Von der Kunst, den Weg zurück zu finden

14. Dezember 2009, 18:25
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Kreativität ist der Schlüssel zum Erfolg im Caritas-Wohnprojekt "Hartlauerhof"

Linz - "Herr Ulrich, des Essen is' fertig" - der Duft des eben von Kurt im Gemeinschaftsraum servierten Brathenderls dringt verführerisch in das Büro von Ulrich Volmer. Mit einem freundlichen Lächeln weist der Leiter der Caritas-Einrichtung "Hartlauerhof" für ehemals Obdachlose darauf hin, dass er "ein wenig später" zu Tisch komme. Kurt, dessen Gesicht von den Jahren auf der Straße deutliche Spuren trägt, beruhigt: "Herr Ulrich, der Vogel fliegt eh nimma weg."

Der 45-Jährige ist nicht zum ersten Mal Teil der 14-köpfigen Männer-WG im Gewerbeviertel der kleinen Gemeinde Asten. Ein Versuch, nach zwei Jahren im "Hartlauerhof" wieder im Leben mit eigener Wohnung Fuß zu fassen, scheiterte nach einer erneuten Arbeitslosigkeit. "Draußen ist es halt mitunter schwer. In unserer Einrichtung finden ehemals Wohnungslose ein auf sie maßgeschneidertes Konzept vor. Dieses Sicherheitsnetz fällt trotz weiterer Betreuung durch unsere Sozialarbeiter dann weitgehend weg" , schildert Heimleiter Volmer im STANDARD-Gespräch.

In der Wohngemeinschaft gibt es klare Regeln. "Alkohol ist natürlich bei uns streng verboten" , so Volmer. Für einen reibungslosen WG-Alltag sind die Bewohner selbst verantwortlich. Darunter fällt auch das gemeinsame Kochen. Jede Woche ist im Obdachlosen-Heim jemand anderer Chef de Cuisine. Diese Woche schwingt Heinz den Kochlöffel: "Net meine Lieblingsbeschäftigung, aber ich hol mir immer Rezepte von meiner Mutter - des schmeckt allen." Heinz ist gelernter Tischler und trockener Alkoholiker: "33 Bier pro Tag, und dann hab ich mir noch a Schizophrenie aufzwickt."

Produktepalette

Doch nicht nur mit Kochkünsten scheint die Männer-Partie zu überzeugen. Unter fachkundiger Anleitung eines Künstlers wird in der hauseigenen Werkstatt eine kreative Produktepalette - bevorzugt wird altes Material wie Eisenschrott oder Schwemmholz - gefertigt. Vielbeachtetes zweites Standbein sind Kunstprojekte im öffentlichen Raum. "Zu sehen, dass jemand ihr Werk bewundert und sogar dafür zahlt, ist Balsam für den geschundenen Selbstwert unserer Bewohner" , weiß Volmer.

Ein Teller bleibt übrigens an diesem Vormittag unberührt. Kurt ist nämlich Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, und just vor dem Essen meldet sich der Piepser am Gürtel. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 15.12.2009)

  • In der hauseigenen Werkstatt des "Hartlauerhofs" wird Kunst gefertigt.
    foto: caritas oö

    In der hauseigenen Werkstatt des "Hartlauerhofs" wird Kunst gefertigt.

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