Forscher glaubt Grund für Darwins Leiden zu kennen

14. Dezember 2009, 12:38
3 Postings

Anatom: Keine psychosomatischen Beschwerden, sondern das Cyclical Vomiting Syndrome hätten den Forscher geplagt

Frankfurt/Main - Während des Großteils seines Erwachsenenalters wurde der britische Naturforscher Charles Darwin von schweren Gesundheitsproblemen geplagt: Übelkeit, Schwächeanfälle, Erbrechen, Kopfschmerzen und Hautbeschwerden setzten dem Begründer der Evolutionstheorie zeitweilig so arg zu, dass er sich aus der Öffentlichkeit zurückzog und Reisen mied.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird eifrig spekuliert, was für dieses Krankheitsbild ursächlich war. Ärzte mutmaßten etwa eine Mittelohrentzündung, eine Arsenvergiftung oder eine tropische Parasiteninfektion als Ursache. Psychologen tippten dagegen eher auf Hypochondrie, Panikstörungen, Eheprobleme oder gar - in der ersten Hochphase der Psychoanalyse - unterdrückte Wut auf seinen Vater.

All diese Hypothesen seien aus gutem Grund wieder verworfen worden, schreibt nun der Anatom John Hayman von der Monash Universität in Melbourne und stellt im "British Medical Journal" eine neue Theorie vor. Seiner Diagnose nach litt Darwin an zyklischem Erbrechen (Cyclical Vomiting Syndrome, CVS). Diese Erkrankung, die ebenfalls mit Kopf- und Bauchschmerzen, Übelkeit und wiederkehrenden Hautinfektionen einhergehen kann, tritt zwar gewöhnlich bei Kindern auf, kann aber auch erst im Erwachsenenalter beginnen. In akuten Phasen müssen sich die Betroffenen im Extremfall mehrmals pro Stunde übergeben - eine solche Phase kann wenige Tage, schlimmstenfalls aber auch einige Wochen andauern. Die Ängste, die Darwin über viele Jahre hinweg quälten, seien daher nicht als Ursache seiner Probleme anzusehen, sondern als Folge seiner Erkrankung, betont Hayman. (APA/AP/red)

Share if you care.