Der Glanz verblasst

13. Dezember 2009, 18:56
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Der sonst so smarte Bayer macht gar keine gute Figur

Niemand, nicht einmal der opportunistischste Oppositionelle in Deutschland, wirft Karl-Theodor zu Guttenberg vor, an jenem verheerenden Bombardement in Kunduz Schuld zu tragen, bei dem am 4. September bis zu 142 Menschen starben. Damals war der "Messias der CSU", der Polit-Darling der Deutschen, noch gar nicht Verteidigungsminister, sondern Chef des Wirtschaftsressorts.

Neuerdings verweist Guttenberg ja auch selbst auf diesen Umstand. Doch leider nützt ihm das in seiner aktuellen Bredouille gar nichts. Denn der junge Adelige - ob er will oder nicht - hat die Aufklärung der Geschehnisse mit Amtsantritt als Verteidigungsminister geerbt. Und dabei macht der sonst so smarte Bayer gar keine gute Figur.

Details aus Berichten kommen hauptsächlich durch Medien an die Öffentlichkeit, nicht durch Guttenberg selbst. So etwas riecht nach Vertuschung und macht sich gerade im Fall Kunduz ganz schlecht. Denn dort geht es um Leben und Tod, um die Frage: Machen Deutsche in Afghanistan gezielt Jagd auf Taliban und überschreiten damit ihre Kompetenzen? Für ein Land mit einer militärischen und kriegerischen Vergangenheit, wie Deutschland sie hat, ist das keine untergeordnete Frage, sondern eine sehr zentrale.

Deshalb kann sich auch Kanzlerin Angela Merkel mittlerweile nicht mehr an ihrem Verteidigungsminister abputzen. Sie muss die Angelegenheit zur Chefsache machen und endlich für Klarheit sorgen. Die Deutschen haben das Recht, zu erfahren, was ihre Soldaten nebst Brunnengrabungen und Schulbau am Hindukusch sonst noch so alles treiben. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2009)

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