Neuer BayernLB-Chef Stefan Ermisch

15. Dezember 2009, 19:17
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Seine vielfältige Erfahrung im Bankensektor könnte ihm nun im vielleicht schwierigsten Job seiner Karriere helfen

Seine vielfältige Erfahrung im Bankensektor könnte Stefan Ermisch (43) nun im vielleicht schwierigsten Job seiner Karriere helfen. Er hat das Ruder der Bayerischen Landesbank von Michael Kemmer übernommen und soll die schwer gebeutelte Landesbank wieder in sicheres Fahrwasser bringen.

Als Ermisch im Juli 2008 Finanzchef der BayernLB wurde, hatte er bereits einen internationalen Streifzug durch Finanzinstitute hinter sich. Nach Stationen bei der WestLB - als Chefanalyst für Europäische Banken - und im Bereich Investor Relations der HypoVereinsbank-Gruppe stieg der Betriebswirt 2003 zum Leiter der Konzernentwicklung der HVB-Gruppe auf.

2004 wurde der Deutsche als Finanzvorstand in die Bank Austria berufen. Zwei Jahre später übernahm er als Chief Operating Officer die Verantwortung für den Bereich "Global Markets" und Investmentbanking der UniCredit-Gruppe in Mailand. 2007 kam Ermisch auch in den Vorstand der HypoVereinsbank (HVB) - zuständig für den Integrationsprozess aller Investment-Banking-Aktivitäten der UniCredit unter dem Dach der HVB. Dazu zählten Aufgaben wie die Umsetzung der gesellschaftsrechtlichen Veränderungen, die Vereinheitlichung der Informationstechnologie und Back-Office-Unterstützung für die weltweiten Handelsaktivitäten.

Es war seine Erfahrung in Österreich und in Osteuropa, die Ermisch für die Bayern interessant machte. Die BayernLB hatte ehrgeizige Wachstumsziele in dieser Region; sie wollte die schon "vorhandene gute Ausgangsbasis nutzen, um das Wachstumspotenzial auszuschöpfen", wie Kemmer noch vor eineinhalb Jahren erklärte - bevor die Finanzkrise über Europa fegte und klar wurde, dass sich die BayernLB mit der Kärntner Hypo mehr Leid als Freud ins Haus geholt hatte.

Ermisch wird von Kollegen "fundierte Kompetenz", "ausgeprägter analystischer Sachverstand" und "großes Know-how" nachgesagt. Das wird der verheiratete Vater zweier Kinder auch brauchen. Denn der Wechsel an der BayernLB-Spitze kommt nicht von ungefähr. Ist doch die Bank der massiven Kritik ausgesetzt, sie habe 2007 die Hypo unüberlegt - und möglicherweise auch zu teuer gekauft - und seither für die bayerischen Steuerzahler Kosten von 3,7 Milliarden Euro aufgetürmt. Anders als Kemmer saß Ermisch damals noch nicht im BayernLB-Vorstand.

Ändern könnte sich in der Landesbank nun einiges. Denn Ermisch trägt seit seinem HVB-Engagement den Beinamen "Architekt des Transformationsprozesses". (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2009)

  • Stefan Ermisch: Ein Architekt der Veränderung am Ruder
    foto: privat

    Stefan Ermisch: Ein Architekt der Veränderung am Ruder

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