Hypo-Insolvenz wäre teuer gekommen

14. Dezember 2009, 12:43
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Zahlungen aus der Einlagensicherung, verlorenes PS-Kapital und Haftungen sowie hohe Arbeitslosenzahlen hätten gedroht

Wien -  Wäre die Hypo Alpe Adria nicht zu hundert Prozent vom Bund übernommen und damit in ihrem Bestand gerettet worden, wäre dies laut Expertenschätzungen noch wesentlich teurer gekommen als die 450 Millionen Euro, die nun von Wien nach Klagenfurt zur Stabilisierung des maroden Finanzinstituts fließen. Alleine für die unbegrenzte Einlagensicherung für natürliche Personen - der Bund müsste Beträge über 50.000 Euro begleichen - wären 500 bis 600 Mio. Euro fällig. Dabei sind Einlagen bei ausländischen Töchtern nicht in Österreich besichert. Das bisher eingeschossene PS-Kapital in Höhe von 900 Mio. Euro ginge ebenso verloren wie die Haftungen über 1,35 Mrd. Euro.

Kärnten wäre pleite

Das Land Kärnten müsste unmittelbar und mittelbar über die Kärntner Landesholding als Ausfallsbürge für bis zu 19 Mrd. Euro haften. Eine Insolvenz des Landes wäre wohl unvermeidlich, wenn diese Summen schlagend werden, da sich Gläubiger im Konkursfall direkt an den Ausfallbürgen wenden können. Zahlungen wären sofort wirksam, während die Verwertung der Konkursmasse Jahrzehnte dauere.

Auch wenn der Bund nicht unmittelbar für das Land Kärnten einstehen müsse, müsse er aber wohl aus staatspolitischen und wirtschaftspolitischen Gründen trotzdem einspringen. Durch Zahlungen in solcher Höhe würde das Maastricht-Defizit der Republik um sieben Prozent steigen.

Schlechteres Rating

Experten rechnen aber auch mit indirekten Effekten. Die Einlagen der anderen Banken und Versicherungen bei der Kärntner Hypo von rund 561 Mio. Euro würden gesperrt und erst nach Jahren mit einer Quote ausgezahlt. Es sei mit einem Dominoeffekt zu rechnen, wodurch die Tochterunternehmen der Hypo insolvent werden würden. Das Image Österreichs wäre geschädigt, das Rating der Republik würde sich verschlechtern, wodurch wieder die Zinskosten stiegen.

Durch die Sperre aller Konten wären alle Sparer bei der Hypo betroffen und könnten - knapp vor Weihnachten - nicht mehr an ihr Geld heran. Bei einer Schließung der Bank und ihrer Töchter würden 1.300 Arbeitsplätze in Österreich und weitere 6.200 bei den Tochterunternehmen verloren gehen - mit entsprechenden Problemen für den Arbeitsmarkt im Süden Österreichs, so die Schätzung für eine Insolvenz.

Genug Geld im Banken-Topf

Die 450 Millionen aus dem Bankenpaket stellen für den Bund kein Problem dar, da die entsprechenden, nach Ausbruch der Finanzkrise eingerichteten Töpfe noch zu mehr als der Hälfte gefüllt sind. So stellte die Republik im Rahmen des Finanzmarktstabilitätsgesetzes insgesamt 15 Milliarden Euro zur Verfügung, davon flossen bisher 1,75 Milliarden an die Raiffeisen Bank, 1,224 Milliarden an die Erste Bank und eine Milliarde an die Volksbanken.

Die Hypo Alpe Adria bekam ebenfalls bereits 900 Millionen aus diesem Topf, die 450 Millionen kommen mit dem heutigen Beschluss noch dazu.

Stützen für Kommunalkredit und Constantia

Außerdem gab es aus diesem Topf 1,2 Mrd. Euro Bilanzierungsstützungsgarantie für die Kommunalkredit und 400 Mio. Euro Haftung für die Constantia Privatbank. Letzterer Betrag dürfte nun wieder zurückfließen, da die Bank von Investoren gekauft wurde.

Zusätzlich steht aus dem Interbankmarktstabilitätsgesetz ein Rahmen von 65 Mrd. Euro an Haftungen zur Verfügung. Davon gingen bisher 4 Mrd. Euro an die Clearing Bank und 22,1 Mrd. Euro an diverse andere Programme, sodass noch 38,8 Mrd. Euro frei verfügbar sind. (APA)

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