"Pharao" soll auf der ISS Relativitätstheorie nachweisen

15. Dezember 2009, 15:29
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Neue Generation von superpräzisen Cäsium-Uhr und Wasserstoff-Maser werden 2013 auf der Internationalen Raumstation installiert

Paris - Die Internationale Raumstation ISS wird ab 2013 mit zwei unterschiedlichen Atomuhren ausgerüstet. Zweck des Unterfangens ist unter anderem, die allgemeine Relativitätstheorie (ART) experimentell zu bestätigen. Die von Albert Einstein entwickelte Theorie ist eine Erweiterung des newtonschen Gravitationsgesetzes und erklärt die Gravitation als geometrische Eigenschaft der gekrümmten vierdimensionalen Raumzeit.

Mit einfachen Worten: Die Raumzeit ist nicht statisch, sondern dynamisch und wird durch die in ihr enthaltene Materie verzerrt, was wiederum Einfluss darauf hat, wie sich die Materie bewegt. Die Theorie war bereits in der Vergangenheit mehrfach im Experiment bestätigt worden. Außerdem lassen sich zahlreiche astronomische Phänomene, beispielsweise der Gravitationslinseneffekt, durch die ART erklären.

Die Versuchsanordnung ACES (Atomic Clock Ensemble in Space) soll in vier Jahren außen am europäischen ISS-Labor "Columbus" angebracht werden. Am Dienstag schloss die Europäische Raumfahrtagentur ESA mit der französischen Raumfahrtagentur CNES einen Vertrag über die Entwicklung der Cäsium-Atomuhr "Pharao", wie die ESA in Paris mitteilte.

Eine Sekunde in 300 Millionen Jahren

Die zweite Atomuhr - ein sogenannter Wasserstoff-Maser (SHM) - und das ACES-Modul werden von der ESA entwickelt. ACES soll mit dem Roboterarm der Raumstation an "Columbus" angebracht werden. Die Zeitmessung soll so genau sein, dass das System nur alle 300 Millionen Jahre etwa eine Sekunde abweicht.

"Die Zeitskala von ACES ist das Ergebnis der außerordentlichen Kurzzeit-Stabilität des Wasserstoff-Masers sowie der Langzeit- Stabilität und Genauigkeit der Cäsium-Atomuhr "Pharao"", erklärte die ESA. Das Zeitsignal von ACES wird über Mikrowellen zur Erde gesendet.  Damit können die Uhrzeiten im All und auf der Erde verglichen werden.

"Diese neue Generation von Atomuhren im Weltraum wird für die genaue Überprüfung von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie entscheidend sein", hieß es weiter. Außerdem solle das System zur Justierung der Internationalen Atomzeit (TAI) und der koordinierten Weltzeit (UTC) beitragen und bei der Fernerkundung im All helfen. (red/APA)

  • Die
Versuchsanordnung ACES (Atomic Clock Ensemble in Space) soll außen am europäischen ISS-Labor "Columbus" angebracht werden.
    foto: hsf columbus aces pharao

    Die Versuchsanordnung ACES (Atomic Clock Ensemble in Space) soll außen am europäischen ISS-Labor "Columbus" angebracht werden.

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