Ein Leithammel, der wie ein Idol handeln will

13. Dezember 2009, 19:17
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Dinko Jukic gewann Bronze über 200 m Delfin und forderte eine verbandsinterne Klärung zur Abreise von Markus Rogan. Der Europameister habe das Team im Stich gelassen

"Wir werden am Montag mit demselben österreichischen Team in Wien landen, mit dem wir auch hier hergeflogen sind" , sagte Dinko Jukic. "Dass wir dann nur meine Bronzemedaille am Flughafen präsentieren können und nicht auch die Goldmedaille von Markus Rogan, ist schade. Aber es ist eben so."

Jukic war es am Samstagabend in Istanbul ein großes Bedürfnis zu sprechen. Weniger über seinen dritten Platz über 200 m Delfin, seine siebente Medaille bei Großereignissen. Und auch weniger über die Tatsache, mit nur zwanzig Jahren schon der dritterfolgreichste Athlet der jüngeren österreichischen Schwimmgeschichte hinter Rogan (28 Medaillen) und seiner Schwester Mirna (22) zu sein. Jukic: "Es wird noch eine Weile dauern, bis meine Medaillensammlung vollständig ist."

Aus ihm sprudelte es erst richtig heraus, als das Thema Markus Rogan angesprochen wurde. Der Europameister, der solo zur EM angereist war, hatte Istanbul nach seinem Triumph über 200 m Lagen schon am Freitag wieder verlassen. "Ich habe es nicht geschafft, ihm vor seiner überraschenden Abreise zum Titel und zum Comeback zu gratulieren" , sagte der Wiener. "Die Mannschaft hat ihn nach dem Rennen nicht gesehen. Für uns war er einfach nicht greifbar."

Jukic bemängelte vor allem, dass Rogan mit seiner One-Man-Show dem Team geschadet und es im Stich gelassen habe. "Das wird von Verbandsseite noch intern geklärt werden müssen."

Einige österreichische Schwimmer hatten zuvor Verständnis für die Abreise Rogans gezeigt. "Er hat erreicht, was er erreichen wollte" , sagte etwa Jördis Steinegger. Für Jukic hingegen war es ein klares Fehlverhalten. "Seine großen sportlichen Erfolge verdienen Respekt, das waren großartige Leistungen. Aber es ist schade, dass viele Sportler in Österreich ihn nur deswegen als Vorbild sehen."

Jukic, der wegen Trainingsrückstands aufgrund einer Erkrankung eigentlich auf die EM verzichten wollte, war gebeten worden, mitzufahren. "Der Verband hat gesagt, dass sie mich bei der Mannschaft brauchen. Dieser Verantwortung habe ich mich gestellt. Ich will der Leithammel werden, der auch handelt wie ein Idol."

Ein Teamleader, sagt Jukic, sei Rogan nur bis etwa 2006 gewesen. Dann hätten seine Interessen vorrangig der kommerziellen Verwertung seiner Erfolge gegolten. "Er hat mir geraten, die Schildkappe nicht zu weit runterzuziehen, weil man meinen Sponsor dann nicht mehr sieht. Er hat mir einiges geraten. Aber ein ‚private banker‘ war ich nie. Als Businessman hat man gesehen, was aus ihm geworden ist. Wenn er weiterhin der Meinung ist, dass er Business statt Sport machen soll, dann soll er das machen."

Gold in Budapest

Als nächstes sportliches Ziel hat der 20-jährige Student (Sport und Geschichte auf Lehramt) die Langbahn-EM im August 2010 in Budapest ins Visier genommen. Ab nächster Saison sind ja die Schwimmanzüge verboten, davon dürfte Jukic profitieren. Außerdem gibt es über die Langbahn weniger Tauchphasen, eine seiner wenigen Schwächen. "Mein Ziel ist ganz klar EM-Gold. Das fehlt mir noch auf der Langbahn."

Auf der Kurzbahn in Istanbul durfte sich der OSV mit 20 Athleten quantitativ über das bislang größte EM-Team aller Zeiten freuen. Qualitativ stachen die Goldmedaille durch Rogan sowie Bronze und Platz vier (200 m Lagen) durch Jukic heraus. Es gab insgesamt zwölf Finali und 14 österreichische Rekorde. Bei der EM 2008 im kroatischen Rijeka hatte es - inklusive der in Istanbul abwesenden Mirna Jukic - noch fünfzehn österreichische Finalplätze gegeben. (David Krutzler aus Istanbul - DER STANDARD PRINTAUSGABE 14.12. 2009)

 

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    Dinko Jukic rechnet nach EM-Bronze in Istanbul mit Markus Rogan ab. Der 20-Jährige kritisiert die vorzeitige Abreise des Europameisters. Er will sich als neuer Teamleader positionieren.

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