Die mexikanische Party ist vorbei

15. Dezember 2009, 18:32
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Die Abhängigkeit von den USA bringt das Land in Bedrängnis - Ratingagenturen reagierten mit einer Bonitätsabstufung

Wien/Mexiko-Stadt - Kaum ein großes US-amerikanisches Unternehmen hat in den vergangenen Jahren Mexiko nicht als Standort für sich entdeckt. Ford, General Motors, Exxon Mobile, Wal-Mart: Über 18.000 in den USA tätige Konzerne haben sich laut Außenministerium in Washington in Mexiko niedergelassen. Während diese enge wirtschaftliche Verflechtung in den Boomjahren Mexikos Wirtschaft beflügelt, reißt derAbsturz der Vereinigten Staaten nun auch Mexiko immer weiter hinunter.

Am Dienstag hat nach Fitch die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Mexikos herabgestuft. Die Agentur senkte die Bonitätsnote des Landes auf "BBB" (von "BBB+"). Eine weitere Ratingverschlechterung würde mexikanischen Staatsanleihen den Status von spekulativen Papieren einräumen. Das Problem dabei: Durch die Herabstufung verteuern sich weitere Kredite für Mexiko.

Die Staatseinnahmen Mexikos leiden vor allem unter denEinbußen im Exportgeschäft: Über 80 Prozent der mexikanischen Exporte gehen in die USA, neben Erdöl führt Mexiko vor allem Autos und Elektronik aus. Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise sind Ausfuhren um ein Drittel eingebrochen.

Analysten erwarten, dass Ende 2009 das Bruttoinlandsprodukt in Mexiko um 7,5 Prozent geschrumpft sein wird. Besonders das erste Halbjahr ist für diese negative Entwicklung verantwortlich. Neben den Exporten sind aber auch die US-Investitionen, die seit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens Nafta 1994 sprunghaft angestiegen sind, rückläufig.

Siebtgrößte Fördernation

Den Ratingagenturen verweisen aber auch auf eine andere Schwäche Mexikos: seine Abhängigkeit von Erdöleinnahmen. Bisher werden die Staatseinnahmen zu einem Drittel direkt oder indirekt von Öl bestritten, Mexiko gilt als siebtgrößter Ölförderer der Welt. Allerdings ist die Ölproduktion stetig rückläufig, die Felder im Golf von Mexiko sind erschöpft, weshalb das bisherige Wirtschaftsmodell mittelfristig als nicht mehr aufrechtzuerhalten gilt. Das Land habe es bisher nicht geschafft die Einnahmenbasis zu verbreitern, so die Ratingagenturen. Tatsächlich betragen die Steuereinnahmen außerhalb des Ölsektors in Mexiko nur gerade zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts. Das ist der niedrigste Wert unter allen OECD-Staaten.

IWF bot Sicherheitsnetz

Zugute kommt Mexiko ein aufgebautes Sicherheitspolster. Das Land gilt trotz der Finanzprobleme zuletzt als ein Musterschüler des Internationalen Währungsfonds (IWF) in puncto Wirtschaftsreformen und Wirtschaftsöffnung.

Im April erhielt Mexiko als erster Staat überhaupt eine IWF-Kreditlinie in Höhe von 47 Milliarden Dollar im Rahmen des "Flexible Credit Line"-Programms. Die Flexible Credite Line ist kein Notkredit, sondern eine vorsorgliche Sicherheitsfinanzierung. Mexiko kann auf das Geld im Ernstfall ohne weitere Konditionen zugreifen.

Zudem hat sich das Land erfolgreich gegen einen Abfall im Ölpreis versichert, die Police wird der Regierung heuer rund fünf Milliarden Euro bringen.

Weil es der Regierung in Mexiko Stadt bisher nicht gelungen ist, die Einnahmebasis zu verbreitern, bleiben die Aussichten der Analysten für 2010 düster. Vor schwierigen haushaltspolitischen Entscheidungen steht nicht nur Mexiko. Wegen den jüngsten Turbulenzen in Dubai und Griechenland warnte amDienstag auch die Ratingagentur Moody's vor gewaltigen Herausforderungen 2010.

Viele Staaten, die im Krisenjahr eine generöse Haushaltspolitik verfolgten, werden ihr Budget 2010 nur schwer sanieren können. Denn mit der Wirtschaftsleistung sei auch die Basis für die Steuereinnahmen überraschend stark eingebrochen. Weiters könnten sich die Refinanzierungskosten wegen steigender Zinsen verteuern, 2009 waren die Leitzinsen nahe null.

"Viele vergleichen das Problem ausufernderSchulden mit der Lehman-Pleite", sagt Marco Annunziata, Chefanalyst der UniCredit im Standard-Gespräch. Das sei zwar übertrieben, aber die Probleme von Dubai World und Griechenland stellen laut Annunziata keine isolierten Fälle dar. "Dubai und Griechenland erinnern daran, dass in den kommenden sechs Monaten weitere ähnliche Probleme auftreten könnten."

Die bisherigenAnkündigungen Athens zur Sanierung des Haushaltes seien nicht ausreichend. "Wenn Griechenland nicht mehr tut, werden sie Hilfe aus dem Euroraum brauchen", sagt Annunziata. Die griechische Regierung hat am Montag die Besteuerung von Bankerboni und einen weitgehenden Einstellungsstopp im öffentlichen Sektor angekündigt. (Bettina Pfluger, András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2009)

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    Mexiko leidet an viel zu niedrigen Steuereinnahmen, kritisierten Ratingagenturen am Dienstag.

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