Trotz Klima-Schelte punktet ÖVP

14. Dezember 2009, 18:25
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Bei den Österreichern wachsen Zweifel daran, dass unser Land ein Umweltmusterland sei - Die ÖVP, die den Umweltminister stellt, machen sie verantwortlich

Wien - Wer am Klimawandel schuld ist, steht für mehr als drei Viertel der Österreicher fest: Es ist der Mensch. Und wer schuld ist, wenn Österreich zu wenig gegen den Klimawandel tut, gilt ebenfalls als ausgemacht: Da ist in den Augen der Österreicher am ehesten die Volkspartei verantwortlich.

Das geht aus einer Umfrage des Linzer Market-Instituts für den Standard hervor. Market fragte: "In diesen Tagen findet die Klimakonferenz in Kopenhagen statt. Da sind auch wieder Argumente aufgekommen, dass der Klimawandel gar nicht vom Menschen verursacht ist und von ihm daher nicht beeinflusst werden kann. Was meinen Sie persönlich: Ist der Klimawandel vom Menschen verursacht und kann daher durch Maßnahmen beeinflusst werden, oder passiert der Klimawandel unabhängig von dem, was die Menschen dafür bzw. dagegen tun?"

Darauf sagten 77 Prozent (und zwar weitgehend unabhängig von Alter, Bildung und Parteipräferenz), dass der Klimawandel vom Menschen verursacht wäre - nur elf Prozent sind ausdrücklich der gegenteiligen Meinung.

51Prozent schließen sich in dieser Umfrage der Meinung an, dass Österreich zu wenig für den Klimaschutz tue und dafür in Kopenhagen berechtigte Kritik einstecken musste. Besonders ausgeprägt ist diese Meinung in der höchsten Bildungsschicht, bei jüngeren und politisch eher links orientierten Befragten.

Schwarzer Peter für Schwarze

Market fragte jene, die zu wenig Klimaschutz in Österreich wahrnehmen (257 der insgesamt 501 Befragten): "Welche Partei ist am ehesten dafür verantwortlich, dass Österreich zu wenig für den Klimaschutz tut?" Hier wird der schwarze Peter von 45 Prozent der ÖVP zugewiesen, von zwölf Prozent der SPÖ und zu acht Prozent der FPÖ. Besonders die Wähler von SPÖ und Grünen kritisieren die ÖVP.

Überhaupt sind in den vergangenen Monaten die Zweifel gewachsen, dass Österreich seiner selbst proklamierten Rolle als Umweltmusterland gerecht werden kann. Noch im Mai 2009 meinten 39 Prozent der Österreicher, dass die Umweltpolitik Österreichs mehr Erfolg habe als jene anderer EU-Länder - inzwischen ist dieser Wert auf 27 Prozent gesunken. 17 Prozent meinen, dass Österreichs Umweltpolitik hinter der anderer EU-Länder nachhinkt; im Mai dachten das erst elf Prozent.

Wie die Grafiken zeigen, hat die ÖVP-Verantwortung für die wenig attraktive umweltpolitische Bilanz kaum Einfluss auf die Wählerpräferenzen. Die in der Vorwoche durchgeführte Umfrage ergibt 32 Prozent für die ÖVP und nur 27 Prozent für die Kanzlerpartei SPÖ. Die Freiheitlichen folgen mit nur drei Prozentpunkten Abstand. Das bedeutet allerdings bereits eine Entzerrung der Situation von Anfang Oktober: Damals hatte die SPÖ nur 24 Prozent erreicht und lag damit fast gleichauf mit der FPÖ (23 Prozent).

Die Grünen schwanken schon seit einem Jahr innerhalb einer engen Bandbreite von neun bis elf Prozent. Das BZÖ ist mit vier Prozent beinahe zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft.

Faymann strahlt nicht mehr

Auch in der Kanzlerfrage wird das BZÖ mit seinem Chef Josef Bucher kaum wahrgenommen. Auf ihn entfällt nur ein Prozent. Eva Glawischnig kann mit sechs Prozent nicht an die mehr als dreimal so hohen Werte ihres Vorgängers Alexander van der Bellen anschließen. Josef Pröll hat seit einem Jahr gleichbleibend hohe Werte - ihn würden derzeit 27 Prozent direkt zum Kanzler machen.

Werner Faymann dagegen stürzte von 38 Prozent zu Jahresbeginn auf 22 Prozent ab. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 15.12.2009)

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