Neue Generation von superpräzisen Cäsium-Uhr und Wasserstoff-Maser werden 2013 auf der Internationalen Raumstation installiert
Paris - Die Internationale Raumstation ISS wird ab 2013 mit zwei unterschiedlichen Atomuhren ausgerüstet. Zweck des Unterfangens ist unter anderem, die allgemeine Relativitätstheorie (ART) experimentell zu bestätigen. Die von Albert
Einstein entwickelte Theorie ist eine Erweiterung des newtonschen Gravitationsgesetzes und erklärt die Gravitation als geometrische Eigenschaft der gekrümmten vierdimensionalen Raumzeit.
Mit einfachen Worten: Die Raumzeit
ist nicht statisch, sondern dynamisch und wird durch die in ihr enthaltene Materie verzerrt, was wiederum Einfluss darauf hat, wie sich die Materie bewegt. Die Theorie war bereits in der Vergangenheit mehrfach im Experiment bestätigt worden. Außerdem lassen sich zahlreiche astronomische Phänomene, beispielsweise der Gravitationslinseneffekt, durch die ART erklären.
Die
Versuchsanordnung ACES (Atomic Clock Ensemble in Space) soll in vier Jahren
außen am europäischen ISS-Labor "Columbus" angebracht werden. Am
Dienstag schloss die Europäische Raumfahrtagentur ESA mit der
französischen Raumfahrtagentur CNES einen Vertrag über die
Entwicklung der Cäsium-Atomuhr "Pharao", wie die ESA in Paris
mitteilte.
Eine Sekunde in 300 Millionen Jahren
Die zweite Atomuhr - ein sogenannter Wasserstoff-Maser (SHM) - und
das ACES-Modul werden von der ESA entwickelt. ACES soll mit dem
Roboterarm der Raumstation an "Columbus" angebracht werden. Die
Zeitmessung soll so genau sein, dass das System nur alle 300
Millionen Jahre etwa eine Sekunde abweicht.
"Die Zeitskala von ACES ist das Ergebnis der außerordentlichen
Kurzzeit-Stabilität des Wasserstoff-Masers sowie der Langzeit-
Stabilität und Genauigkeit der Cäsium-Atomuhr "Pharao"", erklärte die
ESA. Das Zeitsignal von ACES wird über Mikrowellen zur Erde gesendet.
Damit können die Uhrzeiten im All und auf der Erde verglichen
werden.
"Diese neue Generation von Atomuhren im Weltraum wird für die
genaue Überprüfung von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie
entscheidend sein", hieß es weiter. Außerdem solle das System zur
Justierung der Internationalen Atomzeit (TAI) und der koordinierten
Weltzeit (UTC) beitragen und bei der Fernerkundung im All helfen. (red/APA)