Seiltanz für Österreichs Banken geht weiter

14. Dezember 2009, 14:38
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Dem österreichischen Bankensektor stehen noch weitere, massive Wertberichtigungen ins Haus

Wien - Ein "gutes Timing" attestierte Ewald Nowoty, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), dem Termin für die Präsentation der 18. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts. Am heutigen Montag Morgen, nur wenige Stunden nach der endgültigen Einigung über die Zukunft der Hypo Alpe Adria, präsentiert die OeNB in Wien vor Journalisten ihre Szenarien, wie es mit den Banken in Österreich weiter gehen wird oder kann.

"Die Krise ist noch nicht ausgestanden, der österreichische Bankensektor wird noch große Abwertungen zu bewältigen haben", prophezeit OeNB-Direktor Andreas Ittner. Das Bankenpaket der Regierung habe zwar einiges geleistet, uneingeschränkter Optimismus sei aber nicht angebracht.  Derzeit liege die Kernkapitalquote der Banken mit 6,8 Prozent und damit über den mindestens vorgeschriebenen vier Prozent. Schrumpfe allerdings die Wirtschaft im Jahr 2010, würde auch die Quote der sechs größten österreichischen Banken auf 5,8 Prozent fallen. Laut Ittner kämen einigen davon um eine Kapitalerhöhung nicht umhin.

Der jüngste OeNB-Stresstest bescheinigt den heimischen Banken noch einen Wertberichtigungsaufwand in beträchtlicher Höhe: Zu den bereits berichtigten zehn Milliarden Euro kommen im schlimmsten Fall noch einmal zwanzig Milliarden dazu. Ittner besteht aber darauf, dass die Zahlen keine fixen Größen seien, sondern nur Szenarien. "Auch bisher lagen wir mit unseren Stresstests immer weit über den tatsächlichen Zahlen", so Ittner.

Kärntner Hypo durchgefallen

Die Kärntner Hypo ist beim Stresstest (Tier 1-Ration Herbststresstest bis 2. Quartal 2011), der noch vor der heutigen Kapitaleinschießung erfolgt war, übrigens durchgefallen. Ittner besteht jedoch darauf, dass es sich dabei um einen Einzelfall handle. Die Probleme der Hypo Alpe Adria seien nicht ausschließlich in der Finanzkrise zu suchen, vielmehr sei "die Historie der Bank relevant".

Die übrigen österreichischen Banken konnten bislang dank guter operativer Erträge ihre Wertberichtigungen im In- und Ausland kompensieren. Der Stresstest deute insgesamt auch eine vertretbare Risikofähigkeit hin, erklärt Ittner weiter. Der Berichtigungs-Bedarf werde aber weiter steigen. In den letzten Quartalen hatte sich die Wertberichtigungsquote von Tochterbanken in Osteuropa um 65 Prozent auf 4,6 Prozent erhöht (in Österreich lag sie im dritten Quartal 2009 bei 2,6 Prozent). Dass das starke Osteuropa-Engagement heimischer Finanzdienstleister beträchtlich das Ausfallsrisiko bestimmen, werde laut Ittner auch weiterhin bestimmender Faktor in der Riskobewertung und -beherrschung sein. Der hohe Fremdwährungskreditanteil im Osteuropa-Portfolio österreichischer Banken und die zeitlich begrenzten Stabilisierungsmaßnahmen des Währungsfonds oder der EU für die Region steigern das Risikopotenzial ebenfalls, so OeNB-Direktor Ittner.

Unternehmen und Kredite

In einem weiteren Teil des Finanzmarktstabilitätsbericht wurden auch die heimischen Unternehmen durchleuchtet, die im zweiten Halbjahr 2009 wieder in die Wachstumsphase zurück gefunden haben. Die Wirtschaftslage habe sich zuletzt dank niedriger Zinsen, Unterstützung durch die Wirtschaftspolitik und geringeren Risikoprämien stabilisiert, ergänzt Peter Mooslechner von der OeNB. Dennoch waren in den Unternehmensbilanzen die Spuren der Wirtschaftskrise deutlich zu sehen, die Unternehmensgewinne sind im zweiten Quartal 2009 um zwölf Prozent gesunken.

Damit einher gegangen ist - angesichts einer gleichbleibenden Verschuldung - auch ein Rückgang bei der Schuldendienstfähigkeit der Betriebe. Außerdem sei ein klarer Rückgang bei der Außenfinanzierung - Stichwort: Kreditklemme - zu verzeichnen. Das Kreditwachstum sei abgeschwächt, was sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Ursachen habe. Finanzierungsschwierigkeiten hätten in erster Linie jene Unternehmen, die ohnehin schon unter einem konjunkturellen Umsatzeinbruch leiden, meinte Mooslechner weiter. Die Finanzierung über börsennotierte Aktien konnte sich nach dem bereits im Jahr 2008 erfolgten Einbuch ebenfalls nicht mehr erholen. Lediglich die Anleihenfinanzierung hat im Verlauf des Jahres an Dynamik gewonnen. (rom, derStandard.at, 14.12.2009)

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    Uneingeschränkter Optimismus am Bankensektor ist nicht angebracht, findet Andreas Ittner, OeNB-Direktor, am Montag bei der Präsentation des aktuellen Stresstests und des Finanzmarktstabilitätsbericht.

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