Prüfen und fördern

15. Dezember 2009, 19:02
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Förderung der Zugewanderten ist wahrscheinlich noch wichtiger als die Vorabprüfung

Nix Deutsch, nix Österreich - so lassen sich die Pläne der Innenministerin zusammenfassen. Wer nach Österreich einwandern will, muss nachweisen, dass er sich in der Mehrheitssprache ausdrücken kann - und soll dafür leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden. Denn die Regelung gilt natürlich nicht für Asylwerber. Und was haben reguläre Einwanderer davon, wenn sie kein Wort Deutsch können, nur in untersten Hilfsarbeiterjobs beschäftigt werden und dafür noch von den Österreichern angefeindet werden? Natürlich, man kann argumentieren, dass auf solchen Erfahrungen in den USA seit jeher die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte basiert. Doch: Wie oft ereignet sich diese in der realen Welt?

Das Problem ist eher, dass man sich um die praktische Umsetzung offenbar weniger Gedanken gemacht hat. Denn: Haben damit nur mehr Menschen, die Zugang zu Deutschkursen haben, die Chance, nach Österreich zu kommen? Das würde ländliche Gebiete fast gänzlich ausschließen. Darüber hinaus ist den Regierenden die Frage noch zu heikel, für wen die Regelung gelten soll. Auch für den Biochemiker aus Indien, der nur fünf Jahre bei einem Hightech-Konzern arbeitet und dann weiterzieht?

Denn das ist das Beispiel dafür, dass es doch eher die Bildung statt die Sprache ist, die Fremde für den Staat attraktiv machen. Und daher ist die Förderung der Zugewanderten wahrscheinlich noch wichtiger als die Vorabprüfung. (Kommentar von Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 16.12.2009)

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