Wunscherfüllung mit Blaustich

15. Dezember 2009, 18:21
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    foto: centfox

    Vom Spion zum Messias eines bedrohten Naturvolkes: Jake (Sam Wor-thington) dringt als Avatar in James Camerons gleichnamigem Film in neue Dimensionen vor - ab Freitag im Kino.

James Cameron definiert mit "Avatar" wieder einmal Spektakelkino neu: So rauschhaft der Film von der Überwindung physischer Grenzen erzählt, so altbacken bleibt seine Fabel vom Kampf der Welten

Wien - Erwartungshaltungen sind eine zweischneidige Sache. Von nichts weniger als der Zukunft des Kinos war im Vorfeld von Avatar - Aufbruch nach Pandora die Rede: Da steigt die Hoffnung auf ein ungeahntes Filmerlebnis etwa im gleichen Ausmaß wie die Erwartung, fürchterlich enttäuscht zu werden. Doch James Cameron, von seiner Exfrau Kathryn Bigelow einmal bezichtigt, in Liebe zu Maschinen entflammt zu sein, bürgt immerhin wie kein anderer für Innovation. Über ein Jahrzehnt ist es her, dass er die "Titanic" sinken ließ: Er war, heißt es, den technischen Möglichkeiten gedanklich zu weit voraus.

Angesichts solcher Zeitspannen mutet es fast ironisch an, dass am Anfang von Avatar ein Tropfen schwerelos vor dem unscharfen Gesicht des Söldners Jake (Sam Worthington) schwebt. Ein winziger Tropfen, der dem Besucher gleich einmal die räumliche Tiefe des Films vor Augen führt. Vor allem auf 3-D in Imax-Kinos eröffnet er der Science-Fiction, die immer auch von den Möglichkeiten der Gegenwart erzählt, eine neue Dimension. Der Held sitzt eigentlich im Rollstuhl und träumt davon, sich frei bewegen zu können: Cameron, der größenwahnsinnige Schöpfer des Blockbuster-Kinos, wird es ihm (und uns) erfüllen.

Dies ist die innere und ungleich interessantere Geschichte von Avatar - eine, die das Streben nach der perfekten technischen Illusion mit einer Art romantischer Wunscherfüllung zusammenführt. Jake, der Ex-Marine, wird einen Avatar steuern, eine Kreuzung aus menschlicher DNS und jener der Na'vi, der Ureinwohner des Planeten Pandora: blaue Riesen, die ein wenig wie Katzen aussehen und in jenen Wäldern leben, an denen die Menschen Raubbau treiben, weil sie vom Rohstoff "Unobtainium" abhängig sind. Jake ist ein Spion, ein Doppelagent sogar, der die außerirdische Kultur auskundschaften soll. Doch er wird sich ihr anpassen, sich in seine Ausbildnerin Neytiri verlieben, die geliehene Wirklichkeit der anderen vorziehen - bis er, eine Art Lawrence der Aliens, selbst zum Mythos wird.

Cameron bemüht damit zwar einen alten Topos, aber er versieht ihn mit einem sehr zeitgenössischen Twist, indem er ihn an die technische Ebene des Films koppelt. Denn die Welt der Na'vi, der Dschungel, in dem sie in Einklang mit einer schillernd wuchernden Natur leben, verdankt sich zur Gänze der Rechenleistung von Computern. Mithilfe der ausgefeilten "performance capture" , einer Technologie, die menschliche Bewegungen und Ausdrücke auf animierte Modelle überträgt, gelang eine bildmächtige Ausgestaltung dieser Fantasiewelt. Cameron bevölkert sie mit Reptilien in giftig grellen Farben, er stattet sie mit quallenartigen Lichtwesen aus, die wie aus den dunkelsten Ecken der Tiefsee gefischt wirken, und er erschafft Berge und Wasserfälle, die wie Wolken im Himmel hängen.

Flug- und Reitprothesen

Wie eine Art Fortführung der Wasserwesen aus The Abyss, jenem Film Camerons, an den Avatar mit seiner mahnenden, globalisierungskritischen Botschaft am direktesten anschließt, erscheinen wiederum die Na'vi selbst. Doch gerinnt selbst die Beschwörung einer noch intakten Natur, in der Lebewesen und Pflanzenwelt miteinander netzartig verwoben sind, noch zum multifunktionalen Erlebnispark. So archaisch die Ureinwohner auf den ersten Blick scheinen, vermögen sie sich mit tentakelhaften Sensoren an Tiere anzudocken - Prothesen, um frei dahinzugaloppieren oder durch die Lüfte zu gleiten.

Dies sind letztlich nur primitivere (oder je nach Perspektive: ungleich avanciertere) Formen der Immersion: Um das Eindringen in andere Wirklichkeiten geht es in Avatar auf allen Ebenen. Es garantiert erst den ultimativen Lustgewinn und gilt für den gehbehinderten Protagonisten Paul wie für den Zuschauer, der mit 3-D-Brille in den Film abtaucht. Von der Sucht nach solchen Ersatzerfahrungen erzählte Cameron bereits in seinem Drehbuch für Strange Days, in dem es Transmitter gab, die menschliche Empfindungen übertragen konnten.

Doch technische Errungenschaften können sich leider auch verselbstständigen. Der Aufwand, der um Flora und Fauna der planetarischen Alternative getrieben wurde, prallt in Avatar gleichsam auf die erzählerischen Schrotthalden einer sterbenden Welt. Alles, woran der Mensch in Gestalt holzschnittartiger Figuren wie eines gewissenlosen Unternehmers (Giovanni Ribisi) und eines martialischen Sicherheitschefs (StephenLang) denken kann, ist der schnellste Weg zur Durchsetzung seiner Interessen. Das treibt den Film, rasanter als es sein müsste, auf die direkte kriegerische Konfrontation der beiden Gruppierungen zu, in der auch die Nuancen der ersten Hälfte nach und nach verlorengehen.

Aufgrund der großformatigen Inszenierung einer Schlacht unter Ungleichen wirkt dann auch Camerons ökologiefreundliche Ausrichtung des Films gleich noch naiver. Mit schwerem Geschütz fressen sich die Eindringlinge ihren Weg zu den Heiligtümern der Na'vi, die mit Pfeil und Bogen gegen Stahl scheinbar nichts ausrichten können. Das Schlachtengewitter ist das deutlichste Zugeständnis an einen Markt, der einem Blockbuster in der Größe von 250 Millionen Dollar eben auch Action-Schauwerte abverlangt. Zwingender werden sie aber in auffrisierter Form nicht.

So mag Avatar am Ende auch eine Parabel über die Zukunft des Kinos sein: Er liefert eine berauschende Ahnung von dem, wohin es gehen könnte - und er zeigt zugleich auf, dass auf diesem Weg noch einige Hindernisse liegen. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe 16.12.2009)

Vom Spion zum Messias eines bedrohten Naturvolkes: Jake (Sam Wor-thington) dringt als Avatar in James Camerons gleichnamigem Film in neue Dimensionen vor - ab Freitag im Kino.

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WDPP
00
26.2.2010, 21:55

Muss ehrlich sagen war dem Film gegenüber skeptisch. Aber bin total froh das ich mir den Film doch noch angesehen habe, war total begeistert. Die Storry war sehr gut (auch wenn manche Dinge etwas zu vorherrsehbar waren, war es alles andere als langeweilig) und auch von den Effekten her.

War total begeistert, der beste Film seit langem (und das obwohl mir in der letzten Zeit einige Filme recht gut gefallen haben, aber so begeistert war ich schon einige Zeit nicht mehr).

Sternchen100
02
22.2.2010, 10:27
Von China nach dem Kinoerfolg dort bereits wegen der vermittelten Umweltschutzidee verbannt: "Avatar"

Ich muss sagen, selbst Tage nach dem Film bin ich noch immer tief beeindruckt, sowohl von der phantastischen 3-D-Welt Pandora, in der man für immer bleiben möchte, als auch von der tiefgründigen Geschichte. Es geht auch, was hier ein wenig untergeht, darum dass auf Pandora eigentlich eine Kollektivintelligenz regiert, "Eyva", d.h. die Natur oder der Planet selbst, und daher sich alle Geschöpfe mittels äußerer Nervenstränge untereinander vernetzen können "wie Synapsen in einem Gehirn".

Natürlich spielt das auf die Erde an, Gaia, "die Mutter Natur, die die Menschen bereits umgebracht haben", wie es im Film heißt: auf der Erde gibt es nirgendwo mehr grün. Es gibt daher nichts, was die Na'vi von den Menschen lernen könnten/sollten.

WDPP
00
27.2.2010, 19:32

Sehr gute Analyse, auch ich bin noch immer beeindruckt und auch ich muss sagen wenn der Film noch eine Stunde länger gedauert hätte, hätte es mich auch nicht gestört (war direkt enttäuscht wie er vorbei war).

Ringweltler
02
21.2.2010, 23:33
Genial - leider reduziert auf 3D

Ich habe mir von dem Film nicht viel erwartet - alle reden darüber, die geil auf 3d usw usw ... also hab ich ihn mir halt auch angesehen.

War aber total von den Socken - nicht wegen dem 3d (das war mehr störend als gut) sondern wegen der tollen story!!!! echt super film. möchte ihn mir bald nochmals im Kino ohne 3d ansehen.

Also hier ist ein Meisterwerk gelungen - Avatar wurde glatt zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme. Auch die Botschaft ist super, die uns hier rübergebracht werden sollte (vele kapieren dies leider nicht).

WDPP
00
26.2.2010, 21:57

Gebe ihnen vollkommen recht, die Storry war toll, aber ich fand auch das 3D Kino gut.

WunzelPunzel
00
unbedingt in eD

den film muss mann/frau unbedingt in 3D sehen.
er lebt imho von der gewaltigen illusion der virtuellen landschaft auf dem fremdartigen planeten mir den fremden wesen.
umgesetzt wurde das ganze in technischer perfektion neuartigen ausmasses. wirklich beeindruckend!

die story hat schwächen, und der unausweichliche kampf "gut gegen böse" mit gewaltigem tschinn-bumm ist me. auch entbehrlich.

dennoch. ein "must have seen"

Sternchen100
00
22.2.2010, 10:31

Man muss den Film auch für das Publikum machen und natürlich läuft es auf Pandora genauso ab wie überall bereits auf der Erde: grenzenlose Geldgier und militärische Überlegenheit gegen militärisch unterlegene "Wilde", hier erinnerte mich der Film an "Der mit dem Wolf tanzt", leider wissen wir zu genau wie es auf lange Sicht für die Eingeborenen immer ausgegangen ist hier: die Geldgier der Invasoren gewann auf lange Sicht leider immer, selbst wenn die Eingeborenen mal eine Schlacht gegen die Invasoren gewonnen haben.

oenokokke
00
26.1.2010, 20:13
also ich kann kritik nicht nachvollziehen...

tatsache ist, dass dieser film einen meilenstein in der geschichte des films darstellt.
die 3d effekte sind mindestens beeindruckend, mich persönlich haben sie vom hocker gehauen!
egal ob flugszenen, landschaftsaufnahmen oder closeups, alles vermittelt eine unglaubliche räumliche tiefe. auch pandora, finde ich wirklich überwältigend, da sie einen sehr realen eindruck macht, für eine umgebung die ausschließlich computergeneriert ist.
wobei man sagen muss, es kommt auch auf die richtige wahl des kinos an(große die leinwand, mittiger platz)
und zu kritik an der story: welcher cameron-film, bzw. hollywood-blockbuster war schon jemals storytechnisch brilliant? wer da 2001: space odyssey-qualität erwartet ist in meinen augen mehr als naiv!

zeit_lupe
02
25.1.2010, 09:54
"wow" und "würg" in einem

die bilder an sich sind in 3D eine wucht, die handlung ist halt leider sehr hollywood-mäßig blockbustermäßig verhunzt. dabei gäbe es viel potential in dieser geschichte.

aber: so sehr mich manche szenen auch gestört haben, ist für mich der film doch eine metapher auf die von der europäischen kultur (jaja, ich weiß, es gibt da unterschiede in nuancen) vor 5 jahrhunderten begonnene und in den letzten beiden jahrhunderten massiv beschleunigte eroberung und zerstörung unserer heimat, der erde. und genaugenommen bin ich als konsument gerade heute ein motor hinter dieser entwicklung. ich habe den film gemeinsam mit einem australier gesehen, der mir nachher sagte: "das haben wir mit den aborigines gemacht".

eine andere welt ist möglich.

Sternchen100
00
22.2.2010, 10:34

Die Handlung ist verhunzt? So? Wie lief es in Lateinamerika, Nordamerika, Asien, Afrika und Australien ab???? Geldgierige Invasoren rotten Eingeborene aus. DAS ist die Realität, und das z.T. bis heute noch. Schert sich bei uns irgendwer von den Mächtigen um die Umwelt? NEIN. Der Film besagt das, und genau das ist die Realität, alles andere wäre die reine Illusion.

the thing that should not be
00
31.1.2010, 08:39

meine familie ist gesund und wenn nicht gibt es einrichtungen wo man geheilt wird, ich verdiene gut, kann mir gutes essen leisten, muss im winter nicht frieren, meine nachbarn sind nett, es gibt hunderttausend arten wie ich meine freizeit gestalten kann, im kino laufen filme wie avatar, ich habe über 200 fernsehprogramme, ich kann meine kinder in gute schulen geben, später auf gute universitäten, im internet finde ich jede information die ich mir nur wünschen kann, ich kann mich weiterbilden, mein job ist spannend ... warum sollte ich eine andere welt wollen ???

Sternchen100
00
22.2.2010, 10:35

Nimm mal die rosa Brille ab und sieh mal die Millionen Menschen, die hungern und verhungern und elendig täglich krepieren.

Ringweltler
00
21.2.2010, 23:42

mir geht es ähnlich wie ihnen - allerdings bin ich auch ein extrem fantasie-voller mensch. ich tauche gerne in so fantastische welten wie pandora ab ... einfach weil es etwas anderes ist ... also die tausend-km-straßen ... die vielen autos ... und die immer dümmer werdenden menschen rundherum ...

Christoph Karl Steininger
00
Sie Glückspilz!

Es gibt aber auch andere Leute. Die sind nicht so gesund, haben einen langweiligen, widerlichen, unterbezahlten Job. Schlagen sich mit Einsamkeit rum oder mit eine Dürre an Liebesbeziehungen. Haben nicht genug Geld um die vielfältigen Kulturangebote nutzen zu können.
Für die ist eine andere Welt oder das Phantasieren darüber eine wilkommene Abwechslung!

Günther Hase
 
13
18.1.2010, 23:41
Ich dachte Terminator 4 war seicht

... doch im nachhinein gesehen ein ungerechtes Urteil. Die Charaktere sind austauschbar durch bunte Hinweisschilder "der Bösling", "der Held", "der Krieger" etc. ... keine Persönlichkeit, jede ihrer Handlungen vorhersehbar - ihr einziger Sinn besteht darin, dem Zuseher die "Message" aufs Auge zu drücken.
Ein einziges mal musste ich während des Films sogar laut lachen - als die im sterben liegende Wissenschafterin mit lieblos aufgeklebten Blättern über Nippel und Körpermitte ins Bild getragen wird, damit der Film die entsprechende Altersfreigabe bekommt.

Fazit: Wer nach Besuch der in fluoreszierenden Farben bemalten Toilette in der Hippie WG in Begeisterungsstürme verfiel, dem wird auch dieser Film gefallen.

Sternchen100
00
22.2.2010, 10:40

Märchen, Sagen und Fantasy-Filme LEBEN von klaren Rollenverteilungen und Urtypen wie "der Krieger", der "Gute", der "Böse", "der Schamane" - ja und?

Zuviele Schnulzen wie Denver Clan, Dynasty, Reich und schön, Arztserien und sonstige künstliche Intrigenstadel gesehen?

star observer
00
22.1.2010, 14:56

es gibt ja keine hippie wg's mehr,
also hat "das da" (film will ich es nicht nennen) seine berechtigung.

und jetzt lasst's euch was besseres einfallen, filmemacher! das mit den 3d-brillen hat keine zukunft.

Kleiner Mumin
00
26.1.2010, 16:39
Genausowenig

wie Tonfilm, Farbfilm, das Rad etc.
Gespannt bin ich jedenfalls, was andere Filmemacher aus 3D machen werden.

Der Zaungast
12
18.1.2010, 19:00
Avatar 2D ist wahrscheinlich ziemlich witzlos. Avatar 3D ist einfach umwerfend.

Ringweltler
00
21.2.2010, 23:44

dann hätte man dir einfach irgend einen film in 3d zeigen können - hauptsache 3d ... ich bin von dem 3d nicht so begeistert gewesen ... die brille war unangenehm ...

Blutarsky
00
27.1.2010, 08:22
Technisch die Zukunft

Lord Lurch
00
13.1.2010, 18:49
Wie der Spiegel richtig schreibt:

Die Story ist "Winnetou I" mit weniger Winnetou, mehr Nscho-Tschi und einem Old Shatterhand im Rollstuhl.
Zu seiner Ehrenrettung: Wahrscheinlich kennt das Cameron gar nicht - aber vielleicht hats ihm ja der Tarantino (der ihn bestätigterweise - siehe Inglorious Basterds kennt) erzählt - wer weiß ...

chavs on the run
00
18.1.2010, 12:32

gute themen werden immer adaptiert, ist so.

auch last samurai war ähnlich und viele viele mehr.

Fürchtegott Dreist
00
Frage: In welchem Kino schaut man sich den Film am besten an?

Ich hab nich keinen 3D Film in Wien gesehen. Welches Kino hat die beste Projektion? will Avatar auf keinen Fall in 2D sehen müssen, nur weil ich versehentlich ins falsche Kino gegangen bin. Danke für Tipps!

Sternchen100
00
22.2.2010, 10:44

Google mal. 3-D-Filmdarbietungen werden extra im Programm angegeben. Die neueren Cineplexx oder Multiplex-oder Imax-Kinos haben meist alle eine entsprechende Leinwand.

2D- da würde der Film wohl 50% seines Reizes verlieren, wirklich, daher sollte man den Film auch unbedingt in einem entsprechenden Kino ansehen.

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