Gemeinsam für ein besseres Schulklima

15. Dezember 2009, 16:51
83 Postings

Schuluniformen sind moderner als ihr Ruf - Ein antiquiertes Bild bestimmt die Diskussion

Schuluniform ist für viele ein Reizwort, das Assoziationsketten von der Privatschule bis hin zu nationalsozialistischen Erziehungsstätten auslöst. Uniformierung war und ist Teil von autoritären Systemen, in denen die Uniformierung auch den gesellschaftlichen Alltag durchwanderte. Uniformen stehen für ein gestriges Bildungssystem der obrigkeitshörigen Schüler der dem frontalen Unterricht ohne Interaktion lauscht. Abseits dieser Bilder in Reih und Glied, Anzug und Krawatte oder eben in militärischen Uniformen hat sich erst in den letzten Jahren ein neue Debatte um die Schuluniform entwickelt. Aufmerksamkeitsprobleme, soziale Brennpunkte an den Schulen und vom Konsum abgeleitete Probleme haben eine neue Diskussion entfacht.

Der Ruf nach einer einheitlichen Kleidung kann nicht die Probleme der Gesellschaft und deren Auswirkungen auf die Jugend lösen. Er kann aber ein Schritt zu einem besseren Schulklima, eine Basis für soziale Beziehungen abseits des äußeren Erscheinungsbilds, abseits von Marken, Trends und ersten Kategorisierungen unter Jugendlichen sein. Noch immer hat die Herkunft der SchülerInnen entscheidenden Anteil am Schulerfolg. Ein gemeinsames Auftreten kann eben auch ein Zugehörigkeitsgefühl erzeugen. Und das hat dieses Bildungssystem notwendig, nicht nur gegenüber den Lehrkräften, sondern vor allem bei den Schülern untereinander.

Vor allem bei höheren Schulstufen in denen die Marke oder ein gewisser Trend an Bedeutung gewinnen, wirkt sich eine einheitliche Schulkleidung positiv für den Unterricht aus. Der deutsche Psychologe Oliver Dickhäuser hat in einer Studie im Jahr 2004 an zwei Hamburger Schulen die Wirkung von einheitlicher Schulkleidung in der 7. und 8. Schulstufe untersucht. Dabei konnte er feststellen, dass in den Klassen im Einheitslook das Sozialklima besser war und die Schüler von einer höheren Aufmerksamkeit berichteten. Auch Kleidung hatte generell einen niedrigeren Stellenwert als in Vergleichsklassen, die keine Uniform trugen.

Viele Schulen, die sich für die Einführung oder Beibehaltung einer Schulkleidung entschließen, betonen auch die Vorteile des gemeinsamen Auftretens der SchülerInnen und der Schule.

Eine moderne Schuluniform muss unter Einbindung der SchülerInnen gestaltet und beschlossen werden. Erst wenn die Schuluniform als Teil einer horizontalen Bildung, bei Lehrern wie Schülern gleichermaßen als Teil der Schule, angesehen wird, dann ist es möglich das negative Image der Uniform entgegenzutreten.

Durch eine moderne Gestaltung und Verwendung der "Uniform", unter Einbindung der Schüler, ist es möglich dies zu erreichen. Das Bild der Schuluniform als starres, steifes Mittel zur Disziplinierung der Schüler ist passé. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 15.12.2009)

Share if you care.