"Thermenbande" festgenommen

15. Dezember 2009, 17:04
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600.000 Euro Schaden - 30-köpfige Tätergruppe

Wien - Österreichische Kriminalisten haben einer 30-köpfigen Einbrecherbande, die auf Thermen und Thermenhotels in mehreren Bundesländern spezialisiert war, das Handwerk gelegt. Die Tätergruppe war in den Jahren 2007 und 2008 hauptsächlich im Burgenland, der Steiermark und in Oberösterreich aktiv. Der verursachte Gesamtschaden beläuft sich auf 600.000 Euro. Der Abschlussbericht mit Details über die mehrere Monate andauernden Ermittlungen wird morgen, Mittwoch, im Bundeskriminalamt in Wien veröffentlicht.

Bereits am 30. Mai 2007 hatten Beamte des Landeskriminalamts Burgenland und der Steiermark Alarm geschlagen, nachdem es zu einer Häufung von Einbrüchen in Thermen gekommen war, heißt es in einem Artikel auf "kripo-online.at". Neun Thermeneinbrüche in Serie waren damals verübt worden. Im Jänner des Folgejahres wurde die "Arge Thermen" gegründet, zu der sich Kriminalbeamte aus dem Burgenland, der Steiermark und Oberösterreich offiziell zusammenschlossen.

Die Bande hatte es aber nicht ausschließlich auf Thermen abgesehen, sondern auch Einbrüche in Autobahnraststätten, Gasthäuser oder Getränkemärkte verübt. Ähnliche Taten gab es auch in Niederösterreich (Therme Laa/Thaya) oder in Villach.

Breit angelegte Überwachung

Der Ausforschung der Männer gingen eine Vielzahl an Telefonüberwachungen und Observationen voraus, Routen wurden anhand von Telefon-Einlog-Daten erstellt. In mehreren Thermen der drei hauptbetroffenen Bundesländer wurden mobile Alarmanlagen der Polizei installiert, zudem waren nachts Sonderstreifen unterwegs.

"Die Gruppe hat sich zwar manchmal die Mühe gemacht und hat Safes aufgeflext, in der überwiegenden Zahl der Einbrüche aber haben die Täter die Büros durchsucht und meistens die Safeschlüssel gefunden", zitierte "kripo-online.at" den steirischen Ermittler Alois Gider.

Lange Zeit handelte es sich bei der Verfolgung der Tätergruppe, einer losen Verbindung etwa zweier Dutzend Männer, vorwiegend Kosovo-Albaner, um ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel. Die Männer "haben andauernd Handys und SIM-Karten gewechselt", berichtete Andreas Kummer von Landeskriminalamt Burgenland in dem Online-Artikel. Einer der Täter etwa, verwendete allein in der Zeit, in der er observiert wurde, sieben Handys und 16 SIM-Karten. Mehrmals war es auch zu Täter-Opfer-Konfrontationen gekommen sowie zum Zusammentreffen mit Polizisten.

Drehscheibe Ottakring

Als Drehscheibe kristallisierte sich ein Lokal in Wien-Ottakring heraus, in dessen Hinterzimmer öfters Männer übernachteten, die zum Einbrechen nach Österreich kamen, ein paar Nächte in der Bundeshauptstadt blieben und anschließend das Land wieder verließen. Ein Mobiltelefon, das bei einem Einbruch in die Therme Loipersdorf verwendet worden war, führte die Beamten direkt zu der versteckten Wohnung.

Der Schaden in den Thermen war oft alleine durch das Aufbrechen der Eingangstür sehr groß. Rekordschadenssummen gab es in der Sonnentherme Lutzmannsburg im Burgenland mit 63.000 Euro (am 2. April 2007) und mit 80.000 Euro am 4. Mai des selben Jahres.

Ein Einbruch in Lutzmannsburg brachte auch den Wendepunkt der Verbrechensserie: Bei einer Parkplatzkontrolle fiel einem Kriminalbeamten ein Fahrzeug auf, das anders als die anderen geparkten Pkw keine vereisten Scheiben hatte. Der Wagen führte zum ersten Verdächtigen. (APA)

 

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