Die beste Musik 2009, ausführliche Version

15. Dezember 2009, 11:48
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Die besten Alben, die besten Konzerte und Reissues - ein paar tote Helden.

Beim Musik-Jahresrückblick im RONDO bescheiden wir uns jedes Mal auf die Essenz des Jahres, ein paar Rubriken rund zehn Alben oder so - und Schluss! Da bleiben natürlich jede Menge Werke auf der Strecke, die man schon aus missionarischen Gründen gerne erwähnt hätte - auch wenn es kein wahnsinnig aufregendes Jahr war, das 09er.

Blog sei dank lässt sich dieses Korsett umgehen. Aufgelistet sind hier jene Alben, Reissues und Konzerte, die mir heuer am meistens gefallen haben. Die Nummerierung wird irgendwo so um Nummer 15 ein bisserl wurscht, ich hab sie eher aus formalen Gründen denn als tatsächliche Wertung durchgezogen.

Stimmt zu! Schimpft! Applaudiert! Reibt Euch! Diskutiert - und stellt Eure Listen ins Forum!

Here I go:

1: Higamos Hogamos – same
(Wire, Can, Eno, NEU!, Harmonia ... im Wiederbelebungs-Pop-Experiment, 100 Prozent gelungen!)

2: Kreisky – Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld
(Heimat bist du großer Söhne!)

3: M. Ward – Hold Time
(Heuer das schönste Songwriter-Album)

4: Element of Crime - Immer da wo du bist bin ich nie
(AEG, Aus Erfahrung Gut)

5: Alaska in Winter – Holidays
(Im November 2008 erschienen, hier erst 2009 zu kriegen – Beirut trifft Daft Punk am elektronischen Lagerfeuer  – herrlich zusammengedacht!)

6: Wild Beasts - Two Dancers
(sophisticated (Dance-)Pop, ein bisserl gespreizt und unterkühlt)

7: dZihan & Kamien – Music Matters
(wahrscheinlich haben alle wieder nur Tosca gekauft, dabei spielt hier die Musik!)

8: Warp20 Boxset
(Umfangreicher Bildband mit allen Veröffentlichungen, exklusive 10“s, viele CDS, ein paar spinnerte Gimmicks, 20 Jahre eines der besten Labels der Welt)

9: Bill Callahan – Sometimes I wish we were an Eagle
(Das zweitschönste Songwriter-Album)

10: Soulsavers – Broken
(Mark Lanegan an der Stimme, nuff said!)

11: Lay Low – Farewell Good Night’s Sleep
(verhallter David-Lynch-Country aus Island)

12: SunnO))) & Pan Sonic & Joe Preston – Che
(Die bislang überzeugendste 10“ aus der Suicide-Tribute-Reihe mit Joe Preston, der „Che“ in seinen Bart nuschelt)

13: Jochen Distelmeyer – Heavy
(Viel Feind, viel Ehr!)

14: Pink Mountaintops – Outside Love
(Die geilen Söhne von Phil Spector treiben es in den Büschen: Bum Tschak!)

15: SunnO))) – Monoliths & Dimensions
(Wie bei The Fall: Always the same, always different)

16: Fuck Buttons – Tarot Sport
(euphorisch-elektronischer Breitwandsound)

17: Harmonic 313 – When Machines exceed Human Intelligence
(Schon wegen des ersten Tracks, in dem Kraftwerk in Detroit gegen einen Autobahnbrückenpfeiler donnern)

18: The xx – same
(betrübter Minimalismus in mattschwarzer Pracht von häßlichen jungen Briten)

19: Dan Auerbach – Keep it Hid
(Solo des Black Keys-Mannes, Bluesrock aus dem Geisterhaus)

20: Der Nino aus Wien – Down in Albern
(Könnte auch der Nino von Ween heißen: „Du Oasch“ ist sein „Buenos Tardes Amigo“)

21: Eels – Hombre Lobo
(Qualität, die besteht)

22: Dorian Concept - When Planets Explode
(Techno-Funk aus Wien auf Welteroberungskurs)

23: Sonic Youth – The Eternal
(Endlich wieder einmal!)

24: Chuck Prophet – ¡Let Freedom Ring!
(wilder Evergreen in Hochform)

25: Dan Deacon – Bromst
(Zappelphillip und Schöngeist)

26: Clara Luzia – The Ground Below
(Haltbarer Indie-Pop, eines der sympathischten Konzerte des Jahres)

27: Naomi Shelton & The Gospel Queens – What have you done, my brother?
(Deep Soul 09 gibt es nicht? Doch.)

28: R.E.M. – Live in Dublin
(Wer hätte gedacht, dass  R.E.M. noch einmal so anschieben?)

29: Smokey Robinson – Time flies when you’re having Fun
(Stylist, Seelenmassierer)

30: Lou Barlow – Goodnight Unknown
(Qualitätsware und in dem Fall besser als die Stammband Dinosaur Jr, die schönere Brille als J trägt er auch)

31: Bettina Köster – Queen Of Noise
(Lob- und Hasslieder in der Kunst der Repetition, die Hildegard Knef des Punk)

32: Flipper – Love
(Liebe? Hass!!!)

33: Gordon Gano & The Ryans – Under the Sun
(Der Violent-Femmes-Sänger mit neuen besten Freunden in bester, alter Laune)

34: St. Vincent – Actor
(Schöne Frau, schräger elektronischer Pop, die Gitarre macht Krrrrch!)

35: Yacht – See Mystery Lights
(Standing in for LCD SS, a job well done)

36: Das Trojanische Pferd – same
(geiler Lärmrock aus Wien)

37: Scott Matthew – There’s an Ocean ...
(Gottvolles Balladenalbum)

38: Grizzly Bear – Veckatimest
(Kapriziöser Kunst-Pop)

39: Panama! 2
(großartiger Sampler mit Volksmusik aus Panama)

40: Rambin’ Jack Elliott – A Stranger Here
(das Tom-Waits-Album des Jahres)

41: Elbow & the BBC Concert Orchestra – The Seldom Seen Kid
(eines der besten Alben aus 2008 im Orchester-Gewand)

42: Mica P. Hinson – All dressed up and smelling of Strangers
(Cover-Alben mit Roy Orbison-Material sind nie schlecht)

REISSUES:

Midnight Choir – Amsterdam Stranded
(unschlagbare Balladenkaiser aus Norwegen)

The Jesus Lizard – Pure/Down/Liar/Goat
(vier Meisterwerke des Blues-Punk in neuer Pracht)

Flipper – Generic Flipper
(Negativismus vor die Füße geschlatzt)

Jim Ford – Big Mouth USA und The Unissued Capitol Album
(Blueeyed Soul und Funk eines lange Vergessenen)

Nick Cave – Eternity/Firstborn/Funeral/Kicking ...
(Muss man das erklären? Man muss nicht)

Feelies – Crazy Rhythms und The Good Earth
(Zappeliger wie verschreckter Schrammel-Gitarren-Pop, der langsam seine Ruhe findet)

Big Star – Keep an Eye on the Sky
(Vier CDs, Memphis im Kalten Krieg, Alex Chilton beim Erwachsenwerden: verkatert, abhängig, verwirrt. Alles, was Meisterwerke ausmacht)

Nirvana – Bleach
(Muss ja, muss ja)

 

KONZERTE:

Spiritualized – Donaufestival
(Gospelchor und Stroboskob-Gewitter im Nebel, dazu Feedback-Gedröns, dass die Ohrwascheln klingelten. Danke! Danke! Danke!)

The Jesus Lizard – Primavera Festival
(Präzise, wuchtig, wahnsinnig und funny!!!)

Spectrum – Primavera Festival
(ewige Songs mit drei Noten und Feedbacks aus der Velvet-Underground-Giftküche)

Clara Luzia – Wuk
(stimmungsmäßig wie musikalisch ein Ausnahmekonzert)

DŸSE – Rhiz
(Gitarre + Drums = Explosion, die beste full-contact-show heuer)

Lanegan/Dulli – Wuk
(Klassikaner wie unseraner!)

Mudhoney – Arena
(herrlich fieser Nostalgieabend - ohne zu viel dieses Süßstoffs des Alters)

Leonard Cohen – Wiesen
(bis auf die Zimmerlautstärke eine Weihestunde)

Marc Almond – Frequency
(spielte vor vielleicht 300 Leuten als ging es um sein Leben)

Grace Jones – Frequency
(Zehn Minuten Hoola Hop!)

Kitty, Daisy & Lewis – Primavera Festival
(Die ältesten Teenager der Welt im 40er-Jahre-Fummel gründen Chess und Sun Records neu)

DAF – Szene Wien
(die Beats kommen heute zwar aus dem Apple statt aus dem Korg, ansonsten: 1a!)

 

GONE BUT NOT FORGOTTEN:

Lux Interior, 4. 2. 2009
(Unsterblich wegen Zeilen wie "Whats inside a girl, ain’t no hotter question in the so called civilized world")

Willy DeVille, 6. 8. 2009
(New Orleans, Deep Soul und Tequila)

James Luther "Jim" Dickinson, 15. 8. 2009
(Dylan, Cooder, Jon Spencer, deVille, Alex Chilton, Sun Studios … a man bigger than life!)

Rowland S. Howard 30. 12. 2009
(Boys Next Door, The Birthday Party, Tschik im Mundwinkel, Killergitarre ...)

(Karl Fluch, derStandard.at, 15. 12. 2009

 

 Love, hate & more: kopfhoerer@derstandard.at

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  • Higamos Hogamos – das beste 
Pop-Album des jahres 2009, auf DC Recordings
    foto: dcrec.

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