Alleinerzieherin mit Kind und bekomme einen steuerlichen Alleinerzieherabsetzbetrag von 350,--/Jahr.

kasimir4
19.01.2010 10:22
Leider? völlig falsch.

da geht sie ja schon los, die neid-debatte...
großartig

autcoin
 
14.01.2010 09:41
Wohnbeihilfe

Die Wohnbeihilfe gibt es nicht für privat vermietet Wohnungen sondern nur für Gemeinde, Genossen oder geförderte Wohnungen. Wenn man nicht in Wien sondern in einem Dorf wohnt, kommt man nicht so leicht zu einer dieser obengenannten Wohnungen. Ich bin das beste Beispiel. Mit der genannten Summe kann man als nicht leben.

Chocoholic
16.01.2010 12:04
Wenn man nicht in Wien wohnt, sondern in einem Dorf sind die Mieten oftmals auch dementsprechend niedriger.

autcoin
 
13.02.2010 07:55
Mieten

"Wenn man nicht in Wien wohnt, sondern in einem Dorf sind die Mieten oftmals auch dementsprechend niedriger"
Völliger Schwachsinn, Blödsinn. Beispiel: Stadtrand von Wien gibt es viele Dörfer, die natürlich inzwischen gewachsen sind. Deswegen ist es trotzdem noch ein Dorf.
Wohnung 46m2 518 Euro mit Heizen und Wasser ohne Strom.
Das finden Sie gering??? Ich soll also die Hälfte meines Einkommens an Miete bezahlen. Ich bekomme keinen Zuschuss. Keinen Cent. Gemeinde oder Genossenschaftswohnung gibt es auch nicht, genau so wie eine Förderung!!! Merken Sie nicht das wir am Abgrund leben????? Wo sind Sie den!!!!! Machen Sie endlich die Augen auf!!!!

autcoin
 
13.01.2010 10:30
951,- netto

Sie haben da ewas falsch gelesen. 1500 Brutto nicht netto. 1500 Netto ist schon ein schöner Gehalt, mit dem man zumindest halbwegs normal leben kann. 1500 Brutto für 40 Stunden ist eine Frechheit und exstenzgefährdent.

autcoin
 
05.01.2010 21:21
Wohnbeihilfe

Ja, mit einen Kind, aber ohne glaube ich nicht. Wohnbeihilfe wird auch für ganz normale Mietwohnungen nicht gewährt. Ich bekomme keinen Cent. Alleinlebend in einer 46 m2 Wohnung. Jetzt werden wieder einige aufschreien, für was brauchst a 46m2 Wohnung mit zwa Zimma. Mit 52 Jahren möchte man auch nicht in einem Loch wohnen wenn man ein Haus gewohnt ist oder?

Chocoholic
30.12.2009 22:56
"Wenn Sie nur 1500 Euro Brutto für 40 Stunden verdienen, verlangen Sie eine Gehaltserhöhung und wehren Sie sich endlich."

Und das von einem Typen, der glaubt, 40 Euro fuer Jeans oder 5 Euro fuer ein T Shirt sind genug, um ein Gehalt von ueber 1500 Brutto pro Monat zu zahlen. GehnS bitte, seinS a bisserl weniger peinlich.

liserl25
22.12.2009 11:00
beihilfen etc

Wohnbeihilfe in Wien

Richtsätze für den Empfang von Ausgleichszulagen - Monatliches Nettoeinkommen 2009
Eine Erwachsene beziehungsweise ein Erwachsener: 733,01 Euro
Zwei Erwachsene: 1099,02 Euro
Je Kind: 76,82 Euro

wer allein mit Kind mehr als € 809,83 verdient, erhält keine Wohnbeihilfe.
Auch sehr viele andere Beihilfen haben deutlich geringere Bemessungsgrundlagen als die hier veröffentlichte Armutsgefährdungsschwelle.
mit 900,-- (ab da gibts dann keine beilhilfen mehr) können zwei personen sehr schlecht leben, Armut wird landesintern gemessen, würde auch wenig Sinn machen uns mit schwellenländern zu vergleichen. Wenn in AT jedeR einen TV hat oder ein Mobiltelefon, dann ist man arm, wenn man es sich nicht leisten kann.

Chocoholic
30.12.2009 22:57
Was ich am Aergsten finde, ist die exakte Grenze, ab der

es ploetzlich 0% der Sozialleistungen gibt. Davor hunderte von Euros, ein Cent zu viel und Sei haben oftmals um hunderte Euro weniger als mit dem Cent weniger. Unglaublich, aber wahr.

autcoin
 
29.12.2009 13:49
Etwas gestört der Typ

nerträglich ist das ewige Gesuder um "die Armen" ...

nach manchen Organisationen gilt ja schon jeder als arm der kein Handy, Highspeed Internet und DVD Player hat. Wie wär´s mit Arbeit statt ständig anderen auf der Tasche zu liegen die durch Staat und Co zur "Charity" gezwungen werden?

Es muss nicht jeder alles haben.
Wie kommen diejenigen dazu die arbeiten gehen, dass andere durchgefüttert werden? Wollen wir dass auch bald hier in Österreich als Berufswunsch "Hartz IV" angegeben wird wenn man fragt was die jugendlichen Bettler, Schnorrer und andere Arbeitsscheue werden wollen...??
Dies ist ein Kommentar von von Thronstahl

Herr und Frau Österreicher
 
18.03.2010 09:29

Sie sind aber ein kasperl. Wenn's keine Arbeit gibt, kann man schlecht arbeiten! Wenn man kein Telefon hat, kann schlecht ein bewerbungsgespräch ausmachen. Dass sie ökonomisch Armen auch noch jede Zertsreuung streitig machen oder gar einen minimalanteil am gesellschaftlcihen leben, will ich gar nicht erst kommentieren. Was sie über die von ihnen so gehassten gruppen so zu sagen haben, beweißt nur, dass sie auch arm sind, nämlich im geiste. leuten wie ihnen gönne ich gar nix, "Porzellanthronstahl"!

oh yeah, just eat 'em!
15.01.2010 14:45

von Thronstahl? Interessant, Herr Klumb.

http://de.wikipedia.org/wiki/Von_Thronstahl

Planet Affe
22.12.2009 02:03
[PDF] Glücklich sind die Armen im Geiste, denn ihnen gehört das ...

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