Von der Fakultät zur Firma

15. Dezember 2009, 19:54
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AplusB-Zentren unterstützen Akademiker beim Sprung von der Forschung auf den Markt

Der Mikrobiologe tut es. Die Informatikerin auch. Der Mediziner und die Chemikerin ebenso. Die Rede ist vom Firmengründen. Weil das für Akademiker nicht immer leicht ist, gibt es in Österreich neun AplusB-Zentren, die Studenten und Wissenschafter dabei beraten. AplusB steht für "Academia plus Business". Die Zentren unterstützen die Gründer typischerweise eineinhalb bis zwei Jahre und vermitteln vor allem kaufmännische Kenntnisse, die für den Aufbau einer Firma wichtig sind, aber an der Uni abseits der Betriebswirtschaftslehre nur selten vermittelt werden. Finanzielle Zuschüsse helfen, um vom Geschäftskonzept zum Prototyp und zur Anschlussfinanzierung zu kommen; zudem unterstützt man die Gründer mit Infrastruktur, zum Beispiel mit Büroräumen.

Die Zentren stehen allen offen, die in der jeweiligen Region einen Bezug zu Universitäten und Fachhochschulen haben, also vom Studenten bis zur Professorin. Ziel ist es, sowohl die Anzahl an neu gegründeten Unternehmen im akademischen Umfeld zu erhöhen als auch deren Erfolgschancen zu verbessern.

Zudem stellt man den Kontakt zu sogenannten Business-Angels her - Privatpersonen, die ihr Geld in neue Firmen investieren und Erfahrung und Netzwerke einbringen. Dafür übernehmen sie manchmal leitende Funktionen oder werden Aufsichtsrat. Wichtig sind auch Netzwerke zu Firmen als Entwicklungspartner und zu Kunden. "Die Leute haben gute Netzwerke zu Forschern, aber nicht in den Markt hinein", sagt Michael Rauhofer, Geschäftsführer des Wiener AplusB-Zentrums INiTS, der seit Jahren am Aufbau internationaler Netzwerke arbeitet, um den neuen Firmen bei den ersten Expansionsschritten helfen zu können.

Die Zentren wurden 2002 vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) ins Leben gerufen, die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG wickelt das Programm dazu ab. Jedes Bundesland außer dem Burgenland hat ein solches Zentrum; die Steiermark hat zwei. In Wien wurden durch das Zentrum seit dem Jahr 2002 über 90 Gründungsvorhaben betreut, über 470 Arbeitsplätze geschaffen und über 80 Millionen Euro an zusätzlichem Kapital inklusive öffentlicher Förderungen durch die Firmen lukriert. Insgesamt wurden 117 Patente angemeldet und 48 davon bereits erteilt.Die gegründeten Wiener Firmen haben im siebenstelligen Bereich Aufträge an Unis und Fachhochschulen für weitere Forschungen vergeben.

Das Zeug zum Unternehmer

Die Gründer sind laut Rauhofer zwischen 25 und 50 Jahre alt. Aber nicht jeder hat das Zeug dazu. "Gründer brauchen die richtige Persönlichkeit, Unternehmergeist und Risikobereitschaft", sagt Christian Mathes, der das Tiroler AplusB-Zentrum Cast leitet. Manchmal müsse man interessierten Akademikern schon dazu raten, lieber keine Firma zu gründen, sondern lediglich ein Patent anzumelden und die Lizenz an ein Unternehmen zu vergeben. Vorsichtig ist man laut Mathes bei Studenten. Sie dürfen zwar ebenfalls an den Programmen teilnehmen, hätten aber größere Hürden zu überwinden, um zu prüfen, wie ernst es ihnen mit der eigenen Firma ist. Das Tiroler Zentrum sucht aber auch aktiv nach guten Ideen, die sich verwerten ließen. Man schaut Publikationslisten und Forschungsprojekte durch und spricht Akademiker auf die Möglichkeit einer Gründung an.

Von der Wirtschaftskrise merken die Zentren laut Rauhofer und Mathes nichts. Die Nachfrage nach ihrer Dienstleistung sei unverändert. Schwerer hätten es die neuen Firmen am Markt derzeit aber schon. Die Kunden sind zögerlicher, Banken zaudern bei der Vergabe von Krediten, Business-Angels machen sich rar, und Venture-Capital-Firmen würden erst immer später im Entwicklungsprozess investieren. Letzteres sei aber auch schon vor der Wirtschaftskrise zu beobachten gewesen. (Mark Hammer/DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2009)

 

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