Harte Zeiten für die Mighty Reds

Tom Schaffer, 14. Dezember 2009 17:13

Liverpool ist schon jetzt aus dem Champions Lea­gue- und Meisterschaftsrennen. Der verschuldete Klub muss sich nun aus einer vielfältigen Krise ziehen

Alle anderen an der Premier League-Tabellenspitze patzten, bevor Arsenal am Sonntag an der Anfield Road gastierte. Es war für beide Mannschaften ein richtungsweisendes Spiel, für Liverpool gar das Match der allerletzten Chance. Mit viel Voodoo hätten die Reds dann vielleicht doch noch eine Rolle im Meisterkampf 2009/10 spielen können. Als in der 50. Minute Glen Johnson den Ball unglücklich im eigenen Netz unterbrachte, war auch diese Hoffnung Geschichte.

Der 24. Punkt der 16 Spiele langen Meisterschaft war verloren. Genauso viele hatte Manchester United in der Vorsaison abgegeben, als man Liverpools Rekordmeisterstatus ausglich. In dieser Saison werden einige Punkte weniger notwendig sein, weil die Dichte an der Tabellenspitze deutlich zugenommen hat. Für die Reds ist ein Mitwirken trotzdem nicht mehr absehbar. Sie gewannen nur drei ihrer vergangen 15 Spiele.

Schade

Die Fans resignierten an diesem Nachmittag. Viele verließen in einer für den Klub unüblichen Geste das Stadion schon einige Minuten vor dem Ende. Sie schienen der Mannschaft jedoch nicht übel zu nehmen, dass auch sie zum Teil aufgab - spätestens als kurz nach dem Ausgleich Andrej Arshavin per großartigem Tausendguldenschuss Arsenals Führung erzielte - mit der ersten echten Chance seiner Mannschaft.

Da war jeder Frust verständlich und andernorts in solchen Situationen ertönende Pfiffe des Publikums blieben aus. Möglicherweise aus dem geteilten Leid und dem Verständnis, dass selbst die für ihren Kampfgeist so oft gerühmte und belohnte Liverpooler Elf von einer Saison überwältigt werden kann, als deren Symbol sich das Sonntagsspiel begreifen lässt.

Seuchen

Da war alles dabei: Etwa die vergeblichen Anstrengungen einer superben ersten Hälfte, die in zu wenige Tore umgesetzt wurde. Selbst Publikumsliebling Fernando Torres (endlich wieder fit) setzte vor Manuel Almunia alleinstehend ein untypisches Beispiel (12.).

Da war auch wieder einige der zahlreichen fatalen Schiedsrichterfehler (die schon in der Champions League eine Rolle spielten). Etwa als William Gallas den Scousers-Kapitän Steven Gerrard in der 13. Minute direkt vor den Augen Howard Webbs im Strafraum einfach nur rüde niedertrat - und dafür straffrei blieb. Oder als Denilson in selbst für englische Verhältnisse doch einigermaßen übertriebener Manier Javier Mascherano mit gestreckten Bein in den Oberschenkel sprang - ohne vom Platz zu müssen.

So etwas gleicht sich in einer normalen Saison wieder aus, gibt dir in einer wackeligen aber den Rest.

Liverpool-Fans mussten (trotz folgendem Führungstor durch den stets bewundernswerten Arbeiter Dirk Kuyt) gezeichnet von einer schlimmen ersten Meisterschaftshälfte erahnen, was dann kommt. Und die im Moment allgegenwärtige unnötige Portion Pech kam verlässlich: Das Eigentor fügt sich in eine herbstliche Reihe mit sich gegenseitig ausschaltenden Innenverteidigern, Spielen mit zwei Verletzten nach 20 Minuten oder solchen mit einem spielentscheidenden Wasserball. Es rennt halt nicht an der Anfield Road.

Sünden

Aber die Probleme lassen sich nicht nur höheren Mächten anhängen. Als 25 Minuten vor dem Ende der genesene Alberto Aquilani einen seiner wenigen bisherigen Einsätze bekam, kumulierten sich die Probleme der Sommerpause am Feld. Der Ex-Roma-Spieler wurde als Ersatz für Xabi Alonso geholt, einen zentralen Spieler der starken vergangenen Jahre.

Ob der blass bleibende Aquilani diesem Anspruch gerecht werden kann, ist ob seiner eher artistischen Spielweise umstritten. Zumindest braucht er Zeit, sich an Tempo und Rhythmus der Premier League zu gewöhnen. Das Loch von Alonsos Abgang bleibt solange und lässt dem Gegnern mehr Möglichkeiten, sich auf das tödliche Duo Gerrard/Torres zu konzentrieren.

Der andere wichtige Neuzugang war der Unglücksrabe jenes Sonntagabends: Glen Johnson. Er ist auch nur Ersatz für den ebenfalls zum Kaufrausch-"Finanzwunder" Real Madrid abgewanderten Alvaro Arbeloa. Dieser Einkauf muss in Liverpool trotzdem niemandem leid tun, zeigte sich der Engländer bisher doch als echter Gewinn für das Offensivspiel der Reds.

Dennoch: Liverpool stagnierte im Sommer, obwohl die mangelnde Kaderdichte schon in den vergangenen Jahren offensichtlich der Stolperstein am Weg zum ersten Titel seit 1990 war. Wann immer wichtige Spieler wie Gerrard und Torres ausfielen (was auch in diesem Herbst schon viele unglückliche Wochen der Fall war), wurde ihre Unersetzlichkeit offensichtlich. Die Konkurrenten können solche Ausfälle besser verkraften.

Schererei

Der mittlerweile arg unter Druck gekommene Manager Rafael Benitez muss dafür zum Teil aus der Schusslinie genommen werden. 50 Jahre nachdem Trainerlegende Bill Shankly seine 15-jährige Erfolgsgeschichte mit den Mighty Reds begann ist der Spanier momentan nur Mangelverwalter.

Die Finanzen eines der glorreichsten der Fußballgeschichte, des laut Forbes viert-wertvollsten Klubs der Welt mit den laut Deloitte acht-höchsten Einnahmen aller Vereine sind düster. Die Schulden fressen das Transferbudget auf, wie der Trainer vor wenigen Tagen erstmals gestand.

Als vergangene Saison Robbie Keane Anfield nach kurzem Gastspiel wieder gen Tottenham verließ, wurde Benitez zugesagt, die Einnahmen aus diesem Deal im Sommer verwenden zu dürfen. Das finanzielle Dilemma der amerikanischen Eigentümer machte einen Strich durch diese Rechnung.

Die Transfers im Sommer waren ein Nullsummenspiel - je nach Rechenart sogar ein Gewinn. Für Johnson wurden Liverpool von Portsmouth zwar etwa 20 Millionen Euro verrechnet, großteils wurden die jedoch als Schuldenausgleich von früheren Deals abgeschrieben  (Jermaine Pennant und Peter Crouch wechselten einst von Liverpool ins nun wankende Portsmouth).

Finanzkonstrukt

George Gillett und Tom Hicks, die angesprochenen Investoren, kauften sich vor drei Jahren ein. Sie versprachen den Verein in neue Höhen zu finanzieren und dessen vergleichsweise moderate Schulden zu tilgen. Ein neues Stadion sollte die Einnahmen endlich mit jenen des Lokalrivalen von Manchester United gleichstellen. Seither fielen sie vor allem dadurch auf, dass sie miteinander stritten.

Um ihren Einstieg zu finanzieren belasteten die Investoren den Klub mit Schulden - und spätestens mit der Finanzkrise fiel auch dieses Gerüst in sich zusammen. Vom Stadion steht nach wie vor kein Stein und es wurde klar, dass Gillett und Hicks sich entgegen ihrem anfänglichen Auftreten keinesfalls von Malcolm Glazer unterschieden, der sich mit einem ähnlichen Kartenhaus nur wenige Jahre zuvor ManUnited aneignete.

Neue Investoren werden gesucht. Sicher hilft auch der neue Sponsorendeal, der ab kommendem Jahr für 22 statt bisher acht Millionen Euro eine Bank statt einem Bierhersteller auf die roten Trikots bringt. Der Unterschied ist immerhin ein knapper Aquilani pro Saison.

Zukunft mit Hindernissen

"Manchmal kann man sparen und trotzdem gute Leistungen bringen. Manchmal muss man ein bisschen warten und an die Zukunft des Vereins denken", sagt Benitez, der seinen Vertrag in diesem Jahr für weitere fünf Saisonen verlängerte. Wenige Tage vor diesem Statement wurde er von Arsene Wenger als "Super Manager" in Schutz genommen, dessen Verdienste man nicht zu kurzsichtig betrachten solle. 

Benitez ließ durchblicken, künftig dem Beispiel Wengers folgen zu wollen - dem günstigen Weg, mehr junge Spieler zu integrieren. Mit Emiliano Insua (20) und Lucas Leiva (22) sind erste Sprösslinge bereits im Team zu sehen, mit Jay Spearing und Stephen Darby (beide 21) sogar zwei große einheimische Talente am Sprung in den Kader. Wahr ist wohl: Meister in Toppligen sind selten auf Sparkurs. Und bis die Strategie mit Eigenbau-Spielern greift, könnte für die Fans noch die ein oder andere bittere Saison bevorstehen. (tsc, derStandard.at, 14.12.2009)

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Martin Krpan
20.12.2009 17:06

trainerwechsel!

so go
16.12.2009 22:07
walk on

zu hoch gepokert und verloren; dass die besitzer diesen 'wahnsinn' nicht mitmachen wollen selbst wenn das öffentliche ansehen darunter leidet ist aber auch verständlich.

'the anfield road is well known to glory, it shall return if they march on!' - s!g

onegooner
15.12.2009 21:42
ManUtd vs Wolves ???

in old trafford vollzieht sich in diesem moment gerade ein ziemlicher skandal: der wolves-manager schickt gegen manutd einfach die reserv aufs feld (ja, auch maierdings ist dabei), weil er meint, in OT haben wir eh keine chance, also schone ich meine 10 besten spieler für die nächsten abstiegskampf-kracher.

was mich als arsenal-fan dran ärgert? nicht nur die allgemeine unsportlichkeit dahinter, sondern dass das eine tendenz bestätigt, die sich bei den ganzen underdog-clubs durchzieht: gegen die "schönspieler" von arsenal steigen wir rein was geht, dann holen wir vielleicht einen punkt. aber auswärts gegen chelsea oder manutd? wird ein bissl paargelaufen und man lässt sich abschlachten. ist eh wurscht.

call me paranoid, aber ist ein fakt.

Dyrn
15.12.2009 23:01

ich als man utd fan habe - meines erachtens aus guten gründen - verteidigt, als arensal in der champions league mit der b-elf aufgelaufen ist. auch damals wurde von "unsportlichkeit" und "skandal" gefaselt. pech wird hier mit ungerechtigkeit verwechselt. und sollte Ihre theorie stimmen, dann sollte arsenal einfach besser spielen, damit sich die wolves auch gegen die gunners nix ausrechnen. wenn sich die wolves hingegen gegen arsenal gute chancen ausrechnen... dann würd ich als gooner mal in mich gehen und drüber nachdenken, ob das irgendetwas mit "ungerechtigkeit" oder "skandal" zu tun hat.

onegooner
16.12.2009 12:53
...?

der vergleich mit der cl hinkt aber ordentlich. arsenal war fix gruppenerster und hat als solcher alles getan was man "für den wettbewerb" wohl tun kann und dann zurecht auch drei, vier (nicht zehn!) reservespieler aufs feld geschickt.

manutd vs wolves war eine partie MITTEN IN DER SAISON, hier wurden drei punkte aus unsportlichem kalkül einfach an ein team verschenkt, das sich im titelrennen mit 2 bis 4 andern teams befindet. (die aber ihrerseits gegen ein bestbesetztes wolverhampton antreten mussten: arsenal 4-1, chelsea 4-0, mancity 1-0)

unterm strich hätte MU wahrsch. auch gegen top-motivierte wolves gewonnen. aber SO sind es drei unappetitliche punkte in der titelverteidigung.

irgendwie halt kein zufall dass sowas in OT passiert...

Dyrn
16.12.2009 17:54

Sie können von mir aus den Wolves unterstellen, was Sie wollen, und möglicherweise haben Sie recht, und es ist eine unsportlichkeit von seiten des wolves trainers, aber Ihr unappetitliches unterstellen und basteln von verschwörungstheorien lässt mich die diskussion abbrechen.

Pretty Boy Floyd
15.12.2009 22:04
SKANDAL!!!!

Ante Sapina ist Mick McCarthys Schwager und hat ihn bei der letzten Familienfeier angestiftet gegen Utd & Chelsea eine B-Elf spielen zu lassen, dafür aber die Arsenal Spieler niederzutreten (mit der A-Elf)...dafür gibts 1 Jahr gratis Cafe & Bier im Cafe King für den ganzen Wolves-Kader

mychicksarechic
16.12.2009 02:00

es ist in der tat ein sch**ß skandal. 6-pointer nächstes we hin und her, es ist nicht einzusehen, dass fucking micky mouse mitte dezember eine b-elf aufs feld schickt...
I hope they go down now.

deiml
15.12.2009 20:45

ist zwar merkwürdig das zu sagen aber in irgendeiner weise ist es gut dass die glazers, gillets und hicks dieser welt auf den fußball gekommen. weil es genau das ist was mit hunderten und tausenden unternehmen passiert und keiner davon notiz nimmt. so bekommen sie zumindest die negative aufmerksamkeit die ihnen zusteht. solche leute gehen zur bank, nehmen einen kredit auf um sich einen gut laufenden verein/unternehmen zu kaufen damit dieser dann die zinsen zurückzahlt. da ist der franky ein grader bursch, der nimmt zumindest sein eigenes geld.

bin ein ausgesprochener liverpool anhänger. weil mir ein gerrard unheimlich taugt, weil sie herrlich unkomplizierten fußball spiel(t)en und weil er noch nach fußball riecht.

Pretty Boy Floyd
15.12.2009 20:45

Der Lange ist heute bei Wolverhampton in der Startelf gegen ManUtd

Go Neckie Go ;)

Eure Pluheit
16.12.2009 00:19

hau di eine MEGATRON

al o'quent
15.12.2009 21:13
nice, 10 änderungen in der startelf...^^

al o'quent
15.12.2009 18:44
benitez ist schon länger rücktrittsreif...

die personalentscheidungen verstehe ich schon länger nicht mehr. erst mit dem barry-interesse den xabi alonso vergraueln, sich dann aber für eine lächerliche summe von man city ausstehen lassen... als draufgabe wird dann AA verpflichtet, der zwar kein schlechter ist, aber zu dem zeitpunkt schwer verletzt war, was lucas, unserem wunderkicker (weil da kannst di nur nu wundern...) einen stammplatz verschafft. dazu sammelt er mit voronin, kyrgiakos und dossena graupen die man weder in PL noch CL einsetzen kann. bevor ich für die einen euro ausgebe lasse ich lieber ayala, bruna, pacheco und saric spielen... schlechter könnens die sicher nicht machen.

bei der kaderzusammenstellung und dem verletzungspech kann nicht mehr rausschauen.

HeartbreakOne
18.12.2009 03:10
-_-

Voronin, Kyrgiakos, Dossena... -_-

Sie sagen es!

Pacheco og og! :D

Denken!!
15.12.2009 18:30

... at the end of a storm, there is a golden sky...

ynwa

Super Sharp Shooter
15.12.2009 18:08
zaach.

neben arsenal der leiwandste englische klub!

Denken!!
16.12.2009 04:09

nur ein kleiner Schönheitsfehler, nämlich umgekehrte Reihenfolge :)

Ernsthaft: Wenn wir schon 2009/2010 nicht den 19ten Ligatitel feiern können, dann soll ihn Arsenal holen.
go for it, gunners.

Gratulation von der Merseyside zum Sieg.
Ein Verein mit solchen Fans machen einen Verein noch sympathischer.

Leider ist mein Herz schon von klein auf rot.. ynwa

Denken!!
16.12.2009 03:53

nur ein kleiner Schönheitsfehler, nämlich umgekehrte Reihenfolge :)

Ernsthaft: Wenn wir schon 2009/2010 nicht den 19ten Ligatitel holen, dann soll ihn von den "Fab Four" Arsenal holen.
go for it, gunners.

Glückwunsch von der Merseyside zum Sieg.

ynwa

Denken!!
16.12.2009 00:37

fast deiner meinung, nur umgekehrt halt ;)
aber wenn wir schon verlieren müssen, dann gegen arsenal.

gratulation von der merseyside zum sieg und da es bei uns wohl 2009/2010 nichts mit dem 19ten titel wird: "go for it, gunners"

ynwa

alte frau
15.12.2009 20:01

solche wie du sollten sich nicht zu fußball äußern.

Eure Pluheit
16.12.2009 00:22

HAHAHAHAH

DU

zu geil

könntest du bitte die funktion einstellen, die einblick in alle deine postings gibt, damit wir uns von deiner fussballkompetenz überzeugen können

du bist zumindest deiner linie treu geblieben und hast lediglich einen unqualifizierten und unnedigen satz von dir gegeben

Der Doktor
15.12.2009 16:53
Na, und?

Ein Konkurs wäre zu begrüßen: endlich einer dieser unsympatischen Unkicker-Klubs von der Insel weniger!
Walk alone!!!

Denken!!
15.12.2009 20:23

unkicker? weißt du eigentlich wovon du redest?
kenny dalglish, ian rush, roger hunt, steve mcmanaman, robbie fowler, steve gerrard, fernando torres...
davon zwei spieler der aktuellen squad auf den plätzen 10 und 11 der liste fußballer des jahres. du hast recht. solche unkicker.

wenn man keine ahnung einfach mal still sein oder sich informieren, worum es bei fußball geht.

ynwa

btr
15.12.2009 19:31
geh wieder zurück in dein botanikforum,

denn von fußball an dem herzen hängen, hast du keine ahnung. (entschuldigung an alle botaniker)

Don Vincenzo
15.12.2009 17:10
Träum weiter...

Ein Konkurs bei Liverpool? Das ist nicht einmal möglich, wenn Frank Stronach einsteigt!

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