Michelangelo-Kreuz vielleicht nicht von Michelangelo

14. Dezember 2009, 13:59
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Das Kreuz wurde vom italienischen Staat von einem Turiner Antiquitätenhändler für 3,25 Mio. Euro erworben - Es besteht der Verdacht, dass das geschnitzte Kreuz nicht von Michelangelo ist

Rom - Die italienische Polizei hat im Rahmen einer Untersuchung über die Echtheit eines angeblich von Michelangelo geschnitzten Holzkreuzes das Kulturministerium durchsucht. Das Kreuz, das der italienische Staat von einem Turiner Antiquitätenhändler für 3,25 Mio. Euro erworben hatte, steht im Mittelpunkt einer Untersuchung des Rechnungshofs in Rom, berichtete die römische "La Repubblica" am Samstag.

Es besteht der Verdacht, dass das aus Lindenholz geschnitzte Kreuz aus dem Jahr 1494 nicht auf Michelangelo, sondern auf einen unbekannten Holzschnitzer derselben Epoche zurückzuführen sei.

ExpertInnen erhoben Zweifel an Echtheit

Der Antiquitätenhändler, der das Werk von einer Florentiner Familie gekauft hatte, hatte in den vergangenen Jahren das 41 Zentimeter große Kruzifix für 15 Millionen Euro an Privatsammlungen angeboten, die den Kauf jedoch stets abgelehnt hatten. Der Rechnungshof leitete eine Untersuchung ein, nachdem einige der bekanntesten ExpertInnen von Michelangelo-Werken Zweifel an der Echtheit erhoben hatten.

Dabei war der Erwerb des Kreuzes durch den Staat vor einem Jahr mit einer großen Zeremonie in der Abgeordnetenkammer in Anwesenheit des italienischen Staatschefs Giorgio Napolitano gefeiert worden. Das Kreuz befindet sich zurzeit im Diözesanmuseum Neapels.

Kulturminister Sandro Bondi verteidigte die Authentizität des Werks. "Das Kreuz ist echt. Der Erwerb dieses Werks bereichert unser historisches und künstlerisches Erbe", meinte der Minister. (APA)

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