"Ich sehe noch keine Grenzen"

15. Dezember 2009, 19:11
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Das Österreichische Forschungsinstitut für Artificial Intelligence feiert 25. Jubiläum

Den Begriff Artificial Intelligence (AI, Künstliche Intelligenz) kann Robert Trappl eigentlich gar nicht ausstehen: "Dadurch glauben viele, dass es das schon gibt, und haben überzogene Erwartungen. In Wirklichkeit ist alles, was wir tun, ein Schritt in Richtung AI."

Einen Gutteil des Weges hat der AI-Pionier Trappl selbst bestritten - der 1939 geborene Wiener Kybernetiker und Universalgebildete ist Leiter des international renommierten Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence (ÖFAI). Das Institut feierte am Montag sein 25-jähriges Bestehen und zugleich den 40. Jahrestag der Gründung der Österreichischen Studiengesellschaft für Kybernetik, aus dem 1984 das ÖFAI hervorging.

Heute arbeiten rund 25 Wissenschafter in dem Institut - "jeder, der will, ist angestellt", wie Trappl sagt. Die Forschungsschwerpunkte umfassen Technologien für die Interaktion zwischen User und intelligenten Systemen, intelligente Software-Agenten, die Gestaltung von lernfähigen Musikprogrammen, Sprachtechnologien und die breiteren gesellschaftlichen Anwendungen von AI, wie etwa die Vermeidung von Krisen und Kriegen. Dabei haben sich die Schwerpunkte im vergangenen Vierteljahrhundert immer wieder verschoben: Die Arbeit mit Robotern wurde vor allem aus Kostengründen wieder aufgegeben, jetzt steht die Frage, wie man intelligenten Systemen Gefühle und Persönlichkeit geben kann, im Vordergrund.

Besonders stolz ist Trappl auf die zahlreichen EU-Projekte, die das Institut regelmäßig einwirbt. Was die Zukunft der AI betrifft, sieht Trappl auch große Chancen in Systemen, die älteren Menschen helfen, länger ein selbstbestimmtes Leben zu führen. "Es geht um Erkenntnisgewinne über das menschliche Denken und um Vereinfachung und Zeitersparnis", sagt Trappl. "Ich sehe noch keine Grenzen, was die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz betrifft." Sein nächstes Buch namens Your virtual butler. The making of erscheint im kommenden Frühjahr. (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2009)

 

  • Der Kybernetiker Robert Trappl erforscht das Denken.
    foto: christian eigner

    Der Kybernetiker Robert Trappl erforscht das Denken.

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