Halleiner Frauenhaus soll "Wohnheim" werden

14. Dezember 2009, 18:02
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Burgstaller bekräftigt de facto Schließungspläne – Tausende Protestunterschriften

Hallein - In der Auseinandersetzung um die Zukunft des Halleiner Frauenhauses bleiben die Fronten verhärtet. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) warb am Montag - wohl auch unter dem Eindruck einer massiven Protestwelle gegen die Schließungspläne - in einer Pressekonferenz für ihren Standpunkt. Das Land könne das vom Kolpingwerk geführte Haus zwar nicht schließen, aber 2010 werde es das letzte Mal die Landesförderung von rund 300.000 Euro für die stationäre Betreuung von Gewaltopfern im "Haus Mirjam" geben.

Danach wolle man "Betreuung, Beratung und Versorgung im Tennengau" auf neue Beine stellen. Burgstaller begründet den unpopulären Schritt mit zu hohen Kosten und sinkenden Auslastungszahlen in den Frauenhäusern der Landeshauptstadt und Halleins. Nach ihrer Vorstellung soll die stationäre Aufnahme von hilfesuchenden Frauen allein in der Stadt Salzburg erfolgen. Damit würde erstmals in der dreißigjährigen Geschichte der österreichischen Frauenhäuser eine Einrichtung geschlossen.

"Kombinationsmodell"

Für das Halleiner Frauenhaus kann sich die Landeshauptfrau nur mehr ein "Kombinationsmodell" aus ambulanten Hilfsdiensten und stationärem Angebot etwa als "Übergangswohnheim für in Not geratene Frauen" vorstellen. Es sei nicht "naturgegeben" , dass das "Haus Mirjam" ein Frauenhaus bleiben müsse. Die Betreiber seien aber eingeladen, sich an der Entwicklung neuer Konzepte zu beteiligen, dann könne "Mirjam" Teil der Lösung sein. "Sonst wird es andere Lösungen geben" , stellt Burgstaller unmissverständlich klar.

Burgstaller sieht sich freilich mit ungewohnt heftigen Protesten konfrontiert. Eine überparteiliche Initiative, in der auch SPÖ-Funktionäre aktiv sind, hat bereits mehrere tausend Unterschriften für den Erhalt des Frauenhauses gesammelt. Und Halleins Bürgermeister Christian Stöckl (ÖVP) wiederum will sich mit Burgstallers "Optimierung" des Hilfsangebotes erst beschäftigen, wenn es für das "Haus Mirjam" längerfristige, schriftliche Verträge gebe.

Die Leiterin des Halleiner Frauenhauses Doris Weißenberger verweist im Standard-Gespräch auf die regionale Akzeptanz und eine Auslastungsquote von 80 Prozent. Von der Idee eines Übergangswohnheimes hält sie nichts. Man könne nicht einfach alle Frauen "in einem Auffanglager zusammenschmeißen". (Thomas Neuhold/
DER STANDARD-Printausgabe, 15.12.2009)

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