Israel protestiert gegen britischen Haftbefehl

15. Dezember 2009 18:03

Regierung: "Juristischer Vorgang auf Initiative radikaler Elemente" - Livni werden Kriegsverbrechen während des Gaza-Einsatzes vorgeworfen

Der israelischen Ex-Außenministerin Zipi Livni hätte die Festnahme gedroht, wäre sie wie geplant nach Großbritannien gereist. Eine propalästinensische Gruppe hatte einen Haftbefehl erwirkt.

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"Wir sind alle Zipi Livni", rief am Dienstag Vizepremier Silvan Schalom, um die Solidarität der israelischen Regierung mit der nunmehrigen Oppositionschefin auszudrücken. Gegen Livni, die bis März Außenministerin war, hatte ein britisches Gericht einen Haftbefehl wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen während der Gefechte im Gazastreifen zu Beginn dieses Jahres ausgestellt, was in Jerusalem Empörung und in London Verlegenheit auslöste.

Das Ausbleiben von Maßnahmen gegen "diesen Missbrauch schadet den Beziehungen zwischen Großbritannien und Israel" , hieß es in einer Erklärung des israelischen Außenministeriums. Die Briten würden keine aktive Rolle im Nahost-Friedensprozess spielen können, wenn israelische Politiker das Land "nicht in angemessener, würdiger Weise besuchen können".

Von dem Haftbefehl hatte der TV-Sender Al-Jazeera am Montag berichtet. Im Londoner Außenamt hieß es zunächst bloß, die Sache werde überprüft und "israelische Führungspersönlichkeiten müssen imstande sein, zu Gesprächen mit der britischen Regierung nach Großbritannien zu kommen". Livni stellte am Dienstag in energischem Ton klar, dass "ich, Haftbefehl hin oder her, wieder jede einzelne dieser Entscheidungen treffen würde", denn "die Operation in Gaza war notwendig". Vielerorts kämpfe "die freie Welt" heute gegen den "internationalen Terror", sagte die Chefin der liberalen Kadima-Partei in einer Rede.

Absage nicht aus Furcht

Der Haftbefehl war offenbar widerrufen worden, als klar wurde, dass Livni sich nicht auf britischem Boden aufhalten würde. Sie hatte einen fürs kommende Wochenende geplanten Auftritt bei einer jüdischen Konferenz in London abgesagt. Laut Livnis Büro erfolgte die Absage keineswegs aus Furcht vor einer Festnahme. Livni habe schon vor zwei Wochen auf die Reise verzichtet, nachdem kein Termin bei Premier Gordon Brown zustande gekommen war.

Die Israelis beklagen sich seit langem über Versuche pro-palästinensischer Gruppen, israelische Politiker und Militärs in Ländern wie Großbritannien oder Spanien, wo die Rechtslage das ermöglicht, systematisch mit Haftbefehlen zu "empfangen". Israels Vizeaußenminister Dani Ayalon forderte nun die britischen Behörden auf, "die Lücke im britischen Gesetz zu stopfen, die es jedem Distriktsrichter im entlegensten Ort erlaubt, solche Haftbefehle auszustellen".

Nach britischem Gesetz genießen nur amtierende Staatsoberhäupter, Regierungschefs und Außenminister diplomatische Immunität. Erst im September hatte sich Israels Verteidigungsminister Ehud Barak, der sich am Montag in Wien aufhielt, über "dieses absurde Theater" beschwert. Ein Haftantrag gegen Barak, der in London Gast der Labour Party war, war erst nach einer Intervention des britischen Außenministeriums abgewiesen worden. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2009)

Kommentar posten
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Siracusa
20.12.2009 11:11
Report: U.K. takes steps to end arrest threats to Israeli officials

http://haaretz.com/hasen/spa... 35733.html

"According to The Guardian, Britain's attorney general will be asked to approve warrants before suspected war criminals can be arrested in future, under a plan being negotiated by the Foreign Office in response to the row over attempts to arrest Livni."

Fritz Wunderlich
16.12.2009 14:23
MarioV
16.12.2009 11:40
Blair in den Knast!

Würde man alle Politiker anklagen, die Verbrechen begangen haben, dann müsste man wohl einen großen Teil der Politiker weltweit austauschen.
Gar keine schlechte Idee.
Aber eigentlich sollte man mit dem Aufräumen im eigenen Land beginnen, und das Blair noch nicht hinter Gittern sitzt, ist ein Skandal, der vielleicht nur noch davon übertroffen wird das man ihn sogar zum EU-Präsidenten machen wollte.

Timagoras
 
16.12.2009 14:41

aber ich bitt' Sie!

wir Europäer sind doch die "guten"!

wir können im brustton der überzeugung unsere hände in unschuld waschen,
und mit dem selben brustton den zeigefinger heben und gegen Isreal richten (und NUR gegen Isreal, wie sich wieder mal bestätigt).

SO schaut's aus ....

MondXicht
16.12.2009 17:59

Eine Schande sowas. Weiß doch jeder das die Israelis die GUTEN sind und die Palästinenser ein böses Satansvolk wo schon einem jeden kleinen Kind der Beelzebub aus den Augen stiert

1116er
16.12.2009 10:48
wenn israelische Politiker das Land "nicht in angemessener, würdiger Weise besuchen können".

solange ein land seine bürger nicht in angemessener, würdiger weise behandelt, sollten auch seine politiker konsequenzen spüren.

allerdings sollte das für ALLE gelten.
leider werden nach wie vor potentaten und repräsentanten der grauslichsten art bei staatsbesuchen mit jedem nur denkbaren pomp und trara empfangen...

Timagoras
 
16.12.2009 15:10
"allerdings sollte das für ALLE gelten"


tut's aber nicht.

was ist dann also von dieser einen anklage (und dem großen jubel darüber in diesem forum) zu halten?

soseies
17.12.2009 17:33

sie haben was gegen eine unabhängige justiz...oder...

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
16.12.2009 13:34

pomp und trara ist eine sache. aber menschenrechtsverletzungen zu begegnen, in dem man amtierende politiker bei staatsbesuchen verhaftet, wäre das ende jeder diplomatie. wohin das führt hat bush gezeigt, vielen dank.

75534
16.12.2009 10:00
Großbritannien hat als ehemaliger Mandatar über Palästina reichlich 'vor Ort' - Erfahrung gesammelt.

Menachem Begin hatte mit seiner Terrororganisation ja immerhin den britischen Hochkommissar + > 90 weiterer Opfer im Jerusalemer King-David-Hotel in die Luft gesprengt (laut Unters.-bericht übrigens als Araber verkleidet). Anschließend belagerten die Briten mit 27.000 Mann !!! Tel-Aviv, nachdem bereits zuvor britische Familien wegen zahlreicher Übergriffe evakuiert werden mussten.
Großbritannien wird den Überfall auf Gaza schon richtig eingeschätzt haben.

dekorhippe
16.12.2009 14:42
tja, salopp gesagt, auch die israelis

belagerten nach terroranschlägen und raketenangriffen den gaza streifen mit zigtausend soldaten, die juedischen familien mussten ebenfalls jahre zuvor schon evakuiert werden....

oder geht bei ihrem vergleich gar nicht so um die rollen der einzelnen protagonisten sondern eher um deren konfessionelle zugehörigkeit, "aus der die briten ja was gelernt haben müssten"?

75534
16.12.2009 20:46
ähm, salopp gesagt befand und befindet sich

das palästinensische Volk im Würgegriff eines das Völkerrecht mit Füßen tretenden Nachbarn, der -anstatt durch Umsetzung von Resolutionen des UN-Sicherheitsrates für Frieden zu sorgen- lieber weiter Land und Wasser stiehlt;- salopp gesagt das Leben unmöglich macht.
Wer sich dann getraut, vor lauter Verzweiflung zu kratzen und zu beißen, dürfte rein menschlich gesehen dazu legitimiert sein.
Und wo soll es da eine Parallele zum King David Bombing durch Irgun mit Menachem Begin geben ?

dekorhippe
17.12.2009 14:48
ganz salopp gesagt hab ich ein wenig überspitzt das zum ausdruck bringen wollen, was sie noch immer nicht kapieren:

bis auf die konfessionelle zugehörigkeit gibt es keinen zusammenhang zwischen gaza und dem king david anschlag. und trotzdem ziehen sie irgendwie eine parallele bzw. machen sie auf eine wesenseigenschaft aufmerksam, die, wenn man A kennt auch B erklärt, auch wenn A und B kausal nicht zusammenhängen, bis auf die konfession der ausführenden personen.

d.h. ihre conclusio: die konfession bzw. angehörigkeit eines volkes erlaubt es großbritannien auf die wesenseigenschaft von personen rückzuschließen.
es liege also in der "natur" dieses volkes solche taten zu begehen.

Makronaut
16.12.2009 11:34
für die erschreckend unwissenden wie sie:

die zio. widerstandsorganisation hagana (aus der dann die idf hervorgegangen ist), hat mit den briten zusammen die irgun verfolgt und bekämpft.

und weg ist ihre "argumentation".

Zip Vi Glotscha
 
16.12.2009 13:25
Na Sie reden ja einen schönen Stiefel

Tolle "Verfolgung" wenn der Drahtzieher des King-David-Terroranschlags später Ministerpräsident wird.

Ihre Art der Geschichtsfälschung ist belustigend. Mehr bitte!

Makronaut
16.12.2009 13:32
lesen bildet:

...lesen sie zur abwechslung mal geschichtsbücher. stichwort "the saison".

wikipedia tuts zur not auch auch.


wenn man nach ihren maßstäben geht, müsste die gesamte plo-führung für immer ins gefängnis.
aber wozu hat man double standards, nicht wahr?

Zip Vi Glotscha
 
17.12.2009 14:01
Schon gelesen, danke, und alle Quellen widersprechen Ihren Aussagen.

Sie argumentieren wie Strache und Scheuch: Keinerlei Inhalt, aber den lautstark rausposaunen und wenn man einem der eigene Blödsinn zerlegt wird, dann wechselt man schnell das Thema (Start mir Irgun, jetzt plötzlich PLO).

Und weil Ihr Versagen selbst einfache Zusammenhänge zu verstehen so eklatant ist, die ganze Show noch einmal:

Sie sagen: "Hagana verfolgte Irgun"

Ich sage: Wenn ich jemanden "verfolge", den die Briten einen Terroristen nennen, den David Ben Gurion wegen seiner verübten Massaker mit Hitler und Heydrich vergleicht, dann wird dieser jemand sicher nicht Chef der Cherut-Partei (ab 73 Likud) und sogar Ministerpräsident.

Bei meiner Verfolgung sitzt dieser Verbrecher lebenslang.

Makronaut
17.12.2009 15:57

dafür, dass sie so viel schreiben, kommt aber recht wenig inhalt rüber.

nach ihrer "verfolgungs"-definition dürften die isr niemals irgendwelche amtierenden pal führungskräfte verfolgt haben, oder?

-> danke für diese einsicht. isr hat also zb abbas niemals verfolgt. ich werde sie bei gelegenheit entsprechend zitieren.

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
16.12.2009 11:15

der zuständige richter war damals natürlich dabei, ist also nicht wie wir normalsterblichen auf ganz normale geschichtsbücher angewiesen, daher kann er die gaza-situation viel besser einschätzen. was für ein unsinn.

die israelis haben gegen GB sabotage betrieben. king david war ein unfall, die briten haben auf die telefonischen bombenwarnungen einfach nicht reagiert. andernfalls hätte es nur sachschaden gegeben.

Com Pirx
16.12.2009 11:45

Sabotage klingt so harmlos. Warum wollen Sie nicht das Wort Terror verwenden?

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
16.12.2009 13:31

weil terror die vorsätzliche angedrohte oder durchgeführte gewaltanwendung an zivilisten bezeichnet. das war hier nicht der fall. die toten waren tragisch, die entscheidung zum anschlag hinterfragenswert, aber der jüdische widerstand gegen die briten war dennoch kein terrorismus.

terror klingt so verachtenswert. warum wollen sie dieses wort unbedingt verwenden, auch wenn es nicht zutrifft?

fibiundchillie
16.12.2009 14:25

natürlich muß es das wort terror sein, als gegengewicht zum terror der arab. seite.
und wenn der "isralische Staatsterror" grad ausgelutscht is, dann müssen halt der bernadotte und die irgun herhalten.
so läuft das.
oben hat ein kollege das verbotsgesetz verlinkt.
und aufm stephansplatz vor 3 tagen wurde ein rabbi von einem wildgewordenen ... schwer verletzt.
alles EIN roter Faden.

Com Pirx
16.12.2009 14:08

Da haben Sie eine Aufstellung über den jüdischen Terrorismus dieser Jahre. Das waren beileibe nicht nur britische Soldaten, die dabei getötet wurden.

http://www.cjpme.org/DisplayDo... SaveMode=0

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
16.12.2009 14:42

das hat nichts mit dem widerstand gegen die briten zu tun. jedes entkräftete argument führt zu einer neuen diskussion. aber nicht mit mir, ich bin hier fertig.

Com Pirx
16.12.2009 15:29

Sondern ... mit der Apfelbäumchenblüte im Mai?

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