EU billigt Milliardenhilfen für RBS

14. Dezember 2009, 17:41
posten

Die verstaatlichte britische Royal Bank of Scotland erhält im Gegenzug für strenge Auflagen bis zu 100 Milliarden Pfund

Wien - "Der Fall der Royal Bank of Scotland zählt zu den komplexesten, mit denen die Kommission im Lauf der Finanzkrise zu tun hatten", berichtete die scheidende EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Die britische Regierung musste der Krisenbank umgerechnet rund 50 Mrd. Euro an Eigenkapital zuschießen und sie verstaatlichen, um sie vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Weitere 8,8 Mrd. Euro an Zusatzkapital werden bereitgehalten, damit die Kernkapitalquote in den kommenden fünf Jahren nicht unter fünf Prozent fallen kann.

Die RBS ist wegen ihrer aggressiven Expansionsstrategie und schuldenfinanzierter riskanter Kreditgeschäfte in Schwierigkeiten geraten. Ins Schleudern geriet RBS vor allem durch die Übernahme des Großkundengeschäfts des niederländischen Finanzkonzerns ABN Amro.

RBS muss jetzt bis 2013 gesundschrumpfen und die Bilanzsumme reduzieren. Laut dem Sanierungsplan müssen unter anderem das Versicherungs- und das Warenhandelsgeschäft verkauft werden. Zudem muss sich die RBS von ihrem Mittelstandskundengeschäft trennen, wo sie bisher Marktführer ist. Das bedeutet den Verkauf von 300 Niederlassungen sowie 40 Geschäfts- und Einkaufszentren. Die faulen Wertpapiere werden über ein staatliches Absicherungsprogramm abgewickelt. Der Staat übernimmt dabei 90 Prozent der Verluste eines Wertpapierportfolios von 309 Mrd. Euro. Die RBS übernimmt die ersten 66 Mrd. Euro Verlust sowie zehn Prozent aller zusätzlichen Fehlbeträge, die daraus hervorgehen können.

Citigroup-Kapitalerhöhung

Besser geht es da offenbar schon der Citigroup. Sie hat sich mit der US-Regierung auf die Rückzahlung milliardenschwerer Staatshilfen geeinigt. Das ehemals weltgrößte Geldhaus kündigte am Montag eine Kapitalerhöhung im Volumen von 17 Mrd. Dollar (11,6 Mrd. Euro) an, um das staatliche Rettungsprogramm "Tarp" 2010 verlassen zu können. Das Institut wird damit insgesamt 3,1 Mrd. Dollar an Dividenden und Zinsen an die Regierung gezahlt haben.

Als Teil der Einigung wird das US-Finanzministerium Citigroup-Aktien im Wert von bis zu fünf Mrd. Dollar verkaufen. Die übrigen in staatlichem Besitz befindlichen Aktien will das Finanzministerium in den kommenden sechs bis zwölf Monaten verkaufen. Die US-Bank hat in mehreren Schritten insgesamt 45 Mrd. Dollar Hilfen aus dem staatlichen Rettungsprogramm Tarp erhalten. Im Zuge der letzten Tranche wandelte die Regierung 25 Mrd. Dollar in eine Aktienbeteiligung an der Bank um. Die Regierung hält knapp 34 Prozent an Citigroup. Dieser Anteil ist mittlerweile fast 30 Mrd. Dollar wert. Die Bank of America, derzeit größte US-Bank, hatte in der Vorwoche 45 Mrd. Dollar aus dem staatlichen Rettungstopf zurückgezahlt.

Bereits im Sommer hatten Banken wie JPMorgan Chase, Morgan Stanley und Goldman Sachs Staatshilfen zurückgezahlt.

Die teilverstaatlichte britische Großbank Lloyds hat die weltgrößte Kapitalerhöhung über umgerechnet rund 15 Mrd. Euro platziert. Damit will das Institut eine teure staatliche Versicherung für die Risikopapiere umgangen werden. (Reuters, cr, DER STANDARD, Printausgabe, 15.12.2009)

Share if you care.