Der Beamtenkönig als Schattenkanzler

13. Dezember 2009, 18:22

Den kleinen Beamten sei es vergönnt: eine moderate Anhebung ihrer Pensionen

Den kleinen Beamten sei es vergönnt: eine moderate Anhebung ihrer Pensionen. "Eine nachhaltige Zugabe" nennt es der Chefverhandler der Beamten, Fritz Neugebauer. Diese innovative Umschreibung einer zusätzlichen Budgetbelastung von 55 Millionen Euro (um 100 Prozent mehr als im Haushalt vorgesehen) ist in Wirklichkeit eine nachhaltige Machtdemonstration des gegenwärtigen Schattenkanzlers der Republik. Fritz Neugebauer ist mächtiger als Faymann und Pröll zusammen.

Er hätte tatsächlich nachhaltig wirken können. Wie in fünf anderen EU-Staaten geschehen, hätte er bei seinen Beamten eine Nulllohnrunde durchsetzen können. Oder zumindest die "Zugaben" der kleinen Verdiener erhöhen und ab dem oberen Mittelstand eine Null zugestehen können. Man hätte mit 55 Millionen das Auslangen gefunden.

Aber das ist nicht geschehen. Wie schon im Konflikt zwischen Lehrern und Bildungsministerin musste die Chose zur "Chefsache" erklärt werden. Damit die Niederlage des Bundeskanzlers und seines Vize, der noch dazu Finanzminister ist, im Staatstheater öffentlich aufgeführt werden konnte. Der Beamtenkönig als Regisseur eines immer wieder neu inszenierten Abräum-Spektakels.

Die den Beamten "nachhaltig" zugeschanzten 55 Millionen würde man besser in den Universitätssektor investieren. Zusätzlich zu den vom scheidenden Minister Gio Hahn genannten - einmaligen - 34 Millionen. Aber die Universitäten sind halt keine Chefsache und die Studentenproteste auch nicht. Jüngste ganzseitige Zeitungsinserate des Bundeskanzlers zeigen die wirkliche Rangfolge der Regierungsvorhaben: 1.) Kampf gegen Arbeitslosigkeit; 2.) Ausbildungsangebot verbessern; 3.) Gesundheitssystem auf hohen Niveau halten; 4.) Pflegesystem ausbauen. Gepflegt aber werden vor allem die Beamten und jene "Bad Banks", die sich mit faulen Geldgeschäften in den Ruin manövriert haben.

In der Ära Schüssel lautete eines der wichtigsten Reformvorhaben: weniger Beamte und eine billigere Verwaltung.

Geworden ist daraus nichts: Die Reduzierung der Zahl der Beamten ist im Wesentlichen ein Schwindel, weil die meisten Eingesparten in ehemalige Staatsbetriebe ausgelagert wurden und deren Gehälter jährlich unter "Sachaufwand" ins Budget zurückkehren.

Gleichzeitig produziert die Bundesregierung so viele Gesetze, dass nicht nur die Parlamentsbeamten stöhnen und eine Aufstockung der Planposten verlangen. Wie der steirische ÖVP-Klubchef Christopher Drexler vor wenigen Tagen kritisierte, führe die Gesetzesflut zu einer permanenten Beamtenvermehrung. Die Hausmacht Neugebauers wird nicht schmäler, sondern breiter, weil immer noch und gerade in Zeiten der Krise gilt: Eine Bundes- oder Landesanstellung ist sicherer als eine in der Privatwirtschaft.

Das Titelbild in der Donnerstag-Ausgabe des Standard sprach Bände: In der Mitte ein strahlender Neugebauer, links und rechts die gedemütigten Faymann und Pröll. Das Bild gehört zu den Anwärtern auf das "Foto des Jahres".

Neugebauer ist ein Kandidat für den "Mann des Jahres": Er wirft dunkle Schatten auf die Reformkraft Österreichs. (DER STANDARD-Printausgabe, 14. Dezember 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 51
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Thouts
00
14.12.2009, 18:26
Übersetzt heißt das wohl, die Gewerkschaften bestimmen, ....

..wie und was etwes abzulaufen hat. Fast ironisch, dass ein Parteigänger von Schüssel den x-ten Nachfolger von ihm am Gängelband führt.

sociovation
21
14.12.2009, 17:53
Eine Nullohnrunde für Beamte

ist natürlich nichts anderes als eine versteckte und vor allem nachhaltige Steuererhöhung selektiv für eine Berufsgruppe.
Das ist ein unglaublicher Zynismus.

Gerhard Grabner
00
14.12.2009, 17:51
Neugebauer befiehl....

..- das Land zahlt demütig.

Annemarie Veit
00
14.12.2009, 17:12
dachte nie im leben daran,

dass herr sperl einmal unserem alt-kanzler schüssel nachtrauern wird!
es bewahrheitet sich ja doch immer wieder: es kommt nix besseres nach...!

systemfehler1
01
14.12.2009, 16:07
Schattenjournalist schreibt über Schattenkanzler.

Laßt uns über diese Schatten springen.

Günther Schmid
11
14.12.2009, 12:25
"Fritz Neugebauer ist mächtiger als Faymann und Pröll zusammen."

Das is aber bitte schön keine Kunst.

Schwächer als die Beiden, schneller umfallen oder fachlich inkompetenter - DAS wär eine Leistung. Also zumindest, wenn man kein Kärntner is...

Piefke in Tirol
28
14.12.2009, 12:20
Wie hoch war Ihre letzte Gehaltserhöhung, Herr Sperl?

Und wie war Ihr Beitrag zur Senkung der Arbeitslosigkeit?

Irma la Douce
00
14.12.2009, 16:45
Gerl verdient zur wohlerworbenen Pension zu.

Wigger
 
00
14.12.2009, 16:43

Ich glaub, dass war jetzt eine rhetorische Frage, geh, Sie ausg'fuchster Schling'l Sie?!

Becka
10
14.12.2009, 14:36
sie lasen:

einen konstruktiven debattenbeitrag des users "Piefke in Tirol"

voc-monkey
31
14.12.2009, 12:29
Verstehe!

Man darf nur seine Meinung kundtun wenn man was gegen die Arbeitslosigkeit getan hat!? Oder wie? Was soll dieses Posting?
Neugebauer is in jegllicher Hinsicht ein Gestriger der höchstdringend in Pension gehört. Da hat der Herr Sperl einfach recht - egal ob er was oder nix für Arbeitslosigkeit getan hat!

W.Hammerl
01
14.12.2009, 14:47

Als ASVG-Pensionist hätte Herr Neugebauer 1,5 % Gehaltserhöhung bekommen, als Beamter lediglich 0,9 %. so gesehen haben Sie natürlich recht.

voc-monkey
01
14.12.2009, 16:24
als ASVG-ler hätte der Neugebauer

aber mit Sicherheit auch noch nicht mal die Hälfte der Summe die er als Beamter kassieren wird!
Sie werden in ganz Österreich kaum einen Beamten finden der bei gleicher Anzahl an Jahren weniger Pension bekommt als ein ASVG-ler.
Also vergleichen Sie sowas bitte nie miteinander.
Und jetzt auch ja nicht mit der Abfertung kommen. Die hat ein Beamter in wenigen Jahren eingeholt!

Piefke in Tirol
03
14.12.2009, 13:02
Ich wollte mir nur eine Meinung über den Herrn Sperl bilden!

Wenn er auf eine Gehaltserhöhung verzichtet oder keine bekommen hätte, könnte ich seiner Argumentation evtl. folgen.

voc-monkey
01
14.12.2009, 16:21
dann vergleichen wir doch mal

die durchschn. ASVG-Pension mit der durchschn. Beamten-Pension!
OHA!?
Da sollte schon was klingeln!
Und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit der Abfertigung! Jeder ASVG-ler mit Restintelligenz würde gerne auf die Abfertigung verzichten, wenn er dafür mit 80% seines Gehaltes abtreten dürfte! Die Abfertigung is schnell eingespielt!! Das ist schon von vornherein ungerecht und ich kann nicht nachvollziehen warum es hier 2 Systeme braucht?

quaxiderfrosch
00
14.12.2009, 18:56
Sie können ja einiges

nicht nachvollziehen. Die Zeit der 80% vom Letztgehalt sind schon lang Geschichte, auch Beamten haben Durchrechnung. Dennoch ist es klar, dass ein Beamter mehr hat, als ein vergleichbarer ASVG-Versicherter: Wer mangels Höchstbeitragsgrundlage mehr einzahlt, bekommt halt am Ende auch mehr raus. Dass es durchaus ASVG-Versicherte mit Firmenpensionen gibt, fällt natürlich aus der Statistik raus, weil nicht erfassbar. Und dass für junge Beamte das gleiche Pensionssystem gilt, wie für ASVG-Versicherte sei nur am Rande erwähnt. Wenn wir schon bei blöden Vergleichen sind, warum zahlen BVA-Versicherte in der KV 20% Selbstbehalt, GKK-Versicherte hingegen nicht?

der.Geheimrat
05
14.12.2009, 11:25
Was sind die Kosten der Gehaltserhöhung

im Vergleich zu den hunderten Millionen die der Staat in die Hypo Albe Adria steckt?

Nulllohnrunde für Beamte um den Banken noch mehr in den Hint*** zu stecken ?

Korsar
02
14.12.2009, 09:57
Neugebauer

hat als Hauptschuldirektor auch nur die absolute Mindestzeit "gewirkt",aber voll kassiert !

01
14.12.2009, 09:55
die Frau Heinisch-Hosek habens vergessen

denn auch die erlitt einen kahlschlag. Wie sagte mal ein portugiesischer Literaturnobelpreisträger: "Berlusconi ist ein verbrecher, er ähnelt in gefährlicher weise einem menschlichen Wesen". Ich finde, Neugebauer kann dieselbe Energie für sich in anspruch nehmen. Er ist außer monströse maschine rein gar nix. Man stelle sich vor, er lebte in einem autoritären staat und hätte dort macht. gruuuusig.

256 graustufen
01
14.12.2009, 09:23
diesen kommentar widmet ihnen ...

... die grazer wechselseitige.

»Krawuzikapuzi«
18
14.12.2009, 08:27
Polemik

...würde man besser in den Universitätssektor investieren...

Warum wird bei diesem tendenziösen Artikel einfach unter den Tisch gefallen lassen, dass praktisch alle Universitätsbediensteten als Angehörige des öffentlichen Dienstes natürlich von dieser "Pimperlanhebung" mitprofitieren?

Ausgenommen natürlich die pensionierten, die bekommen leider nur 1,5% drauf... :-(

256 graustufen
01
14.12.2009, 09:31
abgesehen davon, dass die universitätsbediensteten keine öffentlichen bediensteten mehr sind,

nachdem die universitäten ausgegliedert wurden, dafür aber im zuge dessen der bva in den rachen geworfen wurden, klingt "beamtengehälter" einfach so ... leicht zu verstehen. und die medien hierzulande möchten ihre leser ja nicht überfordern.

Jukebox
00
14.12.2009, 20:46

Sie wissen aber schon, dass der neue Kollektivvertrag für Uni-Bedienstete pro Jahr Mehrkosten von € 80 Millionen mit sich bringt. Und die Kohle erwirtschaften nicht die Universitäten, sondern sie kommt vom Bund.

Insofern liegt Sperl richtig, wenn er sagt, dass die Ausgliederungen nur Augenauswischerei sind. Und vor allem das Budget noch mehr belasten (siehe auch: FMA, Austro Control, Statistik Austria, Austrian Development, AGES, Flüchtlingsbetreuung, Zivildienst Service-Agentur, ÖBB, NEUSTART, Bundes-Buchhaltung, Umwelt Bundesamt GmbH! und so weiter, und so weiter, und so weiter). Gehälter: ca. 2x Bundesdienst! Siehe die RH-Berichte.

Danke Wolfgang, danke Karl-Heinz!

der innere neugebauer
01
14.12.2009, 08:24
das christkind gibt es auch nicht...

wann begreift das volk daß es mehr arbeiten muß um die beamten zufrieden zu stellen?

Radio Eriwan
03
14.12.2009, 06:25
Die Hypo braucht Geld, nicht wahr?

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