Wagner singen bleibt ein Wagnis

13. Dezember 2009, 18:49
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Angela Denoke mit den Tonkünstlern und Elisabeth Kulman mit dem RSO Wien

Wien - Die großen, in mehrfacher Hinsicht ausufernden Partien aus den Musikdramen von Richard Wagner haben schon manche Sängerkarriere in eine Einbahnstraße verwandelt. Sind die Stimmbänder erst einmal auf die nötige Hochdramatik und die damit einhergehende ständige Gespanntheit getrimmt, ist der Weg zurück zu verhaltenen, zarten Tönen - die freilich auch diesen Rollen gut anstehen - allzu schnell verstellt.

Und ewig locken sie doch, die heroisch leidenden Wagner-Figuren, denen man sich auch mit der gebotenen Besonnenheit annähern kann, indem man sie sich zum Beispiel zizerlweise erobert. So hat sich Angela Denoke für ein Konzertprogramm mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter Claus Peter Flor mit spürbarem Respekt an den Schlussgesang der Brünnhilde aus der Götterdämmerung herangewagt und ist dabei mit einer Mischung aus Vorsicht und Vorpreschen auf Tuchfühlung mit ihren eigenen stimmlichen Grenzen gegangen.

Vibrierende Intensität

Mit packender Ausstrahlung und einem virtuosen Feuerwerk an psychologischen Andeutungen gelang Denoke ein Vorgeschmack darauf, wie sie möglicherweise die ganze Rolle anlegen würde: vibrierend intensiv, aber auch stellenweise mit so viel Vibrato, dass man sich die Frage stellen konnte, ob nicht die technische Herausforderung mehr zum Ergebnis beitrug als das Streben nach Ausdruck.

Wagners Wesendonk-Lieder, die Elisabeth Kulman mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien und Dirigent Michael Schønwandt in Hans Werner Henzes Instrumentierung realisierte, sind da von vornherein ein anderes Kaliber - mit weniger extremen sportiven Anforderungen, aber der umso dringlicheren Notwendigkeit zur Verinnerlichung. Die ehemalige Sopranistin, die sich jetzt beim Mezzo- und Alt-Repertoire heimisch fühlt, ließ mit gemeißelter Wortdeutlichkeit aufhorchen und bestach durch Kultiviertheit, Konzentration und eine Zurücknahme von Subjektivität, die zuweilen an reizvolle Kühle grenzte.

Beide Programme im Musikverein waren klug kombiniert: Bei den Tonkünstlern klang Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 mit ihren vielfachen Zitaten, die unter anderem Brünnhilde beschwören, sehr ordentlich, wenn auch mit zu wenig Schärfe. Und beim RSO gab es neben durchsichtig gespielten Tristan-Auszügen Henzes Aristaeus mit Nicholas Ofczarek, der den pathetischen Text des Komponisten blutvoll rezitierte, und brillant musizierten Blechlawinen. (Daniel Ender, DER STANDARD/Printausgabe 14.12.2009)

Info

Das Konzert mit dem RSO Wien sendet Ö1 am 18. 12. um 19.30

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