Brust-OP, Ohrenkorrektur: Informationen mangelhaft

16. Dezember 2009, 15:37
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"Konsument": Nur vier von zwölf Schönheitschirurgen beraten gut beziehungsweise sehr gut

Wien - Die Idee des perfekten Körpers - inzwischen unterziehen sich pro Jahr 40.000 bis 50.000 Österreicherinnen und Österreicher einer Schönheitsoperation. Unabhängig davon, ob Schönheitsoperationen aus rein ästhetischen Gründen zweckmäßig sind, hat "Konsument" die Beratungsqualität von neun Wiener Ärzten und je einer Klinik in Wien, der Slowakei und Ungarn getestet. Zwei Testpersonen waren im Auftrag der Konsumentenschützer unterwegs und ließen sich zu einer Brustvergrößerung beziehungsweise einer Ohrenkorrektur beraten. Zwar ist positiv, dass in keinem einzigen Fall zu einem Eingriff gedrängt wurde. Der Informationsbedarf wurde nicht in allen Fällen ausreichend gedeckt: Insbesondere Angaben zur OP-Vorbereitung fielen meist dürftig aus, teils auch bei der Nachsorge und den Kosten. Die Testergebnisse reichen von "sehr gut" bis "weniger zufriedenstellend". Die ungarische und slowakische Klinik erhalten jeweils ein "durchschnittlich".

Mängel bei Beratung

Bei der Beratung zur Brustvergrößerung hinterließen nur drei von zwölf Ärzten einen guten Eindruck. Mängel gab es hier vor allem bei der Information zur Operation, der Vorbereitung und beim Thema Nachsorge. So wurde die Testperson kaum aufmerksam gemacht, dass zur Rekonvaleszenz ein Urlaub beantragt werden soll. Die Beratungszeit schwankte je nach Arzt zwischen 20 Minuten und zwei Stunden - selbiges gilt für die Beratungskosten: Während eine Klinik in Bratislava für zwanzig Minuten nichts verrechnete, stellte ein wiener Arzt für den selben Zeitraum 100 Euro in Rechnung. In nur drei Fällen wurden die Kosten der Operation schriftlich angegeben, zwei Ärzte nannten mündlich einen Betrag für den Eingriff. Vier Chirurgen rieten von einer Brustvergrößerung ab, da dies aus ästhetischen Gründen nicht zwingend notwendig wäre und aufgrund des jungen Alters der Testperson aller Voraussicht nach zu Folgeoperationen führen würde.

Die Beratung zur Ohrenkorrektur fiel deutlich positiver aus. Hier machten sieben Ärzte eine gute Figur. Insbesondere zu Risiken und Nebenwirkungen informierten alle Ärzte wesentlich detaillierter als im Fall der Brust-OP. Mängel gab es dagegen bei den Informationen zur Vorbereitung auf die Operation. Auf die Operationskosten gingen alle Ärzte ein, teilweise wurden sie der Testperson auch schriftlich mitgeteilt. Je nach Operationsumfang betragen diese zwischen 631 und 3.800 Euro.

Mehrere Meinungen einholen

"Hat man sich für eine Operation entschieden, ist es ratsam, sich bei mehreren Ärzten Fachmeinungen einzuholen. Bei der Wahl des Arztes sollte aber nicht allein der Preis entscheiden, sondern das Vertrauen zum Arzt und vor allem, ob dieser auch eine Ausbildung zum Facharzt für plastische Chirurgie absolviert hat. Begriffe wie ,Schönheitschirurg' oder ,ästhetischer Chirurg' sind nicht geschützt. Jeder Arzt kann sich so bezeichnen", so Angela Tichy, Gesundheitsexpertin beim Verein für Konsumenteninformation. "Beim Beratungsgespräch sollte man sich auch nicht auf den Arzt allein verlassen, sondern vor dem Beratungsgespräch eine Checkliste erstellen und dem Arzt Fragen stellen, sofern noch etwas unklar ist. Und nicht zuletzt schadet es nicht, sich zu fragen, ob die Zufriedenheit mit dem neuen Aussehen nach einer Schönheitsoperation tatsächlich größer sein wird. Einer Umfrage zufolge ist das nur bei etwa zehn Prozent der Operierten der Fall." (red)

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Die Testergebnisse im Detail und weiterführende Informationen gibt es ab sofort kostenlos auf konsument.at zum Download und ab dem 17.12. im Jänner-"Konsument".

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    Bei der Beratung zur Brustvergrößerung schnitten nur drei von zwölf Ärzten gut ab

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