Letzte US-Großbank zahlt Hilfen zurück

15. Dezember 2009, 17:38
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Mit Wells Fargo und Citigroup zahlen die letzten großen US-Banken Staatshilfen zurück. Jetzt können sie wieder mit saftigen Boni locken

Washington/San Francisco - Als letzte US-Großbank will Wells Fargo die gesamte in der Finanzkrise erhaltene Staatshilfe zurückzahlen. Die 25 Milliarden Dollar (17,1 Mrd. Euro) sollen mit dem Verkauf von 10,4 Mrd. neuen Aktien aufgebracht werden, wie das Unternehmen in San Francisco mitteilte. Die Ankündigung kam wenige Stunden nach der Ankündigung der schwer angeschlagenen Citigroup, sie werde 20 Mrd. Dollar Staatshilfe zurückzahlen.

Mit der Rückzahlung entfällt für Wells Fargo eine strenge Staatsaufsicht, die mit dem Rettungsprogramm verbunden ist, ebenso wie die Beschränkung der Managergehälter. "Wir sagen bereits seit längerem, dass wir zum geeigneten Zeitpunkt zurückzahlen wollen" , sagte eine Sprecherin. Insider sagen, dass Washington nun riskiert, die Kontrolle über die US-Finanzwirtschaft zu verlieren.

Die Ankündigung der Citigroup kam wenige Tage, nachdem die Bank of America die Rückzahlung von 45 Mrd. Dollar aus dem Bankenrettungsprogramm TARP abgeschlossen hat. Citigroup war von der US-Regierung mit Notkrediten von ebenfalls 45 Mrd. Dollar durch die Krise gebracht worden. 25 Mrd. Dollar davon sind inzwischen in Aktien umgewandelt, womit der Staat 34 Prozent an der Bank besitzt. Nach Angaben des Finanzministeriums werden von den 245 Mrd. Dollar für die Bankenbranche 185 Mrd. Dollar zurückgezahlt.

Finanzminister Timothy Geithner sagte, die USA machten einen Gewinn mit ihrer Bankenhilfe. Mit den zuletzt angekündigten Rückzahlungen der Institute sei die Regierung auf gutem Weg, die eingesetzten Steuergelder um gut 75 Prozent zu reduzieren. Deutliche Kritik hatte US-Präsident Barack Obama am Vortag an der Kreditvergabe der US-Großbanken geübt. Nach einem mehr als einstündigen Treffen mit Spitzenvertretern im Weißen Haus erklärte der US-Präsident, die Bankenmanager müssten alles verantwortbare unternehmen, um die Wirtschaft wieder ausreichend mit Krediten zu versorgen. Die Banken seien in der Pflicht, nachdem sie vom Steuerzahler vor dem Zusammenbruch gerettet worden seien.

Er habe die Bankenmanager daran erinnert, dass sie die Finanzkrise größtenteils selbst zu verantworten hätten und nun auch zur Erholung der Wirtschaft ihren Beitrag leisten müssten. Obama rief die Bankenchefs auch auf, ihren Widerstand gegen die von der Regierung geplante Reform der US-Finanzindustrie aufzugeben.

Klage gegen Goldman Sachs

Ein US-Pensionsfonds hat Goldman Sachs wegen der Zahlung unangemessener Boni verklagt. Der auf Feuerwehrleute und Polizisten spezialisierte Fonds wirft dem führenden Wall-Street-Institut vor, Manager "blind" für Firmenergebnisse belohnen zu wollen, die überhaupt nichts mit den Leistungen der Angestellten zu tun hätten. Angeklagte sind Konzernchef Lloyd Blankfein sowie andere Manager und Direktoriumsmitglieder. Goldman Sachs erklärte, die Anklage entbehre jeder Grundlage.

Das Geldhaus steht in der Kritik, weil es kurz nach Erstattung von Staatshilfen Milliarden für Boni beiseite gelegt hat. Der Anklage zufolge will Goldman Sachs gut 22 Milliarden Dollar an seine Angestellten auszahlen. (AP, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2009)

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    25 Milliarden Dollar hat Wells Fargo vom Staat bekommen; nun zahlt das Institut mit Sitz in San Francisco das Geld zurück.

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