Klimagipfel

Staaten streiten um Kioto-Neuauflage

Julia Raabe, Johanna Ruzicka, 14. Dezember 2009, 17:49
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    foto: apa/greenpeace/kurt prinz

    Das EU-Klimaziel mit minus 20 Prozent CO²-Emissionen ist Umweltschützern zu wenig. Worauf einige auf Bundeskanzleramt kletterten und ein Transparent entrollten.

Im Ringen um ein neues Klimaabkommen verschärft sich der Streit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Am Montag blockierten die afrikanischen Staaten zeitweise die Gespräche. Auch die EU ist in der Kritik.

***

Tag Eins der Entscheidungswoche beginnt für viele Aktivisten, Experten und Journalisten mit einer Geduldsprobe. Um neun Uhr morgens hat sich vor dem Bella Center in Kopenhagen schon eine lange Schlange gebildet. Entlang den Bahngleisen der Metro warten am Montag Hunderte darauf, ins Konferenzgebäude gelassen zu werden.Weil die Verhandlungen um das neue Klimaabkommen nun in die heiße Phase eintreten, sind viele erst jetzt angereist und müssen sich noch registrieren lassen.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und zeitweisem Schneefall bewegt sich die Schlange alle zehn Minuten einige Zentimeter nach vorne. "Heute hätte ich nichts gegen ein bisschen Erderwärmung" , sagt ein Vertreter einer dänischen NGO. Nach sechs Stunden Warten gibt er auf. Einige harren nur deshalb aus, weil eine Gruppe von Veganern, die den Klimawandel durch rein pflanzliche Ernährung abwenden will, Sandwiches verteilen und Plastikbeutel mit Büchern, die keiner beachtet, auf die man sich aber stellt, wenn die Füße zu kalt werden.

Ärger der Entwicklungsländer

Doch nicht nur draußen vor den Toren wächst der Unmut. Auch in den Hallen des Centers, wo Dutzende Arbeitsgruppen weiter um die Eckpunkte eines Klimaabkommens ringen, macht sich schlechte Stimmung breit. Ungenügend seien bisher die vorgeschlagenen Emissionsziele der Industriestaaten, beklagen die Entwicklungsländer. Ihr Ärger ist so groß, dass die afrikanischenStaaten über Stunden die Verhandlungen blockieren. Eine Maßnahme, die in den Verhandlungen mehr Druck machen soll. Sie zeigt, wie angespannt die Stimmung ist. "Die Kluft ist sehr groß" , bestätigt auch ein in die Gespräche involvierter Diplomat.

Doch im Kern geht es nicht nur um die Zahlen, sondern um die Verbindlichkeit eines neuen Abkommen. "Kioto - ja" , prangt auf dem Anstecker eines afrikanischen Delegierten. Die Entwicklungsländer streben ein Kioto II an, eine Weiterführung des Abkommens, mit ehrgeizigen Emissionszielen (zwischen minus 30 bis 45 Prozent bis 2020, bezogen auf 1990) und genauso rechtlich verbindlich wie das bestehende Protokoll. Bevor die Industriestaaten nicht darüber diskutierten, würden sie sich nicht weiter bewegen, hieß es aus Delegationskreisen. Die Industriestaaten dagegen sind für ein komplett neues Abkommen, das alle Länder einbezieht. "Es geht in Richtung zweier getrennter Abkommen" , schätzt ein Diplomat.

Kompromissversuche

Begünstigt wird der Konflikt durch den Umstand, dass die Verhandlungen auf zwei Schienen geführt werden: ein Strang sind nur die Kioto-Staaten, der zweite umfasst auch die Nicht-Kioto-Mitglieder, darunter die USA. Deshalb gibt es auch zwei Entwürfe für ein Abschlussabkommen, einen für jede Gruppe. Die Industriestaaten haben es bisher abgelehnt, sich auf eine Verlängerung Kiotos einzulassen, ohne Engagement der Entwicklungs- und Schwellenländer - und ohne gleichwertige Einbindung der USA.

Die dänische Konferenzvorsitzende Connie Hedegaard hat deshalb vorgeschlagen, die strittigsten Fragen an die Minister weiterzureichen. Eine Entscheidung stand bis Montagabend noch aus. "Solange das nicht entschieden ist, sitzen wir hier und warten" , sagte ein Delegierter.

Mehr und mehr zerpflückt wird auch der EU-Vorschlag, der bis 2020 für alle Mitglieder 20 Prozent weniger Kohlendioxid vorsieht. Erwin Mayer von der Umweltberatung Denkstatt: "Es ist eminent wichtig, dass die EU auf minus 30 oder gar auf minus 40 Prozent erhöht. Denn die Klimaschutzziele der EU sind gar nicht so ambitioniert wie immer hingestellt."

Auch die Umweltorganisation Greenpeace plädiert für ein höheres Einsparziel der EU. Nachdem ein Ranking der deutschen Organisation Germanwatch Österreichs lasche Haltung zum Klimaschutz wieder unterstrich, kletterten Aktivisten auf einen Vorbau des Bundeskanzleramts und entrollten ein Transparent mit der Forderung, 40 Prozent CO² bis zum Jahr 2020 einzusparen. In dem Ranking steht Österreich in Klimaschutzfragen heuer an 42. Stelle, hinter dem Iran und der Türkei. (Julia Raabe aus Kopenhagen, Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 15.12.2009)

Kommentar posten
22 Postings
NONE
00
15.12.2009, 16:08

Ich bin prinzipiell für Umweltschutz. Zugleich wird diese Klimadiskussion extrem emotional aufgeladen (von allen Seiten)

Wo bei mir aber der Faden geplatzt ist ist der Zertifikathandel. Es geht hier nicht ums Klima, es geht hier um Geld. Überall wo viel Geld fliesst gibt es viel Korruption. Dann gibt es bedeutungslose und gewichtige Worte die diese Korruption verschleiern sollen (siehe auch "economic meltdown" 2008 und die neuen Schulden die Bush jr. aufgenommen hatte und es den Banken reinschob)

Mostbluzer
21
15.12.2009, 11:45
generell positiv

ist der diskurs der dort gerade stattfindet. die armen länder müssen sich mal auf die beine stellen gegen die ausbeuter (wir alle!). aber dann richtig:

neues modell für industrien-agrarmarktförderungen
keine gelder durch uno u.a. institutionen schleusen
keine gelder durch die geldwaschmaschinen der öko-profiteure schieben (co2 börse ist privat!!)
unser beitrag (öst. gesamt!) für ein, zwei projekte
z.b. dammbauen in bangladesh wg monsun. dabei ist es unerheblich ob der wasserstand wirklich steigt (sehr zweifelhaft, siehe malediven da sinkt er seit jahren).
ökowahnsinn entlarven - güssing ist ein fake, die zahlen gefälscht (eisbären werden mehr, eisdicken wachsen am nord/südpol usw).

trotzdem umweltschutz und 3.welt hilfe (ohne diktatoren!

NONE
00
15.12.2009, 16:05

Eisbären werden mehr?

Woher haben sie diesen SCHWACHSINN?

greenling
00
15.12.2009, 17:04
er meint damit,

dass sich die bestände in den letzten jahrzehnten etwas erholt haben, nachdem man aber von früher keine genauen zahlen hat und auch nicht mal jetzt weiß, wieviele es noch genau gibt und die beobachteten gruppen alle rückläufig sind, ist die behauptung wirklich schwachsinnig.

greenling
01
15.12.2009, 12:01
ich nehme an, sie haben beweise für ihre behauptung unter "ökowahnsinn entlarven"

und bitte zu allen behauptungen!

Uniquin
 
00
16.12.2009, 20:42

Güssing ist ein Model für die Sandkiste OHNE Perspektive. Energiekonzerne haben Geld genug und investieren gerne in grüne Feigenblätter (Solarzellen an der Hausfasade zB), aber für eine Güssingkopie verbrennen nicht einmal die ihr Geld, obwohl sie genug dafür hätten.

Mostbluzer
31
15.12.2009, 11:34
irre diese klimapsychopathen, darum auch topberater

http://www.stern.de/wissen/na... 29262.html

Schellnhuber liebt es, Welt-Strategien zu entwerfen. Sein "Potsdamer Memorandum" sieht eine kontinentale Arbeitsteilung vor:Die gemäßigten Breiten produzieren Nahrung, die Subtropen Sonnenenergie, und die Tropen dienen der Erholung und der Erhaltung der Artenvielfalt. Der Vorwurf,er würde damit zum Totalitarismus aufrufen, entsetzt Schellnhuber: "Ich bin der Letzte, der den Leuten etwas vorschreiben will",sagt er.Er fahre schließlich BMW und halte "nichts vom erhobenen moralischen Zeigefinger".Er entwerfe lediglich Visionen.

Der Meeresspiegel drohe um "sieben Meter" anzusteigen:Die Aussage sei aus wissenschaftlicher Sicht natürlich spekulativ

AlternativMeinung
00
15.12.2009, 10:36
Ergebnis nicht befriedigend

Den Klimawandel kann man ja kaum abstreiten, aber die Sinnhaftigkeit dieser Klima-Konfrenz kann man sehr wohl in Frage stelen.
Was wird zum Schluss das Ergebnis sein? Die gleichen sinnlosen Versprechungen wie bei Kyoto?
Die Politiker werden sich sicherlich einigen. Man wird ein Dokument erstellen, dass eine große Reduzierung der CO2 Gase verspricht.
Sie werden sich die Hände schütteln, Sekt trinken und als "Retter der Welt" wieder in ihre Heimatländer zurückkehren.
Und passieren wird gar nichts! Wie damals bei Kyoto:
In 10 Jahren wird man wieder zusammenkommen und feststellen, dass der CO2-Ausstoß nicht reduziert wurde. Ganz im Gegenteil....wieder zugenommen.
Die Politiker von heute sind dann nicht mehr im Amt. Keine Konsequenzen!

HansPeter10
01
15.12.2009, 10:00
unverständlich

Beispiel Kenia. Erst holzt man die Wälder ab, dann kommt kein Wasser mehr, dann soll Europa die Aufforstung bezahlen.
Allein die Forderung ist eine Frechheit, denn wo sitzt der Verursacher?

Student der Magie
00
15.12.2009, 17:47
wenn es sich um ein afrikanisches Land handelt

oftmals in der Weltbank, die afrikanische Länder nötigen derlei oder auch andere Dinge zu tun, unter denen sie dann am Ende selbst wieder am meisten zu leiden haben. (zB kehrt nur 3% des afr. Goldes zurück)
Ein anderes Bsp dafür wäre der Zwang Baumwolle anzubauen, was die Böden ruiniert und die Nahversorgung zusammenbrechen lies und lässt, eines der Hauptursachen für die Hungersnöte dort.

Ist leider so;(

Manche Südamerikanischen Länder konnten sich nur aus der Schuldenfalle befreien (von Brasilien weiß ich das), weil sie sich NICHT mehr an die Vorgaben der Weltbank gehalten haben;)
Dort wachsen auch die Sozialprogramme für die armen Menschen;), in Afrika kann man sich das alles nicht leisten, weil man sich an die Vorgaben hält;(

F S 3
22
15.12.2009, 04:44
Europol - das europäische FBI - untersucht gerade einene weiteren Fall von organisiertem Betrug, der den STEUERZAHLER hw. so an die 5 MILLIARDEN EURO KOSTEN WIRD…



"Organized Crime in Charge of EU Carbon Trade, Europol Says"
http://www.youtube.com/watch?v=oL-e33oaI94

War on 'error Folge 0815: "Hide the Decline!"

Searles
 
10
15.12.2009, 13:58

Hallo F S 3, wie du unschwer erraten kannst, haette ich gern eine Antwort auf http://derstandard.at/plink/125... 6/15021337

Man bekommt ja fast den Eindruck, dass du auf diese Frage keine Antwort weisst.

Kottan's Erben
 
21
15.12.2009, 04:33
Und unser Friedensnobelpreisträger schweigt (noch).

Nicht nur einen gerechten Krieg, nein, den Endsieg will er. Und dafür dürfen dann auch Menschen sterben. Nicht im Dutzend, nein gleich zu zehn- oder gar hunderttausenden.
Und dem Kioto-Protokoll stimmt Mr. President auch nicht zu. Das durch sein Nein, das einem Veto gleicht, Millionen und mehr krepieren werden, juckt ihn nicht.
Schade, dass ich ihn an dieser Stelle nicht beschimpfen darf. Denn er hat ja so toll geredet und sich und den Krieg und Amerika rein- und weißgewaschen.
Und seinen Jüngern sei gesagt, dass er in seiner nächsten Bergpredigt beweisen wird, dass die US-Emmissionen einfach notwendig sind, denn die Immissionen werden auch die Taliban töten.
Und man wird ihm wieder Beifall klatschen.
(keine Ironie)

52
14.12.2009, 20:29

Ich bin dagegen, dass Europa anderen Ländern etwas zahlt.

phil rasta
00
15.12.2009, 16:46

ich bin dafür, dass europa anderen ländern etwas zahlt

europa hat als kolonialmacht begonnen andere länder auszubeuten und zu zerstören....und bis heute nicht damit aufgehört !!

_valina
20
15.12.2009, 07:45
....wie heißt der planet auf dem sie leben?

yomellamo
34
14.12.2009, 22:27

ich bin dagegen, dass ihnen irgendjemand etwas zahlt, gibt, sie etwas benutzen lässt.

Ich bin dafür, dass sie ohne rückvergütung ausgebeutet werden dürfen.

NONE
00
15.12.2009, 16:10

Moment - du behauptest das der ZERTIFIKATHANDEL etwas positives bringt.

Wieso sollte er?

Die Industrieländer können ja weitermachen und das Geld kann strategisch verwendet werden für z.Bsp Filialen.

11
15.12.2009, 08:30

Bravo, meine Rede! Denn wieso sollten wir freiwillig anderen Ländern etwas zahlen, geben, oder sie etwas benutzen lassen? Umgekehrt schenkt uns ja auch keiner was.

Acaloth
35
14.12.2009, 20:18

Einfache Lösung, auf unbestimmte Dauer die Entwicklungsgelder streichen....

_valina
01
15.12.2009, 07:47
die schnellste lösung :

die entwicklungsländer stoppen den rohstoffabbau!

...und schon morgen gibts dann keine gratishandys mehr und das elende jammern beginnt!

yomellamo
02
14.12.2009, 22:28

... wenn im selben zeitraum auch die Ausbeutung der Rohstoffe/Bevölkerung/... gestoppt wird, dann wär das sicher ein guter Tausch für jene Länder.

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