Es donnert so lange, bis es blitzt

14. Dezember 2009, 18:31
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Bruscon, der Staatsschauspieler, ist mit seiner Familie als Wandertruppe unterwegs, um in den Tanzsälen der Gasthäuser sein "Rad der Geschichte" aufzuführen

Linz - Mitten im Innviertel ließ Thomas Bernhard mit seinem Theatermacher das vermeintlich große Welttheater auf die Einfalt prallen. Bruscon, der Staatsschauspieler, ist mit seiner Familie als Wandertruppe unterwegs, um in den Tanzsälen der Gasthäuser sein "Rad der Geschichte" aufzuführen. Im fiktiven Utzbach Station machend, probiert Bruscon mit seinen untalentierten Kindern, während der Mief der Schweine im Saal liegt. Die Bruchlinien verlaufen hier aber nicht zuvorderst zwischen Bernhard'schen Geistes- und Provinzmenschen, sondern fragmentieren vor allem den Hauptdarsteller: Er zerfällt in Selbstüberschätzung und Verzweiflung. Wolfgang Hübsch gab (in Reichenau und am Wiener Volkstheater) einen Bruscon, dem sein Lebenstheater zur Schmiere gerinnt. Nun hat der Kammerschauspieler die Komödie zu einem Solostück verdichtet, in dem es ordentlich donnert - bis der Blitz einschlägt. (wo, DER STANDARD/Printausgabe 15.12.2009)

Info
Linz, Theater Phönix, 0732 / 66 65 00, 19.30

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