Studenten wollen Audimax freigeben

15. Dezember 2009, 16:11
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Besetzer stellen Bedingungen für Wiederaufnahme des Lehrbetriebs - Rektorat reagiert zurückhaltend

Wien - Die Besetzer des Audimax der Universität Wien haben am Montagabend beschlossen, dass in dem Hörsaal in Bälde "grundsätzlich wieder Lehrveranstaltungen stattfinden können sollen". Das berichtet die APA. Von einem Ende der Besetzung ist allerdings nicht die Rede, die Vorlesungen sollen vielmehr in deren Rahmen ermöglicht werden. Und auch das nur, wenn das Rektorat gewisse Bedingungen erfüllt, so ein Sprecher aus dem Audimax-Pressebüro.

Über das Angebot des Rektorats, den Besetzern im Falle einer Räumung des Audimax andere Uni-Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, sei nicht abgestimmt worden. Welche Voraussetzungen die Uni-Leitung erfüllen muss, damit der Lehrbetrieb wieder aufgenommen werden kann, soll bis Mittwoch erarbeitet werden, so der Sprecher. Dann soll im Plenum über diese alternative Form der Besetzung abgestimmt werden, diese könnte mit Beginn des neuen Jahres starten.

Aus dem Rektorat der Uni Wien heißt es gegenüber derStandard.at, man werte den Beschluss der Besetzer als "ersten halben Schritt in die richtige Richtung". Damit, so Pressesprecherin Cornelia Blum, sei es aber sicher nicht getan. Welche "Bedingungen" an das Rektorat gestellt werden, wisse man noch nicht, man werde zunächst das Gespräch mit der ÖH suchen und die weiteren Beschlüsse der BesetzerInnen abwarten.

Audimax als Zufluchtsort für Obdachlose

"Besetzung und Lehrveranstaltung sind kein Widerspruch. Wir wollen auch Uni", so eine der BesetzerInnen, Nicole Kornherr, gegenüber derStandard.at. Das Audimax werde ihrer Einschätzung nach auch über die Feiertage besetzt bleiben. Mit den Obdachlosen habe man "neue Bewohner", die "zu Weihnachten  fix da sein" werden. "Die Betroffenen sind bereits Teil der Besetzung", so Kornherr auf einer Pressekonferenz. Zuflucht suchen im Audimax derzeit vor allem Obdachlose aus den neuen EU-Staaten die aufgrund der geltenden Bestimmungen keinerlei Hilfestellungen erhalten. Momentan befänden sich zwischen 40 und 80 Obdachlose täglich im Audimax.

Viele seien bereits gut integriert und würden etwa in der "Volxküche" oder bei anderen Tätigkeiten mithelfen. Es gebe jedoch regelmäßig Probleme mit dem Alkoholkonsum und daraus folgenden Zwischenfällen etwa körperlicher Gewalt oder Sachbeschädigungen, so Kornherr. In diesem Fall komme es schon vor, dass Obdachlose von Aktivisten aus den besetzten Räumlichkeiten befördert würden. Jeder müsse sich schließlich an bestimmte Übereinkünfte halten, um ein friedliches Miteinander zu ermöglichen. "Wir sind keine Sozialarbeiter oder Ärzte", verwies Kornherr auf eigene Grenzen.

Café Winckler in der Aula

Inzwischen zieht die Vorweihnachtszeit in die besetzten Räumlichkeiten. Vor der Türe steht ein großer Christbaum, die Besetzer haben Weihnachtskugeln mit ihrem Logo bedruckt, Plakat mit der Aufschrift "Advent, Advent, Uni brennt" zieren die Gänge, man richtet sich auf die Feiertage ein. Auch Roger, ebenfalls bei der Besetzung aktiv, sieht kein nahes Ende. Der Prozess brauche Zeit, das Audimax sei aber ein "offenes Haus" und Rektor Winckler könne im Plenum jederzeit Anträge einbringen.

Stichwort Winckler: Erneut eröffneten die Studierenden das "Café Winckler", diesmal in der Aula. (red, derStandard.at, 15.12.2009)

  • Wenige Studierende und Obdachlose sammeln sich tagsüber im Audimax.
    foto: derstandard.at/pumberger

    Wenige Studierende und Obdachlose sammeln sich tagsüber im Audimax.

  • Man bereitet sich schon auf Weihnachten vor.
    foto: derstandard.at/pumberger

    Man bereitet sich schon auf Weihnachten vor.

  • Auch im Advent gehen die Uniproteste weiter.
    foto: derstandard.at/pumberger

    Auch im Advent gehen die Uniproteste weiter.

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