Botschafter stellt Ziele der am 1. Jänner beginnenden spanischen EU-Ratspräsidentschaft vor
Wien - "Das wird eine der komplexesten und entscheidendsten
Präsidentschaften, die Spanien je inne gehabt hat." Mit diesen Worten
hat der spanische Botschafter Jose Maria Pons Irazazabal am Montag in
Wien die ambitionierten Pläne seines Landes für die
EU-Ratspräsidentschaft ab 1. Jänner vorgestellt. Priorität haben für
die Spanier im kommenden halben Jahr die wirtschaftliche Erholung,
die Stärkung der EU als globaler Akteur sowie die Umsetzung des
Lissabon-Vertrages.
Spanien übernimmt den EU-Vorsitz in zwei Wochen von Schweden in
einer "entscheidenden Umbruchphase nicht nur für Spanien und die EU
sondern für die ganze Welt", wie es Irazazabal ausdrückte. Größte
Herausforderungen für die Spanier sind in den kommenden sechs Monaten
die Implementierung des Lissabon-Vertrages und der Antritt einer
neuen EU-Kommission. Hinzu kommen die globale Wirtschafts- und
Finanzkrise, die Umsetzung der Ergebnisse des UN-Klimagipfel in
Kopenhagen und eine angestrebte bessere Zusammenarbeit mit den USA.
Die Prioritäten Spaniens seien daher der Kampf gegen die
Wirtschaftskrise sowie Maßnahmen für eine neue Finanzordnung, eine
Stärkung der europäischen Bürgerschaft unter Berücksichtigung der
Gleichstellung der Geschlechter, die Entwicklung der EU zu einem
globalen Akteur, sowie die Umsetzung des EU-Reformvertrages, der mit
1. Dezember in Kraft getreten ist, so Irazazabal. Dies bedeutet auch
den Aufbau eines diplomatischen Dienstes der EU. Europa müsse mit
einer Stimme sprechen, forderte der spanische Diplomat. Sein Land
strebe während seines Vorsitzes eine engere Zusammenarbeit mit den
USA, Zentral- und Lateinamerika, Russland sowie mit den
Nachbarländern des Mittelmeerraumes an. Vorantreiben möchte Spanien
laut Irazazabal außerdem die EU-Erweiterung am Balkan und trete für
Verhandlungen mit der Türkei ein.
Nicht erwähnt blieben in der Rede des Botschafters die spanischen
Bemühungen um ein besseres Verhältnis der EU zu Kuba, das innerhalb
der EU aber auch in Spanien selbst für Kritik sorgt: "Ich habe Kuba
nicht erwähnt, weil es nicht eine der Prioritäten unseres Vorsitzes
bildet", erklärte Irazazabal anschließend. Die EU könne die
veränderte Situation durch die neue US-Regierung für eine bessere
Zukunft der Karibikinsel nutzen, erklärte er. Die sozialistische
Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero will
erreichen, dass die EU ihre Beziehungen zum Castro-Regime in Havanna
normalisiert.
Die kommenden entscheidende Herausforderung könne man nur
gemeinsam angehen, erklärte der spanische Botschafter in Österreich,
weshalb er das Programm des spanischen EU-Vorsitzes auch gleich
gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Belgien und Ungarn, Claude
Rijmenans und Istvan Horvath, präsentierte, die nach Spanien die
EU-Ratspräsidentschaft übernehmen werden. Erstmals hat das "EU-Trio"
der kommenden 18 Monate ihr Programm gemeinsam ausgearbeitet und
beschlossen. Die institutionelle Erneuerung der EU wird auch für die
darauffolgenden Vorsitz-Länder eine bedeutende Rolle spielen. (APA)