Danke, Jörg!

14. Dezember 2009, 18:52
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Ein abschließendes Urteil zur Bereinigung der Affäre Hypo Alpe Adria steht noch aus, aber an die kühle Sachlichkeit, mit der "Heute" die Situation zusammenfasste, kam kein anderes Medium heran

Ein abschließendes Urteil zur Bereinigung der Affäre Hypo Alpe Adria steht noch aus, aber an die kühle Sachlichkeit, mit der das Gratisblatt "Heute" Montag die Situation zusammenfasste, kam kein anderes Medium heran: Haiders Bank-Deppen kosten uns Milliarden. Was daran allenfalls zu kritisieren wäre, ist die Beiläufigkeit, mit der den Bank-Deppen eine Alleinschuld an dem Finanzdesaster beigemessen wird, während Haider allenfalls eine bescheidene Verantwortung für die Auswahl seiner Deppen zugeteilt wird - eine culpa in eligendo, der er sich auch noch auf wenig elegante Weise entzogen hat. Diese Betrachtung vernachlässigt, dass wir nun nicht wegen karinthischer Dummheit in vielen Einzelfällen, sondern für das System Haider zur Kasse gebeten werden, dessen populistisches Konzept ohne die lokalen Deppen, aber auch ohne die Deppen in den Medien, die ihren Jörg lange als politisches Genie gepriesen haben, niemals solch katastrophale Formen hätte annehmen können.

Vor allem der "Kronen Zeitung" galt Haider als Repräsentant einer neuen Politikergeneration, wie es dem politischen Verständnis des Herausgebers entsprach. Und dann auch noch dessen Ziehsohn Karl-Heinz Grasser, was dem politischen Durchblick Hans Dichands ein treffliches Zeugnis ausstellt und bis heute rechtfertigt, dass sich Politiker seinem Urteil freudig und finanziell ersprießlich beugen.

Über diese einstige Affenliebe zum Jörg bemühte sich Dichands innenpolitischer Handlanger am Wochenende der Entscheidung möglichst schamhaft hinwegzuschreiben. Landeshauptmann Dörfler setzt sich einfach ins Hotel Sacher und verspricht dort jedem Jugendlichen daheim 1000 Euro für den Führerschein oder die erste Wohnung. Geld herschenken, das man nicht hat, ist dort offenbar zum System geworden. So Claus Pándi am Samstag. Als Jörg Haider dieses System seinerzeit eingeführt hat, galt sein Erfinder noch als Wegbereiter einer neuen Politik. Am Sonntag wurde es noch nebuloser. Von Schwindelschwaden, die seit Tagen durch die Grauzone zwischen Politik und Wirtschaft im Fall der HypoBank wabern, war da in schöner Allgemeinheit die Rede. Mittlerweile weiß keiner mehr, wo die Wahrheit aufhört und die Täuschung beginnt. Wo die Täuschung begann und die Wahrheit aufhörte, nämlich unter Haider, blieb unberücksichtigt, denn beschädigt bleibt nicht nur eine Bank zurück, sondern einmal mehr Ansehen und Glaubwürdigkeit der politischen Klasse. Alle - nur er nicht!

Dann, für das Montag-Blatt, muss aber doch aufgefallen sein, wie unglaubwürdig das wirkt. Was können die Kärntner eigentlich dafür, wie die Landesregierung ihre schöne Heimat rasant in Abgrund und Pleite führt? Sie haben sie gewählt, könnte man darauf erwidern. Aber die fatale Fehleinschätzung ist im Trauertaumel nach dem Ableben von Jörg Haider vielleicht einfach nur passiert. Die fatale Fehleinschätzung ist da nicht zum ersten Mal passiert, vor dem Ableben von Jörg Haider allerdings einfach nur im deutschnationalen Freudentaumel. Und es war auch der liebe Verstorbene, der den Grundstein für das Desaster gelegt hat. Aber jetzt ist alles anders. Der Strahlemann ist weg, zurückgeblieben sind ein paar heillos überforderte Leute. Eben die vom lieben Verstorbenen ausgesuchten Bank-Deppen, und die verteilen grinsend weiter Geld, das im sogenannten Zukunftsfonds der Hypo-Bank liegt. Als der liebe Verstorbene mit der Geld- und Handschlagverteilung begann, hat man sich an seinem Grinsen nicht gestoßen. Schade, denn die Anregung der "Krone" ist konstruktiv, kommt nur leider um Jahre zu spät: Das bedenkend, muss die Frage erlaubt sein, ob nicht auch eine Landesregierung unter Kuratel gestellt werden kann? Zum Schutz der Sparer und Bürger. Oder ein Zeitungsherausgeber, zum Schutz der Bürger und Leser.

Doch der ist schon wieder mit Höherem befasst. Herr Dichand, auf Ihrem Schreibtisch liegt ein Ausdruck des Staatsgrundgesetzes von 1867. Warum studieren Sie es? ließ er sich im bunten Ableger "Live" fragen. Das tut er, um sich zu überzeugen, dass in Österreich Religionsfreiheit herrscht. Aber andererseits war gerade die Schweiz immer ein großes Vorbild, was die Demokratie betrifft, ich denke da nur an die kritische Einstellung zur EU. Nun muss sie auch den Wunsch des Großteils der Bevölkerung respektieren. Und auch wenn es gar nicht der Großteil der Bevölkerung war, kennt ein Dichand keinen Pardon. Die größte Tageszeitung Österreichs fühlt sich genau so ihren Lesern verbunden. Ganz wie einst Jörg Haider. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 15.12.2009)

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