"Erfolgreicher Abwehrkampf" gegen Wien

14. Dezember 2009, 18:00
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Das Land Kärnten sieht keine Mitverantwortung an der notverstaatlichten Hypo Alpe Adria Bank. Man habe für Kärnten gut verhandelt

Das Land Kärnten sieht keine Mitverantwortung an der notverstaatlichten Hypo Alpe Adria Bank. Man habe für Kärnten gut verhandelt. Hypo-Kunden zeigen sich zwiespältig über die Verursacher des Hypo-Debakels. 

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Ein kräftiges Adriatief peitscht die Schneeflocken an die breite Glastür der Hypo-Alpe- Adria-Filiale in der Klagenfurter Domgasse Nummer 5. Viele Jahre lang, bevor der renommierte Architekt Thom Mayne das neue Hypo-Headquarter mit der exzentrischen Schieflage am Stadtrand Klagenfurts errichtete, pulsierte hier das Kommandoherz der ehemaligen Kärntner Landesbank.

Am Morgen dieses 14. Dezember sieht eigentlich alles aus wie immer. Keine Warteschlangen, die auf eine Auffälligkeit hinweisen könnten. Dennoch ist dieser Tag keiner wie jeder andere. Seit acht Uhr morgens ist die Hypo Alpe Adria Group de facto eine österreichische Staatsbank. Vor der drohenden Pleite gerettet und zu 100 Prozent aufgefangen von der Republik.

Anlass für Panik gibt es für die Hypo-Kunden kaum.Man hat ja schon in den ORF-Nachrichten gehört, dass die Bank nicht zusammenbrechen wird. Nur vereinzelt werden noch Sparguthaben abgezogen, wie etwa von einer Frau, die 70.000 Euro abhebt. "Man weiß ja nicht" , meint sie. Es ist aber eher die Enttäuschung darüber, was Bankmanager und Politiker mit der Hypo aufgeführt haben, die sie dazu antreibt, sich von ihrer langjährigen Hausbank zu verabschieden. Andere wiederum lassen ihrer Wut freien Lauf: "Das ist doch eine Frechheit, dass eine Lösung so lange hinausgezögert wurde. Wien hat Kärnten nie gemocht. Man hat immer nur auf die Hypo geschimpft, die anderen Banken haben auch Probleme, da schreibt aber keiner darüber" , meint eine resolute ehemalige Bankangestellte. Jetzt werde die Hypo wohl bald von Raiffeisen "aufgeschnupft" werden, meint sie.

Was ist mit der Verantwortung des verstorbenen Landeshauptmannes Jörg Haider, der die Bank jahrelang für seine Prestigeprojekte missbraucht und damit in ein nicht verkraftbares exzessives Wachstum in Südosteuropa getrieben hat? "Nein, nein der Haider ist nicht schuld" , echauffiert sich eine platinblonde Dame. Es sei ja alles gut gegangen bis die Finanzkrise kam. "Sie vergessen das völlig verschuldete Schlosshotel Velden, die 400 verschwundenen Schiffe, Grundstücksspekulationen in Istrien, leere Tourismusburgen" wirft ein Mann ein, der sich zu einem Grüppchen Diskutierender gesellt hat: "Alles Gauner da unten am Balkan" , erhält er zur Antwort.

Dennoch, auch Kärntens Politiker bleiben in den Augen der Hypo-Kunden nicht ungeschoren: "Ich hab dem Landeshauptmann Dörfler gesagt, es ist ein Witz, was er da mit dem Teurungsausgleich aufgeführt hat. Man kann doch nicht in seiner solchen Krisensituation noch immer frisch fröhlich Geld verteilen" , schimpft eine weitere Kundin: "Und dem Steuerberater Birnbacher schmeißen die Politiker auch noch sechs Millionen Euro hin. Die sind doch alle völlig unglaubwürdig" , wird die Dame immer lauter. Der Hypo-Filialleiter gesellt sich dazu: Nein, er möchte nichts sagen. Nur so viel: Die Kunden in seiner Filiale in der Domgasse 5 hätten der Hypo weitgehend die Treue gehalten. Der Imageverlust der Bank sei freilich katastrophal.

Unterdessen bemühen sich Landeshauptmann Gerhard Dörfler, Finanzferent Harald Dobernig und Landeshoding-Chef Josef Martinz, im Spiegelsaal der Landesregierung ihren Verhandlungserfolg ins rechte Licht zu rücken. 200 Mio. Euro muss Kärnten in die Hypo einschießen und dafür sämtliche verbliebenen Anteile von 12,4 Prozent an die Republik abtreten. Man habe einen erfolgreichen "Abwehrkampf gegen Wien" geführt und die Kärntner Kelag-Anteile an der Austrian Hydro Power und den Zukunftsfonds vor dem Bundes-Zugriff retten können. Auch die maroden Tourismusbeteiligungen der Hypo werden nicht den Kärntnern umgehängt. "Scheiß-Hypo, alles Verbrecher" , ballt ein junger Mann vor der Hypo-Filiale in der Domgasse 5 die Fäuste. Im Spiegelsaal dagegen fällt kein böses Wort über die Verursacher des Hypo-Debakels und schon gar keines über den verstorbenen Jörg Haider. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2009)

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    Die Hypo Alpe Adria als Spiegelbild der Kärntner Politik:Landeshauptmann Dörfler, Finanzlandesrat Dobernig und Landesholding-Chef Martinz sehen sich als erfolgreiche Verhandler im beinharten Ringen um die Rettung der Kärntner Bank.

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