Ein Vermesser der Welt wird Rektoren-Chef

14. Dezember 2009, 18:41
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Hans Sünkel (61) ist neuer Vorsitzender der Uni-Konferenz

Eine Universität steht ja nicht in der Gesellschaft wie eine Kampftruppe im Feindesland oder, wenn Sie so wollen, wie ein Minarett im Vatikan" , erklärt der frisch gewählte Vorsitzende der Universitätenkonferenz (Uniko), Hans Sünkel. Der Experte für die Vermessung der Erdoberfläche mittels Satelliten (Satellitengeodäsie) und seit 2003 Rektor der Technischen Universität Graz argumentiert auf diese Weise dafür, sich als Universität auch in Richtung Wirtschaft "abzustimmen und zu kooperieren" .

Sünkel hat an seiner Uni die Drittmittelleistung zwischen 2004 und 2008 auf 47 Millionen Euro verdoppelt. Trotzdem hält er fest, dass "die Universitäten nicht der verlängerte Arm der Wirtschaft werden dürfen" .

Und der Staat solle sich nicht aus der Verantwortung stehlen: "Man darf nicht alles über Drittmittel definieren, insbesondere nicht bei jenen unserer 21 Unis, die gar nicht die Möglichkeit haben, zusätzlich solche Mittel zu beschaffen" . Studiengebühren befürwortet Sünkel prinzipiell, aber "wenn ich das Wort überhaupt in den Mund nehme, dann immer nur in Verbindung mit einem Ausbau der Stipendien, durchaus im Sinne einer gerechten Umverteilung" .

Nicht nur in Sachen Studiengebühren trifft sich der neue Rektoren-Chef, der 1948 im obersteirischen Rottenmann geboren wurde und selbst in Graz und an der Ohio State University studierte und forschte, keinesfalls mit jenen Studierenden, die derzeit in Österreich Hörsäle besetzen. Dennoch gilt er bei diesen nicht als Hardliner, sondern als ein Mann, mit dem man reden kann. Über die Besetzer im eigenen Haus, der TU Graz, denen er quasi den Schlüssel zum Hörsaal aushändigte, schlägt er fast väterliche Töne an, wenn er sie als "strukturiert, absolut friedlich und konstruktiv" lobt und stolz hinzufügt, "dass es letzte Woche sogar ein Gespräch mit dem Bundespräsidenten bei uns im Hörsaal gab" .

Bei seinem Rektorenjob muss er nun wohl vieles neu strukturieren. Denn schon jetzt beginnt der Tag des Hans Sünkel meist um vier Uhr morgens - "manchmal sogar etwas früher. Da muss ich jetzt wahrscheinlich in mich gehen und mehrere Aktivitäten reduzieren." Sein Privatleben "spielt sich bereits in sehr engen Grenzen ab" , da könne man kaum noch mehr reduzieren. "Mein Hobby ist meine Familie, das trifft sich bei mir gut" , sagt der Vater zweier Kinder im Alter von 37 und 34 und Großvater zweier Enkelkinder, die mit 17 und 10 gerade vor ersten großen Entscheidungen auf dem eigenen Bildungsweg stehen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 15.12.2009)

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