Der Kokosnuss-Fan unter den Oktopussen

14. Dezember 2009, 18:39
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Amphioctopus marginatus sammelt Schalen für den späteren Gebrauch - Forscher schließen auf beachtliche Intelligenzleistung

Cambridge - Was Taucher schon längst kennen und auch mehrfach gefilmt haben, haben nun auch Wissenschafter näher analysiert: Nämlich die pfiffigen Recycling-Ideen der Oktopus-Spezies Amphioctopus marginatus, die auch unter dem Namen "Coconut Octopus" bekannt ist. Die im Meer vor Indonesien lebenden Tiere sammeln weggeworfene Kokosnussschalen (oder auch ausreichend große Muschelschalen oder Abfälle mit passender Form), um sich daraus eine Schutzhütte zu bauen. Die Weichtiere stapeln ihre Funde auf dem Meeresboden und tragen sie bei Ortswechseln mit sich herum, berichten australische Biologen im Fachjournal Current Biology (Bd. 19, R1069). 

Video: Ein "Kokosnuss-Oktopus" stelzt mühsam von dannen (Quelle: YouTube)

Die gesammelten Schalen sind zunächst nicht nur nutzlos, sondern eine echte Last für den Oktopus, berichten Julian Finn vom Museum von Victoria in Melbourne und seine Kollegen. Um sie von der Stelle zu bekommen, setzt sich das Tier in die oberste Schale, lässt seine acht Arme seitlich herunter, versteift sie und geht schließlich unbeholfen wie auf Stelzen. Dabei ist er nicht nur langsamer als gewöhnlich, sondern auch schutzlos und offen sichtbar. Bei Gefahr kann das Tier die Schalen schnell zusammensetzen und sich in der hohlen Kugel verstecken.

Video: Wohnungsbezug mit Musikbegleitung (Quelle: YouTube)

"Ich hätte nie erwartet, dass ein Oktopus Kokosnussschalen sammeln, stapeln und dann damit davonlaufen würde", kommentierte Finn. "Als ich es das erste Mal sah wusste ich, dass das Tier etwas im Schilde führte ­ aber nicht, dass er dann damit weglaufen würde. Es war ein extrem komischer Anblick. Ich habe unter Wasser noch nie so lachen müssen."

Beachtliche Leistung

Wichtiger als die komischen Aspekte sind aber die Folgerungen für die Intelligenz der Tiere, die die Forscher aus dem beobachteten Verhalten ziehen. Damit zeige der Oktopus nämlich eine Leistung, die lange als Primaten und besonders intelligenten Vögeln vorbehalten galt: Das Sammeln eines Werkzeugs, das nicht in der aktuellen Situation, sondern vielleicht in der Zukunft von Nutzen sein könnte. Die Oktopusse wären damit die ersten Weichtiere, bei denen eine derart beachtliches Antizipationsvermögen festgesteltl wird. (APA/red)

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