"Da hätte es auch andere aufgestellt"

14. Dezember 2009, 10:51
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Nur vereinzelter Abzug von Spareinlagen Montagfrüh in Kärnten

Von einem "Dominoeffekt" warnte EZB-Chef Jean-Claude Trichet, als er sich in die nächtlichen Verhandlungen um die Hypo Alpe Adria Group einmischte. Tatsächlich sorgten sich etwa Raiffeisen und Erste Group dem Vernehmen nach nicht nur um ihre Töchter in Ost- und Südosteuropa, falls die dort sehr aktive Hypo kollabiert wäre. Eine Insolvenz der Nummer sechs am heimischen Markt hätte sich wohl auch wieder in den Börsekursen der zwei Großbanken widergespiegelt.

Ohnehin soll bereits ein Drittel der Spareinlagen in den vergangenen Wochen von der Hypo Alpe Adria abgeflossen sein. Auch Depots wurden aufgekündigt. Die Notenbank hat zuletzt alle zwei Stunden die Spareinlagenentwicklung bei der Hypo gecheckt.

Konkurs wäre "Schock" gewesen

Beteuerungen der Politik, die Einlagen seien sicher, beruhigten viele Bankkunden ganz offensichtlich nicht. Auf den Einlagensicherungsfall wollte man es ohnedies nicht ankommen lassen; Die Aussicht, dass viele tausend Bankkunden kurz vor Weihnachten auf ihr Geld warten müssen (üblicherweise dauert die Auszahlung der Einlagensicherung drei Monate), war für Banker und Politiker ein Horror.

Wie überhaupt ein Konkurs einer größeren Bank ein Schock für die Branche wäre, selbst wenn der Konkurrent lange Jahre für Ärger unter den Mitbewerbern gesorgt hat. "Da hätte es die eine oder andere auch noch aufgestellt", sagte ein entnervter Banker am Montag.

"Schonende Konstruktion"

Nicht nur die Hypos, die ja einen Solidarhaftungsverband haben, hätten wegen des drohenden Absturzes ihre Zwischenbanklinien mit den Kärtnern aufkündigen müssen. Auch viele andere Banken im In- und Ausland. Die Bank wäre binnen Stunden ihrer Geschäftsgrundlage verlustig gegangen. Anleihegläubiger konnten dem Vernehmen nach auch nur mehr mit Hinweis auf die Rettungsverhandlungen ruhig gestellt werden.

Den Abschreibungsbedarf von Grawe/Bank Burgenland (ihr Hypo-Fünftel steht zu 200 Mio. Euro in den Büchern) konnten sich die Bankenaufseher im Hypo-Insolvenzfall auch schon ausrechnen. Mit dem jetzigen Paket wurde eine schonende Konstruktion gefunden, heißt es.

Gemischte Gefühle der Kunden

Am Montag Vormittag blieb ein befürchteter Run auf die Spareinlagen der Hypo Alpe Adria aus, der Betrieb in den Klagenfurter Filialen verlief - zumindest dem Anschein nach - wie an jedem anderem Tag. Auch die Reaktionen der Kunden über die Situation der krisengebeutelten Bank waren gemischt und reichten von Enttäuschung und Wut bis zu Vertrauensbekundungen.

"Ich hab' jetzt das Geld von meiner Tochter abgezogen, weil ich schon enttäuscht bin", meinte eine Frau, während ein junger Mann im Vorbeigehen "Sperrt zu die Scheiß-Hypo, ihr Verbrecher!" rief und sichtlich wütend die Fäuste schüttelte. "Ich habe nichts abgehoben, ich hatte immer Vertrauen in die Bank", meinte hingegen ein Geschäftskunde. (APA/red)

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    "Sperrt zu die Scheiß-Hypo, ihr Verbrecher!" rief ein junger Mann am Montag Vormittag vor einer Hypo-Filiale in Klagenfurt.

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