Preise stiegen im Jahres­vergleich um 0,7 Prozent

16. Dezember 2009, 18:24
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Zum vierten Mal in Folge stiegen die Verbraucherpreise im November wieder an, laut Statistik Austria sei damit der "Trend nahezu stabiler Preise gebrochen"

Wohnen wurde teurer. Neue Mieter mussten heuer für Wohnungen um fast 40 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr, rechnen Branchenkenner vor. Insgesamt stiegen die Verbraucherpreise im November um 0,7 Prozent. 

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Wien - Wohnen geht heuer in Ös- terreich empfindlich ins Geld. Die Mieten verteuerten sich im Jahresabstand nach deutlichen Erhöhungen in den Vormonaten im November um 5,6 Prozent. Ein Auslöser dafür, dass sie andere Lebenserhaltungskosten so offensichtlich überflügeln, ist die starke Inflation der Vorjahre: Sie schlägt durch gesetzlich und vertraglich vereinbarte Indexanpassungen beim Großteil der Wohnungsmieten seit März durch.

Ähnlich markante Kostensteigerungen gab es vor zwei Jahren, sagt Georg Niedermühlbichler, der Präsident der Mietervereinigung. Aufgrund der erwarteten langfristig geringeren Inflation sollte es das für die kommenden drei, vier Jahre aus seiner Sicht aber gewesen sein.

Karl Wurm hat für die Teuerung andere Erklärungen. Es sei weniger die Indexanpassung, die die Preise nach oben treibe, als die große Anzahl an neuvermieteten Wohnungen, sagt der Obmann der Gemeinnützigen Wohnbauvereinigungen. Vor allem in Wien steige durch viele Neubauten die Fluktuation. Alte Verträge lösen sich auf, viele neue setzen die Mieten bei mehr als dem Doppelten an - in jedem Fall dann, wenn vorab auch saniert wurde.

In Österreich fanden heuer gut 100.000 Wohnungen neue Mieter, rechnet Wurm vor. Ihre Mietpreise schossen im Vergleich zum Durchschnitt des Vorjahres um 38 Prozent nach oben - das sei wohl der Hauptgrund für die Ausschläge in der Inflationsstatistik nach oben.

Kräftig verteuert haben sich im November auch viele Versicherungen. Die Haushaltsversicherung et- wa zog um fünf Prozent an, für private Kranken- und Kraftfahrzeugs- assekuranzen musste um drei Prozent mehr ausgelegt werden, belegen neue Daten der Statistik Austria. Mit versteckten Prämienerhöhungen oder Preistreiberei hat das nichts zu tun, sagt Daniela Ebeert vom Verband österreichischer Versicherungsunternehmen. Es seien reguläre Anpassungen an den Inflationsindex. Diese würden heuer zeitverzögert auch in ihrer Branche schlagend. Insgesamt hat die Inflation leicht an Tempo zugelegt. Die Verbraucherpreise zogen in Österreich im November um 0,7 Prozent an. In der Eurozone stiegen sie zugleich um 0,5 Prozent. Ähnliche Werte gab es in Österreich bereits im März und April. Allein im Juni und Juli ließen die Preise nach.

Im Vorjahr wurde die Inflation noch von den explodierenden Rohölkosten getrieben, auch die höhere Lebensmittelpreise trugen ihren Teil dazu bei. Mit dem Platzen der Rohstoffblase kühlte die überhitzte Teuerung ab. Seit dem Frühjahr steigen die Ölpreise wieder leicht - ihr preisdämpfender Effekt werden daher sukzessive kleiner, resümiert Josef Baumgartner vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo).

Sprit war so im November insgesamt nur noch um zwei Prozent billiger als 2008. Benzin kostete sogar um fünf Prozent mehr. Ausreißer nach unten waren Flugtickets mit Abschlägen von 21 Prozent.

Günstiger essen und lernen 

Günstiger geworden sind im November Erziehung und Unterricht: Der teilweise Wegfall der Studiengebühren und Gratiskindergärten reduzierte die Ausgaben um mehr als 16 Prozent. Die Kosten für Lebensmittel sanken um fast ein Prozent. Baumgartner rechnet damit, dass sie sich bis zum zweiten Quartal 2010 noch einmal leicht verbilligen werden. Alles in allem erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut heuer eine Inflation von 0,5 Prozent. 2010 werde sie sich bei 1,25 bis 1,50 Prozent einpendeln. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.12.2009)

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