Ägypten räumt Bau von Grenzanlage indirekt ein

15. Dezember 2009, 10:26
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"In Sicherheitsfragen nach eigenem Gutdünken schalten und walten"

Kairo - Die ägyptische Regierung hat die jüngsten Berichte über den Bau neuer Sicherungsanlagen an der Grenze zum Gazastreifen erstmals indirekt bestätigt. Auf die Frage, ob Ägypten wirklich mit dem Bau einer unterirdischen Grenzmauer auf der Sinai-Halbinsel begonnen habe, sagte Außenminister Ahmed Abul Gheit in einem Interview mit der arabischen Tageszeitung "Al-Sharq Al-Awsat" (Dienstagsausgabe): "Ägypten kann auf seinem Staatsgebiet in Sicherheitsfragen nach eigenem Gutdünken schalten und walten."

Der ägyptische Staat müsse für die Umsetzung seiner Strategien zur Wahrung der nationalen Sicherheit keinen Vorwand erfinden und sei auch niemandem Rechenschaft schuldig. "Ich möchte zu diesem Zeitpunkt aber nicht darüber sprechen, was wir konkret in dieser Region unternehmen", fügte er hinzu.

15 Kilometer langer unterirdischer Wall aus Stahl

Ägyptische Augenzeugen auf der Sinai-Halbinsel hatten in der vergangenen Woche berichtet, die Sicherheitskräfte hätten mit dem Bau eines knapp 15 Kilometer langen unterirdischen Walls aus Stahl begonnen, der den Schmuggel von Waren und Waffen durch Tunnel in das Palästinensergebiet verhindern solle. Diese neue Grenzanlage werde 18 Meter tief in den Boden gerammt. Die Regierung in Kairo hatte diese Berichte zunächst nicht kommentieren wollen. In Ägypten stehen derzeit Anhänger der libanesischen Schiiten-Partei Hisbollah vor Gericht, die Waffentransporte für die islamistische Hamas-Bewegung im Gazastreifen geplant haben sollen.

In Bezug auf die seit Jahren andauernden Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas sagte Abul Gheit, Israel sei offensichtlich nicht daran gelegen, rasch zu einer Einigung zu gelangen. Israel fordert von der Hamas die Freilassung des Soldaten Gilad Shalit. Im Gegenzug sollen rund 1450 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. (APA)

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