Rektorenchef will "Nägel mit Köpfen machen"

15. Dezember 2009, 17:47
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Hans Sünkel hofft auf ein "Gipfelgespräch" über die angespannte Situation an den Hochschulen im Jänner

Wien - Am ersten Tag im neuen Amt gab sich der Chef der Universitätenkonferenz sanft: Von der Besetzung des Wiener Audimax hält er - wie seine Kollegenschaft - zwar wenig. Wie schon an "seiner" Technischen Universität Graz will er aber mit den Protestierern verhandeln. "Selbstverständlich" sei er für ein Gespräch bereit, sagte Hans Sünkel am Dienstag. Er bat sie aber schon, "darüber nachzudenken, ob sie ihre Aktivitäten in dieser Form aufrechterhalten".

Reformbedarf bei "Bologna"

Dabei, so räumte er ein, gebe es durchaus inhaltliche Punkte, mit denen man sich "identifizieren" könne. Sünkel nennt die Kritik an der Umsetzung der Bologna-Architektur. Auch er sieht Reformbedarf, denn: Die Vorgabe, mit dem Bachelor innerhalb von sechs Semestern berufsfähige Absolventen auszubilden, "spielt's in manchen Fächern nicht" - als Beispiele nannte er Mathematik. Sünkel plädiert für "mehr Flexibilität", konkret für eine Änderung der Studiendauer auf eine Bandbreite von sechs bis acht Semester.

Reden will der Rektorenchef auch mit der Politik - vor allem über mehr Geld für die Universitäten. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ), den neuen Wissenschaftsminister und die ÖH will er zu einem "Gipfelgespräch" einladen, wo "Nägel mit Köpfen" gemacht werden sollen, sprich: Sünkel will einen konkreten Fahrplan für Maßnahmen erarbeiten. Eine Konkurrenz zu den erst kürzlich eingesetzten Arbeitsgruppen des Wissenschaftsministeriums sieht er nicht. Diese würden ihre Ergebnisse erst Mitte 2010 präsentieren."Wir dürfen aber nicht inVerzug geraten", erklärte dazu der neue Rektorenchef.

Für die derzeitige finanzielle Ausstattung der Hochschulen fielen dem Rektor nur Worte wie "deutlich", "erheblich" oder "dramatisch" ein - auf die ein "unterfinanziert" folgte. Die Unis würden etwa auf einem nur zum Teil ausfinanzierten Kollektivvertrag sitzen und mit wachsenden Studierendenzahlen zurechtkommen müssen. Seine Folgerung: Das bisher nur unverbindlich definierte Ziel einer Quote von zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) für den Hochschulbereich müsse in Form einer "gesetzlich verpflichtenden Roadmap" in möglichst kurzer Zeit realisiert werden. Als Zeithorizont nannte er fünf bis zehn Jahre - was einen jährlichen Zuwachs des Budgets um 150 bis 200 Millionen Euro notwendig machen würde Und das ab 2010.

Studierendenströme umlenken

So vorsichtig er die Protestierer aus dem Wiener Audimax komplimentieren will, so moderat gibt sich Sünkel auch bei den Fragen Studiengebühren und Uni-Zugang. Bei Ersterem bleibt er seiner Linie treu, die lautet: Ja zu Gebühren bei gleichzeitigem Ausbau der Stipendien. Beim zweiten heißen Thema blieb er unkonkret: Die Studierendenströme in einzelnen Studienrichtungen wolle er "sanft" durch Anreizsysteme und Information "in die richtige Richtung lenken".

Seitens der ÖH wurde am Dienstag die Bereitschaft zu einem "Gipfelgespräch" signalisiert. Bei den Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen hielt die Studierendenvertretung einmal mehr an ihrer Ablehnung fest. (pm, DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2009)

  • Die Besetzer diskutieren schon Bedingungen für eine Freigabe des
Audimax. Der neue Rektorenchef Hans Sünkel will mit ihnen das Gespräch
suchen.
    foto: hendrich

    Die Besetzer diskutieren schon Bedingungen für eine Freigabe des Audimax. Der neue Rektorenchef Hans Sünkel will mit ihnen das Gespräch suchen.

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