Hans Sünkel neuer Rektorenchef

14. Dezember 2009, 12:34
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TU-Graz-Rektor löst Christoph Badelt ab Jänner 2010 ab - Nennt Unis "dramatisch unterfinanziert"

Linz/Wien - Der Rektor der Technischen Universität (TU) Graz, Hans Sünkel, wurde am Montag bei einer Plenarsitzung der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko) zum neuen Rektoren-Chef gewählt. Der 61-Jährige erhielt rund 75 Prozent der Stimmen und löst ab 1. Jänner den seit Mitte 2005 amtierenden Präsidenten der uniko, Christoph Badelt ab, der nicht mehr kandidiert hatte. Seine Amtsperiode läuft bis Ende 2011.

Sünkel ist Experte für Satellitengeodäsie und satellitengestützte Geodynamik. Im Jahr 2003 wurde Sünkel zum Rektor der TU Graz gewählt und 2007 für eine weitere vierjährige Periode bestätigt. In seiner bisherigen Amtszeit positionierte er sich als harscher Gegner der Abschaffung der Studiengebühren ("absoluter Schwachsinn"). Seiner Ansicht nach sollen die Unis die Gebührenhöhe innerhalb einer bestimmten Bandbreite selbst festlegen dürfen, gleichzeitig müsse das Stipendiensystem ausgebaut werden.

In der Frage des Uni-Zugangs hat der TU-Rektor an seiner Hochschule nicht die gleichen Probleme wie sein Vorgänger an der uniko-Spitze: Während Christoph Badelt an seiner Wirtschaftsuniversität (WU) mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen hat, ist die TU Graz trotz Studentenzuwächsen in den meisten Fächern durchaus noch offen für weitere Studenten.

 

"Dramatisch unterfinanziert"

"Erhebliche Nachdenknotwendigkeit" sieht der neue Chef der Universitätenkonferenz (uniko), Hans Sünkel, bei der Finanzierung der Universitäten. Es sei "unbestritten, dass wir dramatisch unterfinanziert sind im Vergleich zu den meisten westlichen, aber auch fernöstlichen Staaten", so Sünkel. Auf diesen Umstand werde er wie sein Vorgänger Christoph Badelt immer wieder hinweisen und eine mit einem Zeitplan versehene gesetzliche "Roadmap" für eine Erhöhung des Uni-Budgets einfordern.

Auch ansonsten will Sünkel am Kurs Badelts großteils festhalten: Natürlich sei er aufgrund seiner Technikprägung "anders programmiert" - "deutliche Unterschiede stelle ich aber nicht fest". "Reengineering-Bedarf" sieht der Rektor der Technischen Universität (TU) Graz auch beim Bologna-Studiensystem. Dieses Thema stehe aber genauso wie die Studentenproteste erst am Nachmittag auf der Tagesordnung der uniko. Die Ergebnisse würden am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.

Erste Wünsche an Sünkel kommen von der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH): Sie will einerseits mit ihm bei der Forderung nach ausfinanzierten Hochschulen gemeinsam auftreten, ihm andererseits aber auch die "katastrophalen Zustände im organisatorischen und administrativen Bereich" der Unis aufzeigen und ein Bekenntnis zu einer Steigerung der Akademiker- und Studienanfängerquote abverlangen. Glückwünsche und Lob an die Adresse Sünkels und Badelts äußerten Wissenschaftsminister Johannes Hahn und der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald.

Rektoren und Vizerektoren

Die uniko ist als Verein organisiert, dessen Mitglieder die 21 staatlichen Unis sind. Sie werden in der uniko durch die Rektoren und Vizerektoren vertreten. Der Verein soll die interne Koordination der Unis gewährleisten und diese in nationalen und internationalen Gremien vertreten. Zudem sieht sich die uniko als Stimme der Universitäten in der Öffentlichkeit.

Stellvertreter des Rektorenchefs bleibt Gerald Bast (Universität für angewandte Kunst Wien). Ins Präsidium gewählt wurden außerdem Badelt (Wirtschaftsuniversität Wien), Alfred Gutschelhofer (Universität Graz), Heinrich Schmidinger (Universität Salzburg), Wolfgang Schütz (Medizinische Universität Wien) und Georg Winckler (Universität Wien). (APA)

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    Sünkel ist Experte für Satellitengeodäsie und satellitengestützte Geodynamik.

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