Seltsames Rekordjahr für saubere Technologien

15. Dezember 2009, 19:28
posten

Wenige Cleantech-Unternehmen haben 2009 tatsächlich von Risikokapital profitiert

Zum ersten Mal ist 2009 weltweit mehr Risikokapital in Cleantech-Projekte geflossen als in alle anderen Wirtschaftssektoren. So vielversprechend diese Entwicklung für saubere Technologien klingt, so schnell muss sie auch wieder relativiert werden: Während der zurückliegenden drei Quartale hatten Venture-Kapitalgeber nicht gerade die Spendierhosen an - also wurde 2009 auch um rund 30 Prozent weniger in Cleantech investiert als im Jahr davor. In den anderen Wirtschaftssektoren waren die Einbrüche eben nur noch massiver.

Wer beim internationalen Cleantech-Invest-Forum, das im Oktober zum zweiten Mal in Österreich stattfand, etwas genauer hinhörte, fand diese Tendenz auch bestätigt. Wohl hatten sich dort 120 Unternehmen - darunter 30 europäische - aus dem Bereich Umwelttechnologie versammelt und die bislang in diesem Jahr investierten 1,1 Milliarden Euro mit Begeisterung zur Kenntnis genommen. Aber man war sich auch einig, dass nicht alle Branchen gleichermaßen von diesem Trend profitieren konnten: Risikokapital floss zum überwiegenden Teil in Technologien wie Solarenergie und bessere Batterien für die saubere Mobilität.

Welch hart umkämpftes Geschäft das Akquirieren von Risikokapital für diese Unternehmen darstellt, zeigen auch ganz gut die Beiträge österreichischer Unternehmen. Die Wiener Ebes AG, die sich als Biomasse-Versorger für Kraftwerke einen Namen gemacht hat, und die oberösterreichische Öko-Pellets AG gelten beide als Unternehmen mit einem vielversprechenden Geschäftsmodell. Außerdem fanden sich unter den internationalen Innovatoren bei diesem Forum generell überdurchschnittlich viele heimische, was freilich nichts damit zu tun hat, dass dieses Forum vom Land Niederösterreich mitorganisiert wurde. Geldgeber finden diese Unternehmen aber nicht so einfach wie Anhänger ihrer Geschäftsideen. Denn solche Foren fungieren vor allem auch als beinharter Selektionsprozess für Cleantech-Firmen, unter denen der gar nicht so große Risikokapital-Kuchen schlussendlich aufgeteilt wird.

Sauber, aber schwierig

So sieht auch Thomas Ecker von Tecnet Capital - dem anderen Mitveranstalter des Forums - die Firmen Ebes und Öko-Pellets als Keyspeaker zu diesem Thema. Das aktuelle Investitionsumfeld in Niederösterreich hält er dagegen für nicht optimal. Tecnet Capital selbst operiert dabei als Ansprechpartner für Hochtechnologieunternehmen in Niederösterreich und bietet Unterstützung auf dem Weg von innovativen Ideen zu wirtschaftlichem Erfolg. Das Land Niederösterreich wiederum investiert über den Risikokapitalfonds "Tecnet Equity" auch direkt in solche Unternehmen. Fördern will das Land damit innovative, wachstumsstarke Unternehmen in der Gründungs- und Expansionsphase - auch solche, die Umwelttechnologien umsetzen. Fakt ist aber, dass sich im Portfolio der "Tecnet Equity" bislang kein einziges Unternehmen findet, das dem Cleantech-Segment zuzurechnen wäre.

Der Biomasseversorger Ebes und Ökopellets waren dann auch noch beim European Venture Summit in Düsseldorf Anfang Dezember vertreten. Diese Präsentationsrunde gilt für die Risikokapitalbewerber bereits als "heiße Phase" in der internationalen Selektion.

Echte Sieger werden allerdings immer erst beim Eurecan European Venture Contest ermittelt, der heute in Barcelona zu Ende geht. Auch daran haben die beiden österreichischen Cleantech-Unternehmen noch teilgenommen - auf der 25 Gewinner umfassenden Shortlist internationaler Unternehmen sind sie allerdings nicht mehr zu finden. Ein bisschen ärgerlich ist das auch deshalb in einem "Rekordjahr der Cleantech-Investments", weil "Shortlist" in diesem Fall halt bedeutet, dass erstmals Geld fließt - ein Preisgeld von 90.000 Euro, um genau zu sein. (Sascha Aumüller/DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2009)

 

Share if you care.