Zinsen orientieren sich am durchschnittlichen Leitzins der kommenden zwölf Monate
Frankfurt/Main - Im Kampf gegen die Kreditklemme greift die
Europäische Zentralbank (EZB) den Geschäftsbanken zum dritten und vorerst
letzten Mal langfristig mit billigem Geld unter die Arme. Seit Dienstag können
die Finanzinstitute Gebote für das Refinanzierungsgeschäft mit einer Laufzeit
von einem Jahr abgeben, das an diesem Mittwoch zugeteilt wird.
Anders als bei den beiden vorausgegangenen Geschäften wird das Geld aber
nicht fix zu dem historisch niedrigen Zinssatz von einem Prozent verliehen -
stattdessen orientiert sich die Rate am durchschnittlichen Leitzins der
kommenden zwölf Monate. Was sie das Geschäft kostet, erfahren die Banken daher
erst, wenn sie es am 23. Dezember 2010 bezahlen. Experten erwarten eine Erhöhung
des Leitzinses allerdings frühestens ab Mitte 2010.
Mit dieser außergewöhnlichen Maßnahme will die Notenbank den Banken
ausreichend Kapital bereitstellen, um die Kreditversorgung zu sichern und eine
Kreditklemme in den 16 Euro-Ländern zu verhindern. Wegen der Finanzkrise klagen
viele Unternehmen darüber, dass die Banken ihnen nicht ausreichend Darlehen
geben. Seit Beginn der Krise setzt die EZB auf niedrige Zinsen und eine üppige
Geldversorgung, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Beim ersten zwölfmonatigen Refinanzierungsgeschäft im Juni hatten mehr als
1.100 Banken im Euro-Raum die Rekordsumme von mehr als 442 Mrd. Euro abgefragt.
Im September war die Nachfrage deutlich geringer: 589 Banken wurden 75 Mrd. Euro
frisches Geld zugeteilt. Experten rechnen damit, dass die Nachfrage nun
bestenfalls das September-Niveau erreichen könnte. "Der Liquiditätsbedarf der
Banken dürfte gesunken sein. Außerdem ist eine Refinanzierung zu
Marktkonditionen derzeit attraktiver als über die EZB", urteilt
UniCredit-Volkswirt Giuseppe Maraffino.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte Anfang Dezember einen allmählichen
Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes angekündigt: "Die bessere Lage am
Finanzmarkt zeigt, dass im kommenden Jahr nicht mehr so weitreichende
Liquiditätsmaßnahmen nötig sein werden wie zuletzt." (APA)