1001 Hotelzimmer

16. Dezember 2009, 16:49
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Am Roten Meer wird neue ägyptische Gigantomanie zelebriert. Ein Besuch in einem aufstrebenden Naherholungsgebiet

Nicht nur die alten Ägypter hatten einen Hang zum großen Wurf. Abseits der monumentalen Säulen des Karnak-Tempels in Luxor, auf der anderen Seite der östlichen Wüste, wird wieder mit besonderen Dimensionen gespielt: Hier teilt ein dicht bebauter Streifen Zivilisation Wüste und Rotes Meer. Die Betonpaläste, die sich im bunten Riesenmosaik reihen, wollen mit ihrer vordergründigen Pracht an antike Wüstenfestungen erinnern. Gott Amun ist vielleicht schon eifersüchtig auf die neuen Tempel.

Erschwinglicher Fünf-Sterne-Luxus, orientalische Gigantomanie und das unverwüstliche ägyptische Klima, das für den Großteil des Jahres Badetemperaturen verspricht, lassen das All-Inclusive-Modell in der Wüste blühen. Dass die schnelle Erholung, die einst in die Hotelburgen von Jesolo, dann auf die Balearen und Kanaren zog, auch am vier Flugstunden entfernten Roten Meer erschwinglich wurde, sorgt für rapide steigende Gästezahlen und anhaltenden Bauboom. Südlich von Hurghada, in der Bucht von Sahl Hasheesh, entsteht eine Touristenstadt aus über 60 Hotels auf 32 Quadratkilometern. Die Arbeiter, die sich dort regelmäßig in enge Gebetsräume drängen, haben noch eine Zeitlang zu tun. Das Einkaufszentrum erstrahlt schon in neubarocker Symmetrie.

Elf Anlagen der Kette Red Sea Hotels sollen in Sahl Hasheesh 2011 fertig sein. Die Familie Samir, der sie gehört, teilt sich Hurghada mit nur wenigen weiteren Eigentümern. Noch heißt ihr Vorzeigeresort Makadi Palace, das südlich von Sahl Hasheesh liegt. Das protzige Entree und eine weitläufige Empfangshalle führen dort zur größten zusammenhängenden Poollandschaft weit und breit. Abseits der Ferien herrscht hier die Stille, die Lesen und Sudoku-Lösen erzeugt. Erst wenn plötzlich die Sonne untergeht und die Restaurants aufrüsten, erwacht Leben zwischen den lampenbeschienenen Kuppeln und Palmen. Den Weg zum Zimmer sollte man sich im 70.000-Quadratmeter-Labyrinth aus nachgeahmten orientalischen Stilelementen gut merken.

Wegen des Kopftuchverbots in vielen Hotels und weil in Hurghada kaum Familien leben, umschwirren fast nur ägyptische Männer die Gäste. Einheimische Frauen bekommen Touristen vielleicht als Bauchtänzerinnen zu Gesicht. In den Klubs in Kairo tanzen sie auch noch für Einheimische. "Die Familien schämen sich, wenn die Tochter Bauchtänzerin werden will", erklärt der ägyptische Sitznachbar, während sich eine grellgrün kostümierte Dame beim Essen um den Tisch schlängelt. Männer, die sie heiraten, würden verachtet, "weil sie eine Frau für alle ist, nicht nur für einen."

Auf einen Bediensteten kommen in Hurghadas Wüstentempeln nur eineinhalb Gäste. So viel Fürsorge braucht vielleicht auch Pausen. Dem Müßiggang zwischen Soft-Animation (man wird nicht aufgefordert) und Orient-Bar entflieht der Urlauber zu den Beduinen. Dort reitet man auch nicht mehr nur Kamele, Teilnehmer geführter Wüstentouren brettern auch auf Quads, zweispurigen Motorrädern, durchs Geröll. Angeblich wurde das absolute Alkoholverbot in der Wüste nach dem tödlichen Quad-Unfall eines betrunkenen Russen eingeführt. (Alois Pumhösel/DER STANDARD/Printausgabe/12.12.2009)

Red Sea Hotels mit Fly-Niki-Flug buchbar bei ETI unter www.expresstravelinternational.at

  • In der Wüste blühen die Hotelzimmer. Das Resort Makadi Palace gibt einen Vorgeschmack auf die richtig großen Projekte, an denen noch gebaut wird.
    foto: eti

    In der Wüste blühen die Hotelzimmer. Das Resort Makadi Palace gibt einen Vorgeschmack auf die richtig großen Projekte, an denen noch gebaut wird.

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