Audimaxbesetzung

Widerstands-Clique

15. Dezember 2009, 17:55

Die Bewegung muss sich jetzt über ein querulantisches Bedingungenstellen und ein Kräftemessen mit dem Rektorat hinausbewegen

Es ist rührend, wie sich die Studierenden im Audimax um die Obdachlosen kümmern, die dort Einzug gehalten haben. Es ist auch ein spannendes gesellschaftliches Projekt: Wie kommen Studierende und Obdachlose miteinander aus, was können sie lernen - auch voneinander? Dieses Sozialengagement ist wichtig, und den Obdachlosen sollte geholfen werden, kurzfristig, aber auch strukturell. Keine Frage. Und jetzt kommt das große Aber.

Aber: Was hat das mit der Hochschulpolitik zu tun? Es ist wichtig, sich für die Schwachen zu engagieren. Aber die 40 Obdachlosen, die im Audimax einen warmen und trockenen Platz gefunden haben, sollten nicht als Begründung für die anhaltende Besetzung herhalten. Für sie sollten sich im Übrigen geeignetere Räume als der Hörsaal finden lassen.

Die Studierenden, die sich bei der Besetzung des Audimax engagieren, laufen Gefahr, die Sympathie in der Bevölkerung, den Rückhalt in der Gesellschaft zu verlieren. Der Protest an den Unis hat viel bewegt. Er hat Verständnis für die berechtigten Anliegen der Studierenden erzeugt, denen es nicht allein um ihre individuellen Bedürfnisse, sondern um ein gesellschaftspolitisches Anliegen geht.

Die Bewegung muss sich jetzt über ein querulantisches Bedingungenstellen und ein Kräftemessen mit dem Rektorat hinausbewegen. Wenn die Besetzung des Audimax zum Selbstzweck wird und der Protest zur hohlen Phrase einer selbstgefällig posierenden Widerstandsclique verkommt, sind all die hehren Ansätze, mit denen eine Verbesserung des Bildungssystems angestoßen werden sollte, dahin. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2
Karl Kraus
 
11
21.12.2009, 20:32
auch wenn ich mich unbeliebt......

mache aber bei der audimax-besetzung warn schon auch leute dabei die von besetzung und aktion zu aktion hüpfen. ich will das wort "berufsdemonstrant" nicht verwenden aber da sind schon leute für die das berufung ist irgendein gebäude mit ihrem schlafsack zu befrieden.

untutoredyouth
01
17.12.2009, 11:39

ich glaub sowieso, dass das professionelle berufsobdachlose sind, die mit bussen aus deutschland gekommen sind.

pr re
00
22.12.2009, 02:18

da hilft nur ... ?

Max Huber6
31
16.12.2009, 17:31
Audimax-Besetzung

Wenn nun die Studenten auch noch Obdachlose vor ihren Karren spannen, so ist das ausgesprochen perfide. Wie sollen berechtigte Anliegen in dieser Form den Menschen nahegebracht werden? Eine ganze miese Geschichte!!

untutoredyouth
21
17.12.2009, 11:45

das ist kein vor-den-karren-spannen! gibt man das audimax frei, müssten diese menschen wieder im freien schlafen. insofern kann ich die forderung 100%ig unterstützen.
wo sind eigentlich die argen katholiken, die ihre kreuze überall aufhöngen wollen, wenn man sie braucht? die haben da so ein ding, das nennt sich nächstenliebe, glaub ich.

Erich.Hartig
01
17.12.2009, 00:41
ja für den Staat Österreich

die Obdachlosen haben sich einfach eingefunden weil es geheizt ist ....

papst benedikt
00
16.12.2009, 17:07

"Für sie sollten sich im Übrigen geeignetere Räume als der Hörsaal finden lassen."

ja eh. gut, dass es durch die studenten ins öffentliche blickfeld rückt, denn wenn wir auf leute wie sie warten, passiert das ja nie. genau deshalb haben ja obdachlose keinerlei geeignete räumlichkeiten. rührend auch, wie sie um die sympathie in der bevölkerung besorgt sind, wo man ja gerade hier den protesten ganz offen mit antipathie begegnete.
wenn die berichterstattung über die studentenproteste zum selbstzweck wird und der protest zur hohlen phrase einer selbstgefällig posierenden wirtschaftsmedienclique verkommt, sind all die hehren ansätze einer liberalen weltsicht dahin.

Protagoras v. Abdera
14
16.12.2009, 15:38
Der Protest im Audimax wird von einer breiten Mehrheit der einfachen Universitätsangehörigen mitgetragen

s ist ja süß, wie der mainstrean der öffentlichen Meinung versucht, diese Bewegung entweder zu domestizieren, indem sie funktional auf die Rolle des Aufmerksammachens eingeschränkt wird, oder sie zu denunzieren, indem sie als querulatorische Minderheit dargestellt wird. Die Clique, die an dieder Stelle eigentlich kritiisiert werden müsste, ist nicht die der BesetzerInnen, sondern die der politischen und wirtschaftlichen Eliten, die die Hochschulen im letzten Jahrzehnt ohne demokratische Mitbestimmung nach ihren Vorstellungen umgestaltet haben. Wenn der Prozess dieser undemokratischen Reformen zumindest in wesentlichen Teilen revidiert ist, dann hat die Bewegung ihr Ziel erreicht, nicht wenn die Journalisten das für richtig halten.

Angeber ohne Gewehr
21
16.12.2009, 15:12
Nett gesagt, leider sinnlos

Das hat Redakteur Völker eh noch nett gesagt. Ich fürchte nur, im Audimax sind (neben den Obdachlosen) hauptsächlich noch Besetzungserotiker zu finden, die weder so eine sanfte Mahnung noch klare Worte verstehen werden: Wer noch immer nicht kapiert hat, dass die Audimax-Besetzung mittlerweile sinnloser Selbstzweck ist, der gar nichts mehr zur Erreichung hochschulpolitischer oder praktischer studentischer Ziele beiträgt, dem ist einfach nicht mehr zu helfen.

Resi Vonderalm
03
16.12.2009, 14:56
.) Ad "querulantisches Bedingungen stellen":


Der UN-Pakt für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte bestimmt:

Artikel 13

(1) Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht eines jeden auf Bildung. Sie stimmen überein, dass die Bildung auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und des Bewusstseins ihrer Würde gerichtet sein und die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten stärken muss. ....

(2) Die Vertragsstaaten anerkennen, dass im Hinblick auf die volle Verwirklichung dieses Rechtes ...

(c) der Hochschulunterricht auf jede geeignete Weise, insbesondere durch allmähliche Einführung der UNENTGELTLICHKEIT, jedermann gleichermaßen entsprechend seinen Fähigkeiten zugänglich gemacht werden muss; ...

Menschenrechte einzufordern ist also "querulatorisch" ?

cracy spam
23
16.12.2009, 14:40
Hier geht es eben nicht nur ...

um die Besetzung eines Hörsaals, sondern
auch um allgemein gesellschaftliche Probleme.

Leute wie Hahn und Pröll sind bereits vom
Kapitalismus so konditioniert und satt,
dass sie die Problematik armer Menschen
einfach nicht verstehen können. Kein
Wunder, bei dem Lebensstil ...

lgc ;-)

distroia
12
16.12.2009, 13:29
"es ist rührend ..."

natürlich darf, kann und soll man kritik an der besetzung üben, auch wenn man ihr wohlwollend gegenüber steht, aber die verachtung die hier eingangs aus ihnen spricht ist einfach erbärmlich

Unpolitisch
81
16.12.2009, 12:43
Audimax-Besetzung

Die Besetzung wird erst zu Ende gehen wenn das kapitalistisch-universitäre System gekippt wurde.

- Entmachtung der Rektoren und Professoren
- Selbstbestimmtes Studium
- Bedingungsloses Grundeinkommen für alle ÖsterreicherInnen

Löschkandidat
01
21.12.2009, 16:11
Mölzer?

Auch hier enttarne ich Sie!!!

Ampheta Min
02
16.12.2009, 18:29
Herzi, eine voll super Threorie!

ad 1: ja lieber Hausmeister und Putzfrauen auf die Chefsessel; wohl zuviel "Utopolis" gelesen.
ad 2: Sie buchen das Hotel Ihrer Wahl so lange sie wollen und dafür zahlen Sie auch.
So wird es auch mit den Studium sein. Dann können Sie so lange studieren was auch immer Sie wollen.
ad 3: zahlen Sie Ihrem Installateur, Ihrer Friseurin oder Ihrem Mechaniker Geld für nicht getätigte Leistung?!
Und zahlen vielleicht Sie das Grundeinkommen für diejenigen, die gerne lieber nichts tun würden?!

Wohl keinerlei Ahnung von gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Stukturen!

cannery row
20
16.12.2009, 14:11
Selbstbestimmtes Studium..

heisst das, man wird sich in zukunft die studienrichtung selbst aussuchen können? wow!

Schwarz Grün
20
16.12.2009, 16:31
nein, nicht nur die studienrichtung,

auch die noten (der ganz abschaffen) und die höhe des stipendiums ..........

sociovation
13
16.12.2009, 13:22
Zu letzterem Punkt

würde ich die Besetzung einer Merkur-Filiale vorschlagen - aber aufpassen, da wird man leicht von hinten erschossen.

py rx
23
16.12.2009, 11:27
die bewegung muss

überhaupt nix, am allerwenigsten auf ratschläge von obergscheiten liberalen journalisten hören. fordert nichts - besetzt alles!

Schwarz Grün
21
16.12.2009, 16:34
warum komme ich immer wieder auf parallelitäten zwischen den hörsaalbesetzern

und den verantwortlichen in kärnten?

.... ist es deren seriosität,
oder deren verantwortungsgefühl für andere / die gesellschaft,
oder klingt beides einfach nach spassgesellschaft auf kosten der steuerzahler ....

bitte helft mir, warum? gggg

Londo Mollari
 
02
16.12.2009, 10:40
was das miteinander zu tun hat

einfach "das richtige" tun, wenn man die möglichkeit hat. als kollektiv agieren statt "führer" zu bestimmen. hilfe für den nächsten (=obdachloser). selbst handeln, statt zu delegieren.

bei uns ist alles bis ins letzte aufgeteilt, organisiert, geregelt. nur funktionieren tuts halt nicht. da ist mir unorganisiertes, aber effektives handeln 100x lieber.

Klaus Botschen
02
16.12.2009, 11:25

unorganisiertes, aber effektives handeln... wenn's denn bloß funktionieren würde. tut es aber nicht. es hängt an einer handvoll engagierter leute, von denen immer wieder einer ausbrennt. es steigen zwar daraufhin andere ein, aber nur bis auch sie ausgebrannt sind.

Kontrahent1
33
16.12.2009, 11:05
Hilfe für den Nächsten

auf Kosten anderer.- Wie wäre es, sich darum zu kümmern möglichst schnell sein Studium zu beenden, einen gut bezahlten Job annehmen und dann Vinzi-Dorf, Caritas, Kinderdorf, Tierschutz usw. großzügig mit selbst verdientem Geld unterstützen ? Ich bin sicher, meine Spenden im eher kleineren Umfang bewirken mehr, als diese vordergründigen Aktionen.

qball
43
16.12.2009, 11:53

und ich bin mir sicher: sie irren.

Kontrahent1
32
16.12.2009, 13:01
Natürlich,

weil Sie zu den Bewohnern von Wolkenkukuksheim gehören.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.